Paul Scholl vom Karlsruher SC: „Michael Olise ist gefühlt über den Platz geschwebt“

Scholl spricht über den Umbruch beim KSC und seine Vergangenheit beim FC Bayern München

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Samstag, 01.08.26 | 12:42

© IMAGO / Revierfoto

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Nachdem Paul Scholl vergangene Saison von FC Bayern München an den Karlsruher SC verliehen wurde, ist er nun von dem Zweitligisten fest verpflichtet worden. Mit LIGA-ZWEI.DE spricht der 20-jährige Verteidiger über den Umbruch in Karlsruhe, den neuen Trainer Maximilian Senft und seine Vergangenheit beim deutschen Rekordmeister.

Herr Scholl, es gibt beim KSC einen neuen Trainer, neue Spieler, zudem sind einige erfahrene Spieler abgewandert. Wie fühlt sich dieser Umbruch für Sie als Spieler an?

Ich würde sagen, es ist ganz normal, dass es solche Phasen im Fußball gibt. Wir haben viele neue Spieler im Team, auch im Staff hat sich einiges geändert. Aber wir sind in dieser kurzen Zeit schon gut zusammengewachsen und haben uns alle in unseren Rollen eingefunden.

Wie würden Sie den Fußball beschreiben, den Sie jetzt unter Trainer Maximilian Senft spielen werden? Man liest viel von aggressivem Pressing…

Ja, das trifft es eigentlich schon gut. Generell geht es um einen sehr intensiven Fußball mit viel Pressing, viel Laufarbeit und vor allem vielen intensiven Läufen, um als Team einen hohen Ertrag im Pressing zu haben.

Das Training soll besonders sein. Es gab Einwurftraining, vielfach nur eine Einheit pro Tag auf dem Platz, dafür viel Krafttraining und Videostudium. Wie haben Sie das empfunden?

Im Fußball gewinnt das Thema Standards immer mehr an Bedeutung, sei es bei Ecken oder Einwürfen. Man hat auch schon bei anderen Vereinen, zum Beispiel in England, gesehen, dass darauf sehr großer Wert gelegt wird. In unserem Fall beschäftigen wir und damit jetzt auch intensiv. Wir haben einen neuen Trainer mit einer neuen Spielidee. Deshalb gibt es viele Videoanalysen und viel Material, in dem alles noch einmal vertieft, erklärt und analysiert wird. Krafttraining gehört natürlich auch dazu, weil wir diesen intensiven Spielstil spielen wollen.

Wie blicken Sie allgemein auf Ihre erste Profisaison in Karlsruhe zurück? Gerade zu Jahresbeginn hatten Sie viele Einsätze, standen häufig in der Startelf, saßen aber ab Mitte Februar dann acht Spiele in Folge nur auf der Bank.

Im Großen und Ganzen würde ich meine erste Profisaison schon als positiv beschreiben. Ich bin als junger Spieler zum KSC gekommen und musste mich natürlich erst einmal einfinden. Aber ich habe meine Einsätze und meine Minuten bekommen. Das war auch der Plan, mich an den Profifußball zu gewöhnen. Wenn es Phasen gibt, in denen man wieder raus ist und nicht spielt, gehört das dazu und dann muss man sich wieder anbieten. Das habe ich getan.

Sie hatten im Mai 2025 Ihren Vertrag beim FC Bayern München verlängert und wurden anschließend an den KSC ausgeliehen. War für Sie damals klar, dass Karlsruhe zur Dauerlösung werden könnte?

Der Plan war schon, dass ich mich hier beweise und der KSC mich dann auch längerfristig haben möchte. Jetzt kenne ich den Club und das Umfeld, daher passt das sehr gut.

Fälschlicherweise für den Sohn von Mehmet Scholl gehalten

Sie sind bereits mit acht Jahren in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern gekommen. Wie kam es damals dazu?

Ich habe ganz normal in meinem Heimatverein gespielt und Turniere absolviert, bei denen immer wieder Scouts vor Ort waren oder auch Nachwuchsmannschaften des FC Bayern teilgenommen haben. So hat sich das ergeben. Ich wurde in den Förderkader eingeladen und schließlich zur neuen Saison aufgenommen. So ging es dann weiter.

