Darmstadt 98: Interview mit Carsten Wehlmann

"Uns erwartet eine sehr spezielle Saison.“

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Montag, 03.08.2020 | 19:00
Carsten Wehlmann beim SV Darmstadt 98

Hat derzeit alle Hände voll zu tun: Der Sportliche Leiter der Lilien Carsten Wehlmann. ©Imago images/Jan Huebner

Der Aufschwung vom SV Darmstadt 98 hängt eng mit Carsten Wehlmann zusammen. Im Februar 2019 wurde er vom Sportkoordinator zum Sportlichen Leiter befördert und schloss die vergangene Saison auf Tabellenplatz 5. ab. Mit Liga-Zwei.de spricht der 48-Jährige über die bevorstehende Saison, über die Aufstiegsfavoriten, über Stürmer Serdar Dursun und über seine Vergangenheit in Katar.

Herr Wehlmann, der SV Darmstadt 98 hat die vergangene Saison auf einem beachtlichen 5. Tabellenplatz abgeschlossen. Wächst im Vereinsumfeld nun der Traum vom Aufstieg?
Wehlmann: „Der 5. Tabellenplatz war ein großer Erfolg. Man darf aber nicht vergessen, dass wir einen relativ schwierigen Start hatten und zwischenzeitlich auf Tabellenplatz 17 standen. Wir müssen nun erst einmal schauen, dass wir den Kader gut zusammenstellen. Wir haben relativ viele Spieler abgegeben und müssen Etat sowie Kader verkleinern. Insgesamt erwartet uns eine sehr spezielle Saison. Wir werden vom 18. September an fast durchgängig die ganze Saison spielen und haben keine Wintervorbereitung wie sonst.“

Wer sind für Sie die Aufstiegsfavoriten 2021?
Wehlmann: „Es gibt immer zwei oder drei Mannschaften in der 2. Bundesliga, die aufsteigen möchten. Vereine wie der Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 oder der 1. FC Nürnberg haben diesen Anspruch und verfügen auch über ein anderes Budget als der SV Darmstadt 98.“

über die Spielidee Anfangs
„ Er steht für einen sehr aktiven Fußball und möchte das bei uns einbringen ”
Carsten Wehlmann

Sie haben bei Holstein Kiel als Chefscout und Kaderplaner eng mit Markus Anfang zusammengearbeitet, den Sie nun zum neuen Trainer ernannt haben. Bestand in der Zwischenzeit ein regelmäßiger Kontakt zwischen Ihnen?
Wehlmann: „Natürlich tauscht man sich immer mal wieder aus und trifft sich in den Stadien. Aber es gab keinen regelmäßigen Kontakt.“

Ob nun bei Holstein Kiel oder beim 1. FC Köln: Markus Anfang hat seine Mannschaft stets in die Top-3 geführt. Was zeichnet ihn als Trainer aus?
Wehlmann: „Er verfolgt eine sehr klare Spielidee und lässt einen sehr aktiven Fußball spielen. Er ist sehr akribisch im Umgang mit der Mannschaft, holt zudem die Spieler ab und entwickelt sie weiter. Von daher ist es nicht überraschend, dass er bei anderen Vereinen Erfolg hatte. Wir sind froh, dass wir ihn für uns gewinnen konnten.   

Erwarten Sie, dass Markus Anfang eine ähnliche Spielphilosophie fortführt wie sein Vorgänger Dimitrios Grammozis?
Wehlmann: „Man kann die Trainer nicht miteinander vergleichen. Das wäre beiden gegenüber nicht gerecht. Seitdem ich hier in Darmstadt Sportlicher Leiter bin, haben wir die Spielidee ein Stück weit verändert. Markus hat aber seine eigenen Vorstellungen. Er steht für einen sehr aktiven Fußball und möchte das bei uns einbringen.“

