Arminia Bielefeld: Interview mit Cedric Brunner

"Ich war von den vielen Fans überrascht."

Cedric Brunner von Arminia Bielefeld im Testspiel gegen Fichte Bielefeld

Cedric Brunner (l.) will mit Bielefeld ins obere Tabellendrittel. ©Imago/Kirchner-Media

Mit dem FC Zürich gewann er zwei Mal den Schweizer-Pokal. Nun möchte Cedric Brunner auch in der 2. Bundesliga erfolgreich sein. Im exklusiven Liga-Zwei.de Interview spricht der Neuzugang von Arminia Bielefeld über seine Vergangenheit in der Schweiz, seine Ziele mit der Arminia und die bisherigen Highlights seiner Karriere.

Herr Brunner, Sie haben praktisch Ihre gesamte Laufbahn beim Schweizer-Spitzenverein FC Zürich verbracht. Warum haben Sie sich nun für einen Wechsel nach Deutschland entschieden?
Cedric Brunner: „Mit meinen 24 Jahren bin ich in einem guten Alter, um solch einen Schritt zu wagen. Die sportliche Führung des Vereins hat mich in den Gesprächen überzeugt. Zudem ist die 2. Bundesliga auch von den Zuschauerzahlen und der Medienaufmerksamkeiten viel weiter als die 1. Liga in der Schweiz.“

Schätzen Sie das fußballerische Niveau in der 2. deutschen Liga ähnlich ein wie das Niveau in der 1. Liga der Schweiz?
Brunner: „Insgesamt schon. Die 2. Bundesliga ist etwas athletischer, dafür wird in der Schweiz vielleicht die feinere Klinge geführt.“

In der Schweiz waren vielleicht 5 bis 10 Nasen beim Training. (über Fans beim FC Zürich)

Sie haben in Zürich vorzugsweise als Innenverteidiger und Rechtsverteidiger gespielt, sind manchmal aber auch im rechten Mittelfeld oder auf der linken Seite aufgelaufen. Sind Sie also ein Spieler, den man überall hinstellen kann?
Brunner: „Es zählt tatsächlich zu meinen Stärken, dass ich flexibel einsetzbar bin. In der letzten Saison habe ich meist als Innenverteidiger gespielt, weil wir oft mit einer Dreierkette aufgelaufen sind. In der Saison zuvor, als wir ein Jahr in der 2. Liga verbrachten, spielte ich meist auf der rechten Seite.“

Was genau sind Ihre Stärken?
Brunner: „Zu meinen Stärken zählen die Spielintelligenz, die Ruhe am Ball und die aggressive Zweikampfführung.“

Beim Trainingsauftakt waren rund 1300 Fans vor Ort. War die Fan-Begeisterung in der Schweiz genauso groß?
Brunner: „Nein, das lässt sich überhaupt nicht vergleichen. In der Schweiz waren vielleicht fünf bis zehn Nasen beim Training. Daher war ich auch total überrascht, wie viele Fans hier in Bielefeld beim Trainingsauftakt waren. Das zeigt, welchen Stellenwert der Fußball in Deutschland hat. Hier ist Fußball die klare Nummer 1. In der Schweiz sind Fußball und Eishockey etwa gleichauf.“

In der Schweiz gibt es gar keine Stadien dieser Größe. (über das Spiel beim HSV)

Mit welcher Zielsetzung gehen Sie nun Ihre erste Saison in Deutschland an?
Brunner: „Mein persönliches Ziel ist, dass ich mir einen Stammplatz sichere und eine solide Saison spiele. Das Ziel von uns als Mannschaft ist ein einstelliger Tabellenplatz, vielleicht sogar das obere Tabellendrittel, damit wir die gute letzte Saison bestätigen.“

Bereits das zweite Auswärtsspiel findet beim Hamburger SV statt. Am achten Spieltag empfangen Sie den 1. FC Köln. Sind diese beiden Mannschaften mit ihrem großen Budget überhaupt aufzuhalten?
Brunner: „Die 2. Bundesliga war schon immer sehr ausgeglichen. Sicherlich werden diese beiden Mannschaften oben um den Aufstieg mitspielen. Ob sie nun vorne wegmarschieren, bleibt allerdings abzuwarten. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Spiele in Hamburg und nächstes Jahr auch in Köln. Es wird ein Highlight, dort vor 50.000 Zuschauern zu spielen. In der Schweiz gibt es gar keine Stadien dieser Größenordnung.“ 

Da das Spiel in Hamburg bereits kommenden Monat stattfindet: Auf welche Gegenspieler freuen Sie sich besonders?
Brunner: „Ich kenne noch Vasilije Janjicic aus gemeinsamen Tagen beim FC Zürich. Dann finde ich den Torwart Julian Pollersbeck aufgrund seiner Spieleröffnung sehr beeindruckend. Besonders gut gefällt mir auch der flinke Flügelspieler Tatsuya Ito. Der wird dann vermutlich mein Gegenspieler sein.“

Der Abstieg war eine Katastrophe. (über schlechte Zeiten beim FC Zürich)

In Hamburg und Köln fragt man sich noch immer, warum diese Vereine überhaupt abgestiegen sind. Sie haben ähnliches erlebt: Vor zwei Jahren stiegen Sie mit dem FC Zürich in die 2. Liga ab. Wie konnte es dazu kommen?
Brunner: „Das lässt sich schwer erklären. Die Mannschaft hat einfach nicht funktioniert. Es gab zu unterschiedliche Spielertypen. Gerät ein Verein erst einmal in die Negativspirale, kommt man nur schwer wieder heraus.

Die anderen Vereine können eben auch Fußball spielen. Der Abstieg war eine Katastrophe. Der FC Zürich ist ein Traditionsverein. Wir hatten ganz andere Ziele. Immerhin sind wir ein Jahr später wieder aufgestiegen.“

Es gab auch erfolgreiche Zeiten. Sie haben mit dem FC Zürich zwei Mal den Cup gewonnen. Auf Youtube kann man sich noch immer anschauen, wie Sie Ende Februar 2018 im Halbfinale gegen Grasshopper Club Zürich den Siegtreffer erzielten – und zwar in der 2. Minute der Nachspielzeit. War das bislang Ihr persönliches Highlight?
Brunner: „Ich denke schon. Ich bin nicht unbedingt für das Toreschießen bekannt. Dass ich dann in einem Halbfinale in der Nachspielzeit den Siegtreffer erziele, dann auch noch in einem Stadtderby vor den eigenen Fans, war ein absolutes Highlight.“

Mein Abschluss ist ganz anständig. (über seine Offensiv-Qaulitäten)

Vielleicht sollten Sie sich öfter einmal nach vorne trauen…
Brunner: „(lacht) Ja, ich habe eine ganz gute Grundlagentechnik. Wenn ich zum Abschluss komme, gelingt mir das ganz anständig. Aber ich bin nicht so häufig vorne anzutreffen.“

Sie haben schon einmal in Deutschland gespielt: Im Dezember 2014 traten Sie in der Europa-League-Gruppenphase auswärts bei Borussia Mönchengladbach an und verloren mit 0:3. Welcher Erinnerungen haben Sie an das Gastspiel in Deutschland?
Brunner: „Das war ein ganz besonderes Spiel für mich, weil das mein erster längerer Einsatz für die Profis war. Die Kulisse und die Fans waren unglaublich. Das werde ich nie vergessen.“

Herr Brunner, vielen Dank für das Gespräch!

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