1. FC Nürnberg: Leistner bricht Lanze für Keller

Ex-Unioner hat gute Erfahrungen mit neuem Club-Trainer

Toni Leistner und Jens Keller bei Union Berlin

Erfolgsduo bei Union Berlin: Abwehrchef Toni Leistner (l.) und Trainer Jens Keller. ©Imago images/Osnapix

Schalke: Alle Achtung! Union: Dubiose Trennung! Ingolstadt: Schief gegangen!  Die Potenziale des 48 Jahre alten Fußball-Lehrers Jens Keller nicht auf solcherlei Schlagzeilen reduzieren zu wollen, bedeutet nachzufragen. Nachzuforschen an Ort und Stelle, zuzuhören bei wichtigen Mitarbeitern.

Liga-Zwei.de erreichte Toni Leistner in London mit der Bitte um einige Einschätzungen. Leistner ist dort seit 18 Monaten bei den Queens Park Rangers in der Championship aktiv. Zuvor war er vier Jahre lang beim 1.FC Union Berlin eine feste Größe. Rund anderthalb Spielzeiten davon im System von Jens Keller.

Kommunikativ und offensiv

Leistner verkörperte den Wortführer des Verteidigungsspiels der Unioner und organisierte die Viererkette: Die Höhe der Positionierung, den Moment des Vorrückens, den Augenblick des Zugriffs. Die Entscheidung zum Antrieb für das Offensivspiel.

„Jens Keller hat mir extrem gutgetan. Und den anderen Leistungsträgern auch“, sagt Leistner. Keller hat Leistner sogar so auffällig bereichert, dass er sich mit großer Stabilität für den Karrieresprung in den englischen Fußball empfehlen konnte. Wenn alles klappt, noch bis Sommer 2021.

Große Nähe ohne Verlust der Autorität. (Toni Leistner über sein Innenverhältnis zu Keller)

Toni Leistner erzählt, wie eng er zuweilen eingebunden war in die strategischen Überlegungen des Trainers. Leistner fand Gehör, wenn er die Sichtweise des Teams kundtun wollte, hatte persönlichen Zugang, durfte ihn mit dem Vornamen ansprechen und das vertraute Du benutzen.

„Große Nähe ohne Verlust der Autorität“, stellt Leistner klar: „Was Jens verlangt hat, wurde umgesetzt.“ Leistners Statements wirken, als würde er eine Lanze brechen wollen für Keller. Ihn ein wenig in Schutz nehmen.

Was Keller durchsetzen wollte und was seine Spieler auf das Spielfeld zu transportieren hatten, dies hat auch die so besondere Fangemeinde des 1.FC Union gemocht: Hohes Pressing, schnelle Ballgewinnung, schnelles Umschalten, schnelle Torabschlüsse.

Ja, jedes Match im Stadion an der Alten Försterei wirkte schon immer wie eine Demonstration für den Aufstieg in die Bundesliga. Und Jens Keller, diesen coolen Typen, ja, den mochte die Fangemeinde auch. Dass am Ende nur Platz vier heraussprang, nahm Keller niemand übel. Kurz vor der Winterpause der anschließenden Spielzeit indes war dann über Nacht handstreichartig Schluss für Keller bei Union.

Rückkehr zum Erfolg?

An den Gesetzen des Profifußballs, die vorschreiben, möglichst häufig zu gewinnen, konnte es nicht gelegen haben. Union hatte auch damals die Spiele zumeist gewonnen, war aufs Neue Vierter und somit wieder nahe dran am großen Traum der Union-Familie.

Doch im Umgang mit den Häuptlingen dieser Gemeinschaft scheint Keller mindestens einen großen Fehler gemacht zu haben. Jedenfalls entstand eine innerbetriebliche Beschädigung. So eklatant und irreparabel, dass sie Jens Keller den Job kostete und bis heute einem Pakt der Verschwiegenheit standhält.

„Sein Aus war ein großer Schock für uns“, erinnert sich Leistner. Ohne ihren in Ungnade gefallenen Keller kam auch das Team sportlich ins Straucheln: Am Ende blieb nur der achte Tabellenrang.

Toni Leistner ist zuversichtlich, dass Jens Keller beim 1. FC Nürnberg anknüpfen wird an erfolgreiche Zeiten. „Die Voraussetzungen sind gut. Er trifft auf starke Fußballer und großartige Kämpfer. Mit seiner offenen und kommunikativen Art wird er eine gute Gemeinschaft herstellen. Das hat er bei uns in Berlin auch geschafft“, beschreibt Leistner seine optimistischen Gefühle.

Und den jüngst so gebeutelten „Cluberern“ möchte er sogar einen Glückwunsch zurufen: „Dem 1.FC Nürnberg möchte ich zu Jens Keller ausdrücklich gratulieren.“