Hamburger SV: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:18
Lewis Holtby jubelt mit Gedeon Jung und Aaron Hunt

Führt Lewis Holtby den HSV zurück in die 1. Bundesliga? ©Imago/Revierfoto

Am Ende des 55. Bundesliga-Jahres hat es den Hamburger SV erstmals erwischt. Nachdem der Abstiegskampf in den Jahren zuvor mehrfach noch auf den letzten Drücker gemeistert werden konnte, spielte der ehemalige Bundesliga-Dino 2018/19 nur noch zweitklassig.

Natürlich steht es außer Frage, dass es für den großen HSV nun nur ein Ziel geben kann: den direkten Wiederaufstieg. Ein großer Hoffnungsträger ist dabei Christian Titz. Kann er den HSV zurück ins Oberhaus führen? Liga-Zwei.de nimmt die Mannschaft, die gemeinsam mit Mitabsteiger 1. FC Köln als Top-Favorit gilt, unter die Lupe und wagt eine Prognose.

Kader & Transfers

13 Profis haben den HSV bisher verlassen, von denen man an der Elbe aber nur den wenigsten eine Träne nachweint. Schmerzhaft sind eigentlich nur die Verluste von Nicolai Müller (Eintracht Frankfurt) und Luca Waldschmidt (SC Freiburg), die aber nicht zu halten waren. Weitere Abgänge werden noch folgen. Albin Ekdal, Filip Kostic und Kyriakos Papadopoulos können und sollen noch gehen.

Gekommen sind neben dem fest eingeplanten Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga (Leeds United) mit Christoph Moritz (1. FC Kaiserslautern) und Khaled Narey (Greuther Fürth) zwei Spieler, die die 2. Liga kennen. Neu ist außerdem der bundesligaerprobte Jairo (UD Las Palmas), der ein schwieriges Jahr hinter sich hat. Die Talente Manuel Wintzheimer (FC Bayern München II) und David Bates (Glasgow Rangers) ergänzen das Aufgebot.

Wichtiger als die Neuzugänge ist, dass die zum Ende der Vorsaison überzeugende Achse mit Julian Pollersbeck im Tor, Gideon Jung in der Innenverteidigung sowie Aaron Hunt und Lewis Holtby im Mittelfeld geblieben ist.

Und noch ist die Personalplanung nicht ganz abgeschlossen. Kommt es zu den erwarteten Abgängen, könnte noch eine Alternative für das zentrale Mittelfeld kommen. Weil der als Eckpfeiler eingeplante Gideon Jung wegen eines Knorpelschadens im linken Knie monatelang ausfällt, könnte zudem auch noch in der Innenverteidigung nachgebessert werden.

Die aktuelle Form

Nach lockeren Siegen beim Büdelsdorfer TSV (18:0) und bei der TuS Dassendorf (10:0) erhielt der HSV im ersten ernsthaften Test gegen den dänischen Erstligisten Aarhus GF (1:5) eine kalte Dusche. Erfolge gegen ZSKA Moskau (1:0) und Rapid Wien (2:1) während des Trainingslagers im österreichischen Bad Erlach sorgten dann aber für Zuversicht.

Vor der Generalprobe am kommenden Wochenende gegen den AS Monaco stand zuletzt ein Blitzturnier in Meppen auf dem Programm. Gegen den SV Meppen und Stoke City gewann der HSV in Spielen über 45 Minuten jeweils mit 2:1 und tankte somit weiteres Selbstvertrauen.

Stärken & Schwächen

Der erste Abstieg der Vereinsgeschichte war mehr als ein Unfall, sondern das Ergebnis eine jahrelangen Misswirtschaft, die sich zwangsläufig auf den sportlichen Bereich niederschlug. Unter Trainer Christian Titz hätte es der HSV zwar beinahe erneut geschafft, zumindest den Rettungsanker Relegation zu ergreifen, doch am Ende war der Abstieg nicht mehr zu vermeiden.

Vor allem auch deshalb nicht, weil der HSV mit 29 Toren die schwächste Offensive der Liga stellte. Ob es mit dem bislang vorhandenen Personal offensiv besser läuft, bleibt abzuwarten. Vieles wird davon abhängen, wie sich Lasogga wieder einfindet und ob Youngster Fiete Arp, der nun doch bleibt, durchstartet. Und davon, ob das Mittelfeld mit Hunt und Holtby die Leistungen aus dem Frühjahr bestätigen kann.

Dass Hunt, Holtby oder auch Gotoku Sakai lange als Gesichter der Krise gesehen wurden, nun aber als Hoffnungsträger gelten, birgt auch eine gewisse Gefahr in sich. Allerdings steht auch außer Frage, dass diese Spieler über genügend Klasse verfügen, um zu herausragenden Akteuren der 2. Liga zu werden. Selbiges gilt auch für Pollersbeck, Jairo und nach seiner Genesung den verletzten Jung.

Christian Titz vom Hamburger SV

Gab dem HSV ein neues Gesicht: Christian Titz. ©Imago/Oliver Ruhnke

Der Trainer

Trotz beachtlicher 13 Punkte aus den acht Partien unter seiner Regie ging Christian Titz im Mai zwei Monate nach Amtsantritt als erster Abstiegstrainer des HSV in die Geschichte ein. Der 47-Jährige, der zuvor erfolgreich die zweite Mannschaft trainiert hatte, konnte für den Absturz freilich am allerwenigsten.

Vielmehr hat sich Titz mit seiner Arbeit und einigen mutigen Entscheidungen großes Vertrauen erworben. Bemerkenswert, dass in einer prekären Lage schnell eine Handschrift zu erkennen war und zuvor praktisch ausgemusterte Akteure mit einem verstärkten Fokus auf Ballbesitz aufblühten.

Auch dank des neuen Sportvorstandes Ralf Becker, der dem Coach den Rücken freihält, kann Titz in Ruhe arbeiten. Natürlich ist die Erwartungshaltung groß, doch bei kleineren Rückschlägen dürfte das aus der Vergangenheit bekannte Chaos erst einmal ausbleiben.

Die mögliche Startelf

Trainer Titz setzt auf ein 4-1-4-1, in dem der passsichere Matti Steinmann oder Neuzugang Moritz als einziger Sechser sowie die Routiniers Hunt und Holtby davor ein starkes Zentrum bilden. Als Schlüsselspieler für das angestrebte Ballbesitzspiel gilt außerdem Torwart Pollersbeck, der seinen Platz ebenso sicher haben dürfte wie Douglas Santos auf der linken Abwehrseite.

Die voraussichtliche Startelf: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Steinmann – Jairo, Holtby, Hunt, Ito – Lasogga

Fazit & Prognose

Druck und Erwartungshaltung sind hoch, doch der Kader des HSV verfügt über genügend Qualität und Erfahrung, um das Ziel Wiederaufstieg zu erreichen. Ein Spaziergang dürfte es aber nicht werden, da nicht wenige Spieler mit der 2. Liga auch Neuland betreten und gewisse Anlaufschwierigkeiten nicht auszuschließen sind.

Wir glauben aber dennoch, dass der HSV am Ende die direkte Rückkehr ins Oberhaus feiern wird – ohne Umweg über die Relegation.

Das meint der Experte

Liga-Zwei.de Kolumnist Nico Patschinski: „Der Topfavorit in dieser Liga. Da der Trainer seine Lieblingsspieler halten konnte, haben sie sehr gute Chancen, außerdem haben viele Gegner alleine schon vor dem Stadion Respekt. Aus meiner Sicht ein sicherer Aufsteiger.“

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