Chapeau, Christian Conteh

Die besondere Leistung des 1. Spieltags

Christian Conteh jubelt nach Tor gegen Arminia Bielefeld

Hier bin ich. St.Pauli-Talent Christian Conteh hat es mit seinem famosen Profi-Debüt in die neue Liga-Zwei.de-Rubrik „Chapeau“ geschafft. ©imago images/Team2

Christian, wer? Christian Conteh! Christian, wer? Christian Conteh! Ein neuer Name, ein neuer Torschütze, ein neuer Hoffnungsträger in der 2.Bundesliga seit gestern Abend um 21.03 Uhr. In dieser Minute nämlich hat dieser Christian Conteh seinen Turbo angeworfen, einen Höllenspeed aufgenommen.

Tief aus der eigenen Spielhälfte heraus hat der 19-jährige Angreifer wie in einem 100m-Olympiafinale zwei Bielefelder Verteidigern den scheinbar sicheren Vorsprung abgenommen und ist dann in halblinker Position in den Brennpunkt der Arminia-Verteidigung gerast, hat prompt den Ball bekommen, einen Haken nach rechts, dann einen nach links gemacht, dass sich Arminias Männer mit den Trikot-Nummern 25 und 11 – mit Verlaub – geradezu besoffen vorkommen mussten.

Und mit der rechten Fußspitze hat er den Ball unten links im Tor des großartigen Bielefelder Torwarts Ortega versenkt und so die Fußballwelt des FC St.Pauli in wenigen Sekunden quasi einmal um die eigene Achse gedreht. 1:0 für die Kicker vom Kiez, die wenige Stunden zuvor aus dem Munde ihres nörgelnden Coachs bei einem Medienauftritt nicht viel Selbstvertrauen Weckendes vernehmen mussten.

Ein Urschrei mit Folgen

Doch nun hat ausgerechnet der Jüngste, der Unerfahrenste und als Torschütze bisher eher Unauffällige dieses schwer gescholtenen Pauli-Teams seinen Vorgesetzten Lügen gestraft. Als der Liga- und Tor-Debütant überglücklich mit einem Tänzchen seinen Triumph zelebrierte und dabei seine Fingerspitzen in den Bielefelder Abendhimmel streckte, war dies auch ein wenig so, als wolle er seinem Trainer und aller Welt sagen: „Seht her, wir sind doch bereit für die 2. Bundesliga.“

Als dies in Bielefeld geschah, ist es in der Fernsehecke des ehemaligen Nürnberger Bundesligastürmers Joachim Philipkowski im schleswig-holsteinischen Bargteheide plötzlich so laut geworden, dass die Gattin des Urhebers eines freudigen Urschreis vorsichtshalber die Terrassentür schloss. „Schon als ich sah, wie der Junge plötzlich losrannte, wie er von hinten an allen vorbeiraste, da hat es mich vom Sofa gerissen und als dann sogar das Tor machte, bin ich hoch wie früher zu einem Kopfball“, berichtet der Hausherr auch am Tag danach „noch total berührt“.

Typischer Straßenfußballer mit Bock auf Fußball

Ja, der immer so besonnene und auf Bodenständigkeit bedachte Ausbildungstrainer des Millerntorklubs, für den er mit schnellen Füßen und blondem Schopf jahrelang stürmte und später an der Seite von Didi Demuth in der Bundesliga trainierte, nimmt sich – gemeinsam mit den Ausbildungskollegen Timo Schultz und René Ehlert – völlig zu Recht ein Stück vom Glück des Christian Conteh. Schließlich hat er ihn soeben ein Jahr lang bestens vorbereitet hat auf den rauhen Männerfußball und auf diesen großen Moment. Als Mensch und Fußballer kennt er ihn obendrein so gut wie nur wenige.

So beschreibt Philipkowski Conteh als „typischen Straßenfußballer und als einen Hochtalentierten, der einfach Bock hat, Fußball zu spielen.“ Gemeinsam mit seinem drei Jahre älteren Bruder Sirlord (soeben von Pauli nach Magdeburg gewechselt) aufgewachsen in den Fußballkäfigen der Hamburger Kieze Rahlstedt und Meiendorf, in den Talentschmieden von Concordia (wo einst auch das Kiez-Idol Holger Stanislawski aufwuchs) und Viktoria, der Heimat des großen Stefan Effenberg.

„Er ist uns immer wieder aufgefallen: Mit seinem Tempo, seiner Unbekümmertheit, Spielfreude und Wendigkeit“, sagt Philipkowski, der mit einem unbestechlichen Blick und einem achtsamen Händchen für das besondere Talent dem FC St. Pauli seit Jahrzehnten viel Gutes ins Haus holte.

Nicht abheben, nicht glauben, dass man es bereits geschafft hat (Conteh-Förderer Joachim Philipkowski)

Auch Christian Contehs familiäres Umfeld sei vorbildlich. Die Eltern kamen Mitte der 90er Jahre aus Ghana nach Hamburg, konnten sich schnell integrieren, beruflich und persönlich glücklich werden, ihre Familie gründen, deutsche Pässe bekommen und ihre in Hamburg geborenen, fußballspielenden Söhne großziehen.

Zweifellos vorbildliche Voraussetzungen für eine Karriere, die gestern Abend urplötzlich ins Blickfeld gerückt ist. Joachim Philipkowki weiß, worauf es jetzt ankommt: „Nicht durchdrehen, nicht abheben, nicht glauben, dass man es bereits geschafft hat, weiter härter arbeiten als die Anderen und genau zuhören, was Jos Luhukay verlangt.“

Dann, so scheint es, ist alles möglich bei diesem „Pfeil“, wie Fußballer anerkennend sagen, diesem Christian Conteh.

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