Wenn man beim FC Bayern in München groß wird und den Nachnamen Scholl trägt – wie oft wird man dann fälschlicherweise für den Sohn von Mehmet Scholl gehalten?

(lacht) Schon sehr oft. Vor allem früher, als ich noch jünger war, habe ich bei Turnieren immer wieder mitbekommen, dass darüber gesprochen wurde. Irgendwann wurde das von vielen sogar einfach als Tatsache angesehen, obwohl das nie bestätigt wurde. Mit dem Namen, dem Verein und jetzt auch noch Karlsruhe passt das natürlich zusammen (lacht). Mit dem Wechsel hierher wurde ich im vergangenen Jahr auch noch ein paarmal darauf angesprochen. Mittlerweile hat sich das aber eigentlich gelegt.

Wie verliefen Ihre Jugendjahre beim FC Bayern insgesamt?

Eigentlich war die Zeit immer erfolgreich. Ich war gut im Team integriert und wurde später auch in den älteren Jahrgang hochgezogen. Dabei habe ich viel Vertrauen vom Verein gespürt. Das hat mich als Person und als Spieler noch einmal weitergebracht. Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt und alle Jugendmannschaften beim FC Bayern durchlaufen.

Sie haben auch in der UEFA Youth League gespielt. Dabei kommt man viel herum, unter anderem hatten Sie ein Auswärtsspiel bei Manchester United. Welche Bedeutung hatte die UEFA Youth League für Ihre Entwicklung?

Das war schon eine ganz besondere Erfahrung, weil das nicht jeder Jugendspieler erlebt. Man kommt nach Manchester oder Istanbul und reist wirklich viel herum. Das ist ein tolles Erlebnis, weil man sozusagen seine eigene Champions League spielt. Am Abend geht man dann oft noch ins Stadion zu den Profis. Besser geht es in der Jugend eigentlich nicht. Außerdem kann man sich international mit Top-Mannschaften messen.

„Vincent Kompany hat mit beeindruckt“

Wie nah waren Sie damals schon an den Profis? Durften Sie häufiger mittrainieren?

Ja, ab und zu. Vor allem während der Länderspielpausen hat die zweite Mannschaft gemeinsam mit den Profis trainiert. Aber auch schon in der U19 und U17 durfte ich ein paarmal oben bei den Profis mittrainieren. Mein erstes Training war noch unter Julian Nagelsmann. Danach hatte ich ein Training unter Thomas Tuchel und später dann öfter unter Vincent Kompany.

Wie haben Sie die drei Trainer in Erinnerung behalten?

Alle sehr positiv, auch im Umgang mit den Jugendspielern. Vor allem Vincent Kompany hat mich beeindruckt, weil er – egal, wie alt man war – jeden mit einbezogen und von jedem etwas eingefordert hat. Er hat nie irgendwie von oben herab mit einem gesprochen. Das haben die anderen auch nicht getan, aber ich fand trotzdem, dass Kompany ein besonders gutes Gespür dafür hatte, junge Spieler ins Training zu integrieren.

Wenn man aus dem Jugendfußball kommt und plötzlich mit Profis trainiert, noch dazu mit einigen der besten Spieler der Welt: Wie schwer ist es, da mitzuhalten?

Natürlich ist das nicht ganz einfach, vor allem wenn man aus dem Jugendfußball kommt, wo es körperlich noch anders zugeht. Aber man findet sich eigentlich schnell ein. Meistens waren noch andere Mitspieler aus der Jugend dabei, die gemeinsam mit einem trainieren. Von Training zu Training gewöhnt man sich immer mehr an das Niveau. Man kann sich dabei nur verbessern, weil man sich mit den Besten misst und von ihnen lernen kann. Auch wenn man am Anfang natürlich noch nicht das Niveau der Profis hat, wird man durch das Training automatisch immer besser.

Gab es einen Profi, der Sie spielerisch besonders beeindruckt hat?

Ja, ganz klassisch würde ich Michael Olise sagen. Wenn er den Ball hatte, ist er gefühlt nicht über den Platz gelaufen, sondern fast darüber geschwebt. Es sah einfach unglaublich elegant aus. Deshalb ist er mir besonders in Erinnerung geblieben. Nicht nur, weil es gut aussah, sondern weil am Ende auch fast alles funktioniert hat.

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