HSV: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Zwischen Bankdrückern und Stammspielern

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:21
Orel Mangala am Ball für den HSV.

Stammplatz im HSV-Mittelfeld: Orel Mangala überzeugt bei den Rothosen. ©Imago/Michael Schwarz

Nach dem Abstieg des HSV hielt so mancher Spieler wie Aaron Hunt oder Lewis Holtby den Rothosen  die Treue, viele jedoch verließen den Verein. Neue Kicker kamen hinzu und konnten sich mehr oder weniger gut in die Mannschaft der Hamburger einfinden.

Für Orel Mangala gilt ohne Frage ersteres. In jeder Partie seit seiner Leihe vom VfB Stuttgart stand er auf dem Platz. Wieso läuft es für Mangala so gut? Das haben wir seinen Trainer bei der belgischen U21-Nationalmannschaft, Johan Walem, gefragt. Im Anschluss an das Interview gibt es eine Einschätzung der restlichen Neuzugänge des HSV.

Herr Walem, was sagen Sie bislang zur Saison von Orel Mangala beim HSV?
Johan Walem: „Ich finde es sehr interessant, dass er viel Spielzeit bekommt. Und mir ist die Disziplin aufgefallen, die er in seinem Spiel im Verein einbringt. Er ist ein Junge, der schon viel Qualität hat. Wenn er taktisch noch disziplinierter und fokussierter wird, wird er noch viel stärker sein.“

Der HSV spielt nicht immer gut, Orel Mangala ist aber sehr konstant. Wie schafft er das als junger Spieler?
Walem: „Ich persönlich finde, er hat außergewöhnliche technische Fähigkeiten, eine gute Übersicht, auch Schnelligkeit. Er ist ein Spieler, der selten einen Ball verliert. Es ist also schon fast logisch, dass er viel spielt.“

„ Hat schon viele Fortschritte gemacht. ”
über seine Entwicklung

Eigentlich gehört er noch dem VfB Stuttgart, wo aber ein Stammplatz außer Reichweite war. Was fehlt noch zur ersten Bundesliga?
Walem: „Ich glaube, dass ist eben genau diese Disziplin. Auch körperlich fehlt noch ein bisschen, was er aber von Tag zu Tag mehr lernen wird. In den letzten drei oder vier Monaten hat er schon viele Fortschritte gemacht. Er hat viel Vertrauen bekommen. Er muss sich bewusst werden, dass man für die erste Bundesliga nicht nur fußballerische Qualität braucht, sondern eben auch andere Dinge.“

Die Jugendausbildung in Belgien wird hoch gelobt in den letzten Jahren. Orel Mangala ging schon mit 18 nach Deutschland. Was hat er dort gelernt, was er in Belgien vielleicht nicht gelernt hätte?
Walem: „In Belgien lernen die Spieler vor allem technisch sehr viel. Ich glaube, sie haben aber nicht die Härte, die man braucht, um wirkliches Spitzenniveau zu erreichen. Daher finde ich es gut, wenn Spieler in andere Länder gehen, wo die Strukturen noch kompletter sind, um richtig gute Fußballer zu werden. Es ist eine schöne Herausforderung für einen Spieler wie Mangala. Momentan kann man sagen, er schafft es in Hamburg, aber es ist noch etwas anderes, es in die Bundesliga zu schaffen.“

Umgekehrt: Gerade wenn man an die vergangene WM denkt, wo ist die belgische Schule der Ausbildung in Deutschland momentan voraus?
Walem: „Ich weiß nicht, ob wir da wirklich besser sind, als die Deutschen. Es sind Zyklen und jetzt haben wir eine außergewöhnliche Generation. Wir brauchen aber nicht zu glauben, dass wir mit Deutschland konkurrieren können. Deutschland ist insgesamt überlegen, hat ein viel tieferes Reservoir an Talenten. So gibt es viel mehr Möglichkeiten, außerdem sind die Strukturen besser.“

„ Sehr wichtig, die Zwischenschritte nicht zu überspringen. ”
über seinen weiteren Weg

Gibt es denn typisch belgische Qualitäten, die Orel Mangala auch verkörpert?
Walem: „Ja. Wir haben im Moment viele Fußballer, die technisch gut sind, körperlich stark, eine gute Ballbehandlung haben. Viele suchen dann Erfahrungen im Ausland. Auch deswegen haben wir jetzt eine gute Nationalmannschaft.“

In der Belgischen Nationalmannschaft sind einige Stammspieler schon um die 30. Wann schlägt seine Stunde in der A-Nationalmannschaft?
Walem: „Ich hoffe, dass Orel Mangala sich in zwei oder drei Jahren in der ersten Bundesliga wiederfindet. Danach glaube ich, bekommt er eine Chance in der A-Nationalmannschaft, wenn er so weitermacht.

