1. FC Heidenheim: Interview mit Marc Schnatterer

"Ich habe es nie bereut, immer hiergeblieben zu sein."

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Freitag, 13.12.2019 | 16:00
Marc Schnatterer überspringt Karlsruhes Daniel Gordon.

Kapitän, Leistungsträger & Urgestein: Marc Schnatter ist „Mr. Heidenheim“. ©imago images/Eibner

Marc Schnatterer ist neben Trainer Frank Schmidt die große Identifikationsfigur des 1. FC Heidenheim. Der offensive Mittelfeldspieler steht dort seit 2008 unter Vertrag und führte den Verein von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga. Mit Liga-Zwei.de spricht der 34-Jährige über den starken Saisonverlauf, seine Vereinstreue und das bevorstehende Topspiel gegen Arminia Bielefeld.

Herr Schnatterer, ist der 1. FC Heidenheim nach dem Auswärtssieg beim Hamburger SV nun mittendrin im Aufstiegsrennen?
Marc Schnatterer: „Das würde ich so nicht behaupten. Es ging einfach darum, nach den vielen guten Heimspielen auch auswärts einmal nachzulegen und gegen eine Top-Mannschaft zu gewinnen. Wir wollten uns oben in der Tabelle festbeißen und genug Punkte Abstand nach hinten zu haben. Das ist uns gelungen, und darüber sind wir sehr glücklich.“ 

Nach dem Spitzenspiel ist vor dem Spitzenspiel: Samstag steht das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld an. Wie wollen Sie die beste Auswärtsmannschaft der Liga stoppen?
Schnatterer: „Das wird ein genauso schwieriges Spiel. Was Bielefeld auf den Platz bringt, ist top. Allerdings haben wir in unseren Heimspielen ebenfalls eine gute Bilanz. Das heißt also: Hier trifft die beste Auswärtsmannschaft auf eine sehr gute Heimmannschaft.

Bielefeld kommt ähnlich wie wir viel über das Kollektiv und über die geschlossene Mannschaftsleistung. Der Unterschied ist vielleicht, dass sich deren Kader im Sommer weniger verändert hat. Daher sind sie vielleicht noch ein wenig eingespielter als wir.“ 

„ Uwe Neuhaus und die gesamte Mannschaft machen einen super Job. ”
über Arminia Bielefeld

Ist Arminia Bielefeld die beste Mannschaft der 2. Bundesliga oder hat die Truppe einfach einen sehr guten Lauf?
Schnatterer: „Letztendlich geht es darum, wer das Beste aus der eigenen Mannschaft herausholt. Ich würde Bielefeld nicht mit dem VfB Stuttgart oder den Hamburger SV vergleichen. Aber sie setzen perfekt das um, was der Trainer vorgibt.

Uwe Neuhaus und die gesamte Mannschaft machen einen super Job. Und wenn man mit dieser Punktanzahl auf Tabellenplatz 1 steht, gehört man zu den Top-Mannschaften.“ 

Sie spielen seit dem Jahre 2008 für den 1. FC Heidenheim und zählen somit zu den vereinstreuesten Spielern der gesamten 2. Bundesliga. Hatten Sie nie darüber nachgedacht, den Verein zu verlassen?
Schnatterer: „Doch. Die Überlegung gab es einmal, als wir knapp den Aufstieg bzw. die Relegation zur 2. Bundesliga verpasst haben. Aber das war wirklich nur ein sehr kurzer Gedanke. Hinzu kommt, dass ich mein erstes Zweitliga-Spiel erst mit 28 Jahren gemacht habe.

Dann steht man ohnehin weniger im Fokus. Das ist aber überhaupt nicht schlimm. Ich habe es nie bereut, immer hiergeblieben zu sein, weil ich so die gesamte Entwicklung des Vereins mitgehen konnte.“

„ Ich habe es nie bereut, immer hiergeblieben zu sein. ”
über seine Vereinstreue

Versuchen Sie manchmal, mit Ihrem Faible für Vereinstreue auf abwanderungswillige Spieler einzuwirken, damit Sie in Heidenheim bleiben? Aktuell ist Niklas Dorsch laut Medienberichten bei anderen Vereinen im Gespräch.
Schnatterer: „Ja und nein. Irgendwie freuen wir uns ja auch, wenn einer unserer Spieler den nächsten Schritt machen kann. Zudem braucht ein kleiner Verein wie der 1. FC Heidenheim auch die Transfereinnahmen.