über Lars Lukas Mai
„ Wir trauen ihm viel zu ”
Carsten Wehlmann

Stürmer Serdar Dursun geht in sein letztes Vertragsjahr. Sie haben durchblicken lassen, dass Sie sich bei einem passenden Angebot einen Verkauf vorstellen könnten. Ist damit in Zeiten von Corona überhaupt zu rechnen?
Wehlmann: „Seine Qualität als Stürmer spricht für sich. Er hat bei uns noch ein Jahr Vertrag. Grundsätzlich sind wir froh, diesen Spieler bei uns zu haben. Wenn es ein Angebot gibt, müssen wir uns darüber Gedanken machen. Ein Spieler dieser Kategorie hat aber seinen Wert, schließlich müssten wir auch einen passenden Ersatz finden.“

Die personelle Lücke in der Innenverteidigung haben Sie mit einer Ausleihe von Lars Lukas Mai geschlossen, der vom FC Bayern München kommt. Der 20-Jährige hat zwar mit den Profis der Bayern trainiert, spielte aber für deren zweite Mannschaft in der 3. Liga. Kann er die Abgänge von Nicolai Rupp und Dario Dumic direkt kompensieren?
Wehlmann: „Lukas ist ein sehr gut ausgebildeter Spieler und bringt viele Qualitäten mit. Er hat bislang noch nicht in der 2. Bundesliga gespielt, dafür aber sehr viel in der 3. Liga und zwei Mal in der Bundesliga. Er ist ein junger Spieler mit viel Potential. Wir trauen ihm viel zu.“

Auf welchen Positionen besteht ansonsten noch Handlungsbedarf?
Wehlmann: „Aufgrund unserer Kaderreduzierung ist es unser Wunsch, Spieler zu finden, die bestmöglich auf zwei Positionen spielen können. Ein Spieler, der beispielsweise sowohl als Sechser wie auch als Innenverteidiger spielen kann und somit unseren Defensivverbund stärkt, wäre hilfreich.“

über etwaige Angebote anderer Vereine
„ Möchte den Weg, den wir hier eingeschlagen haben, fortführen ”
Carsten Wehlmann

Wie planen Sie aktuell den Kartenverkauf und die Zulassung von Zuschauern?
Wehlmann: „Wir wissen bislang noch nicht, ob und wann wir kommende Saison wieder Zuschauer im Stadion haben werden. Für uns am Böllenfalltor wäre es super, die Spiele gemeinsam mit den Fans zu erleben. Aber wir müssen abwarten, ob das realisierbar ist. Die Situation der Pandemie verändert sich ständig.“

Sie haben bewiesen, mit bescheidenden Mitteln eine starke Mannschaft zusammenstellen zu können. Sportchefs mit diesen Qualitäten sind immer, und ganz besonders in diesen Zeiten, heiß begehrt. Wie oft klingelt bei Ihnen eigentlich das Telefon, weil andere Vereine Sie abwerben möchten?
Wehlmann: „(lacht) Das Telefon klingelt sehr häufig – allerdings nicht in dieser Thematik, sondern eher in der Spieler-Thematik. Ich bin sehr glücklich mit meinen Aufgaben hier in Darmstadt und möchte den Weg, den wir hier eingeschlagen haben, fortführen.“

Ihre erste Funktion nach Ihrer aktiven Karriere hatten Sie nicht in Deutschland, sondern als Clubmanager Sport bei der Qatar Stars League (QSL) in Katar. Dort wird 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Welche Erinnerungen haben Sie an die damalige Zeit?
Wehlmann: „Das ist schon sehr lange her. Ich ging im Jahre 2007 nach Katar. Damals war das eine große Herausforderung und ein echtes Abenteuer. Es war für mich das erste Mal, dass ich meine Heimat in Norddeutschland verlassen habe – und dann gleich 8000 Kilometer entfernt von zu Hause. Ich habe dort einen ganz neuen Kulturkreis erlebt. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Über die Jahre hat sich in Katar natürlich bestimmt viel verändert. Ich war lange nicht mehr dort, habe aber noch Kontakte nach Katar.

Herr Wehlmann, vielen Dank für das Gespräch!

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