Patrick Mainka vom 1. FC Heidenheim im Interview: „Gegen Dembélé ins Eins-gegen-Eins? Nicht ganz einfach.“
Mainka spricht über die Aufstiegsfavoriten und seine Zeit beim BVB

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Patrick Mainka, der Kapitän vom 1. FC Heidenheim, spricht im Interview mit LIGA-ZWEI.DE über den Abstieg aus der Bundesliga, die bevorstehende Zweitliga-Saison, seinen Weg in den Profifußball und seine Zeit bei Borussia Dortmund.
Herr Mainka, nach einem Bundesliga-Abstieg wird oft erwartet, dass eine Mannschaft sofort wieder um den Aufstieg spielt. Gleichzeitig gibt es viele Beispiele von Teams, die stattdessen in den Abstiegskampf geraten sind. Mit welchem Mindset gehen Sie in die neue Saison?
Patrick Mainka: Wir wollen auf jeden Fall angreifen. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die 2. Liga unglaublich ausgeglichen ist. Für mich gibt es dort eigentlich kein Mittelfeld: Entweder kämpfst du um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Deshalb müssen wir aufpassen, gar nicht erst in einen Negativstrudel zu geraten. Trotzdem sind wir hungrig und sind überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber wir wissen auch, dass die Liga mit ihren vielen engen und umkämpften Spielen alles andere als einfach wird.
Wie lange hat es gedauert, den Abstieg zu verarbeiten?
Natürlich hat das einen Moment gedauert, vor allem weil die Hoffnung am Ende noch einmal groß war. Wir haben alles versucht, den Klassenerhalt zu schaffen, aber mit 26 Punkten haben wir es letztlich auch nicht verdient gehabt. Irgendwann musst du das akzeptieren. Dann wächst auch die Vorfreude auf die neue Herausforderung. Die 2. Liga bietet die Chance, wieder mehr Erfolgserlebnisse zu feiern. Wenn ich an unseren Aufstieg 2023 zurückdenke, weiß ich, wie besonders solche Momente sein können.
Wolfsburg ist der große Favorit
Dann lassen Sie uns über den Aufstiegskampf sprechen. Wer sind für Sie die Favoriten in der 2. Liga?
Wolfsburg ist für mich der große Favorit. Sie haben einen unfassbar starken Kader und enorme Möglichkeiten. Wenn sie in einen Lauf kommen, können sie sicherlich durchmarschieren. Aber: Das ist keine einfache Liga! Dahinter ist auch vieles offen. Da gibt es Vereine wie uns, Darmstadt, Kaiserslautern, Nürnberg oder auch Dynamo Dresden, das eine starke Rückrunde gespielt hat. St. Pauli gehört ebenfalls dazu. Entscheidend wird sein, gut in die Saison zu starten und in einen Flow zu kommen.
Wie sehr hat sich der 1. FC Heidenheim durch die drei Bundesliga-Jahre verändert?
Der Verein hat die Zeit genutzt, um sich Schritt für Schritt in allen Bereichen weiterzuentwickeln, ohne seine Grundsätze aufzugeben. Der 1. FC Heidenheim wollte immer gesund wachsen und keine Riesensprünge machen. Das zahlt sich jetzt aus, weil uns der Abstieg nicht komplett aus der Bahn wirft. Gleichzeitig sind beispielsweise die Mitgliederzahlen in der Bundesliga enorm gestiegen und jetzt weiter stabil geblieben. Außerdem haben wir uns deutschlandweit viel Respekt erarbeitet. Natürlich hat sich die Mannschaft verändert und es sind nicht mehr so viele Spieler aus der Aufstiegsmannschaft dabei. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere DNA behalten, denn genau die hat den FCH immer stark gemacht.
Frank Schmidt geht in seine 20. Saison als Trainer. Es gibt Andeutungen, dass es seine letzte Saison sein könnte. Wie schwer ist Heidenheim ohne ihn vorstellbar?
Sehr schwer. Aber das ist am Ende seine persönliche Entscheidung. Darüber müssen wir uns im Moment noch gar keine Gedanken machen.
Heidenheim ist bekannt dafür, Spieler aus unteren Ligen zu verpflichten und weiterzuentwickeln. Das war bei Ihnen damals genauso. Warum ist Heidenheim so ein gutes Sprungbrett?