Es gehört dazu, dass sich junge Spieler hier entwickeln und dann weiterziehen. Natürlich ist es schön, wenn die Spieler trotz anderer Angebote hierbleiben. Aber man darf auch niemanden böse sein, wenn er die Chance hat, den nächsten Schritt zu machen.“

Nach der vergangenen Saison verließen unter anderem Robert Glatzel und Nikola Dovedan den Verein. Wie bekommt es der 1. FC Heidenheim trotzdem immer wieder hin, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen?
Schnatterer: „Wir haben ein gutes Scouting und sicherlich auch ein gutes Fingerspitzengefühl, um die richtigen Spieler anzusprechen. Hier ist es extrem wichtig, dass die Spieler auch charakterlich gut zu uns passen. Und dann haben wir einen super Trainer, der jedem einflößt, was in Heidenheim wichtig ist.

Hier kann nicht jeder sein eigenes Ding machen. Es gibt eine genaue Vorstellung davon, wie wir unsere Aufgaben angehen. Dieses Konzept geht auf: Obwohl wir vergangene Saison wichtige Leistungsträger verloren haben, spielen wir bislang erneut eine gute Saison.“

Marc Schnatterer gegen die zweite Mannschaft des KSC.

In der Saison 2008/2009 führte Marc Schnatterer Heidenheim in die 3. Liga. ©imago images/Steinbacher

Als Sie 2008 nach Heidenheim kamen, spielte der Verein noch in der Regionalliga. Hatten Sie damals einen längeren Verbleib angedacht oder sollte Heidenheim lediglich ein Sprungbrett für höhere Aufgaben sein?
Schnatterer: „Dass es so eine lange Zeit werden würde, war natürlich nicht abzusehen. Aber ich hatte auch nie den Gedanken, nach einer guten Saison schnell wieder woanders hinzugehen. Dazu muss man wissen: Ich kam damals von der 2. Mannschaft des Karlsruher SC nach Heidenheim.

Und dort hatte ich nicht die ganz große Rolle gespielt, war oft Reservist. Damals habe ich Heidenheim einfach als eine neue Herausforderung gesehen. Dass wir bereits nach einem Jahr in die 3. Liga aufgestiegen sind, war natürlich ein Traum.“

„ Früher mussten wir eine Ortschaft weiter trainieren. ”
über die Entwicklung in Heidenheim

Waren Sie in der Regionalliga überhaupt schon Profi?
Schnatterer: „Ja, ich habe auch in dieser Zeit nur Fußball gespielt. Natürlich habe ich mir Gedanken über meine Zukunft gemacht, falls es mit dem Profifußball nicht dauerhaft klappt. Ich habe daher eine Weiterbildung im Bereich Sportmanagement gemacht.“ 

Wie haben sich der Verein und das Umfeld zwischen damals und heute verändert?
Schnatterer: „Die Trainingsbedingungen sind natürlich besser geworden. Früher mussten wir manchmal eine Ortschaft weiter trainieren. Heute haben wir super Bedingungen mit einem beheizten Rasenplatz und einem schönen Stadion. Ich finde aber gut, dass der Verein sich von der Infrastruktur nur so weiterentwickelt hat, wie es auch finanziell möglich war. Wir haben uns nie übernommen.“

„ Ich habe ein großes Interesse daran, nach meiner Karriere Trainerscheine zu machen ”
über seine Zukunftsplanung

Der 1. FC Heidenheim hat nur ein kleines Stadion und ist in einer Kleinstadt beheimatet. Bewegt sich der Verein angesichts der wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits am absoluten Limit?
Schnatterer: „Sportlich sollte man immer den Antrieb haben, weiterzukommen. Ein gutes Beispiel ist der SC Paderborn. Die machen sogar in der 1. Liga einen guten Job. Wirtschaftlich ist der Verein bereits relativ weit. Aber auch da gibt es Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Wir haben unser HARTMANN Nachwuchsleistungszentrum. Vielleicht könnte man aber noch in ein Internat investieren. Die Jugendarbeit ist sehr wichtig. Auch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel Ernährung, kann sich ein Verein immer weiterentwickeln.“ 

Sie sind mittlerweile 34 Jahre alt. Ihr Vertrag läuft noch bis Sommer 2021. Haben Sie bereits eine Vorstellung davon, wie es nach der aktiven Karriere beruflich bei Ihnen weitergeht?
Schnatterer: „Ich weiß es noch nicht genau. Es ist aber gut möglich, dass ich im Verein bleibe – in welcher Funktion auch immer. Zudem habe ich ein großes Interesse daran, nach meiner Karriere Trainerscheine zu machen – einfach weil es mich interessiert. Aber solange ich noch Fußball spiele, möchte ich mich voll darauf konzentrieren. Über die weiteren Pläne mache ich mir danach Gedanken.“

 

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