Weil du hier die Möglichkeit hast, dich in Ruhe zu entwickeln. Wenn mal ein oder zwei Spiele nicht gut laufen, wirst du nicht sofort zerrissen. Dazu kommt die große Konstanz im Verein und bei den Verantwortlichen. Mit einem Trainer, der seit vielen Jahren da ist, und einer klaren Idee vom Fußball weißt du genau, was auf dich zukommt. Wenn du die Grundlagen wie Einsatzbereitschaft und Intensität mitbringst, kannst du dich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Das macht den FCH gerade für junge Spieler attraktiv.
Sie spielten früher für die 2. Mannschaften von Arminia Bielefeld, Werder Bremen und Borussia Dortmund, hatten aber lediglich ein Zweitligaspiel für Bielefeld. Ansonsten bekamen Sie bei den Profis keine Chance. War der Wechsel zu Heidenheim mit 23 Jahren sogesehen die letzte Chance?
Ja, auf jeden Fall. Ich kam aus der Regionalliga und hatte einen Zweijahresvertrag. Mein Ziel war ganz klar, mich im Profifußball zu etablieren. Gleichzeitig wusste ich aber auch: Wenn das in diesen zwei Jahren nicht klappt, wäre ich 25 gewesen und hätte wahrscheinlich wieder einen Schritt zurückgehen oder mich stärker auf mein Studium konzentrieren müssen. Zum Glück habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann. Im Nachhinein bin ich einfach unglaublich dankbar für alles, was ich gemeinsam mit dem FCH erleben durfte.
Was hat Ihnen vorher noch gefehlt, als Sie bei den zweiten Mannschaften gespielt haben?
Für junge Spieler ist das Wichtigste, dass sie spielen. Als Offensivspieler bekommst du eher mal 15 oder 20 Minuten und kannst mit einer Aktion auf dich aufmerksam machen. Als Verteidiger ist das deutlich schwieriger. Ich habe mich immer über konstante Leistungen ausgezeichnet – und dafür musst du regelmäßig auf dem Platz stehen. Deshalb war es zwar nicht immer leicht, noch einmal einen Schritt zurückzugehen. Im Nachhinein war das aber genau richtig. Du machst Fehler, sammelst Erfahrungen und lernst daraus. Das geht nur über Spielpraxis.
Einmal im Bundesliga-Kader von Borussia Dortmund
Sie waren zweieinhalb Jahre bei Borussia Dortmund II, wo der Sprung zu den Profis aufgrund der Konkurrenz besonders schwer ist. Warum sind Sie mit 21 Jahren trotzdem zum BVB gegangen?
Bei Werder Bremen II hatten wir einen großen Drittligakader, dazu kamen viele Jungprofis aus der ersten Mannschaft, die ebenfalls Spielzeit bekommen sollten. Irgendwann war ich außen vor und musste mir überlegen, wie es weitergeht. Dortmund II war im Nachwuchsbereich eine Top-Adresse und dort war die Chance auf regelmäßige Einsätze einfach größer. Das war der ausschlaggebende Punkt. Und ich muss sagen, dass mir die zweieinhalb Jahre dort unfassbar viel Spaß gemacht haben.
Wie nah waren Sie damals an den BVB-Profis dran?
Ich habe immer wieder bei den Profis mittrainiert und auch ein oder zwei Testspiele gemacht. Zum Ende hin bin ich sogar zum Bundesligaspiel in Hoffenheim am letzten Spieltag unter Peter Stöger mitgeflogen. Am Ende stand ich aber nicht im Kader, weil Dan-Axel Zagadou doch noch fit geworden ist. Wie nah ich wirklich dran war, kann ich schwer beurteilen. Für den Durchbruch hat es nicht gereicht, aber der Kontakt zur ersten Mannschaft war immer da.
Wie schwer war es, mit den ganzen Top-Stars im Training mitzuhalten?
Den Unterschied hat man natürlich sofort gemerkt. Das Tempo war deutlich höher und natürlich gab es Situationen, in denen man auch mal schlecht aussah. Bei Dortmund spielte damals Ousmane Dembélé. Ich kann nur sagen: Als großer Verteidiger gegen ihn ins Eins-gegen-Eins zu gehen, das ist nicht ganz einfach (lacht). Da gab es schon den einen oder anderen Moment, in dem du nicht gut aussahst. Gleichzeitig gab es aber auch gute Szenen. Allein mit solchen absoluten Weltklasse-Spielern zu trainieren und mit ihnen auf dem Platz zu stehen, war einfach eine richtig coole Erfahrung.