Er muss aber aufpassen, nicht zu schnell zu viel wollen. Es ist sehr wichtig, die Zwischenschritte nicht zu überspringen. Die jetzigen Spieler haben viel Qualität und noch ein paar Jahre vor sich, Orel muss also geduldig bleiben. Er muss vor allem jedes Mal in der U21 beweisen, dass er wichtig ist.“

Sie haben gesagt, es sind Zyklen, die dafür sorgen, dass mal die einen, mal die anderen eine bessere Generation haben. Sie als U21-Trainer, denken Sie, die nächste Generation der „Roten Teufel“ wird so stark wie die jetzige?
Walem: „Ich weiß nicht, ob sie genauso stark wird. Ich glaube einige junge Spieler können in den nächsten Jahren integriert werden, aber keine ganze Mannschaft. Die jetzige Generation ist aber über zehn Jahre so gewachsen, angefangen bei den Olympischen Spielen 2008. Ich weiß nicht, ob es so weiter gehen kann. Man kann aber träumen.

Wir werden weiter arbeiten und hoffen, auf diesem Niveau zu bleiben. Das ist das Ziel von allen. Die großen Nationen sind aber immer präsent. Deutschland, Frankreich, oder auch Italien und die Niederlande werden auf hohem Niveau wiederkommen. Es ist also eine schöne Herausforderung für uns, auf diesem Level wettkampffähig zu bleiben.“

Unsere Bewertungen der HSV-Zugänge:

Khaled Narey jubel für den HSV

Überzeugt auch in Hamburg: Flügelflitzer Khaled Narey. ©Imago/foto2press

Volltreffer:
Khaled Narey – Der 24-Jährige knüpft an seine starken Leistungen in Fürth an und konnte sich beim HSV sogar noch ein Stück verbessern. Vier Tore und zwei Vorlagen stehen für den variablen rechten Flügelspieler zu Buche, nach Lasogga ist er Hamburgs gefährlichster Mann. In der Form führt kein Weg an Narey vorbei.

Orel Mangala – Der Belgier steigerte sich von Spiel zu Spiel und steht weiterhin als unverzichtbarer Teil des HSV-Mittelfelds als Abräumer vor der Abwehr. Trotz seiner erst 20 Jahre agiert Mangala erstaunlich abgeklärt.

Pierre-Michel Lasogga – Als klassischer Neuzugang ist der bullige Angreifer nicht zu werten, schließlich kam er nach Abschluss seiner Leihe in Leeds zurück zu den Rothosen. Lasogga war allerdings in den letzten Spielen genau das, was dem HSV in der letzten Saison gefehlt hat: Ein Knipser vor dem Tor. Unter Wolf scheint sich der Stürmer wohl zu fühlen: Zwei Tore und eine Vorlage in drei Partien gelangen ihm zuletzt.

Guter Griff:
Hee-chan Hwang – Kurz vor Transferschluss lieh der HSV Hwang aus und setzte ihn seitdem in neun Partien ein. Sein Potential deutete Hwang mehrmals an, allerdings trat der flinke Offensivmann erst einmal als Torschütze in Erscheinung. Solider Start, aber der 22-Jährige kann sich noch steigern.

David Bates – Der 22-Jährige Schotte hat sich zu Saisonbeginn in der Innenverteidigung festgespielt und zeigte teilweise bärenstarke Leistungen. Genauso dabei waren allerdings eher schwache Auftritte wie in Magdeburg. Eine Verstärkung ist Bates allemal, ruft er sein Können konstanter ab, wird er noch wertvoller für den HSV.

Leo Lacroix – Beim 0:5 gegen Regensburg erwischte der Schweizer einen rabenschwarzen Tag und musste anschließend mehrere Spiele zuschauen. Allerdings scheint er gelernt zu haben, denn bei seinen jüngsten zwei Startelf-Auftritten präsentierte er sich stark verbessert. In dieser Form ist der Leihspieler vom AS St. Etienne eine Verstärkung für die Rothosen.

Ausbaufähig:
Christoph Moritz – Als Stammspieler beim Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern kam Moritz zum HSV, konnte sich dort aber nicht etablieren. Erst einmal stand Moritz in der Startelf, überzeugte dabei aber nur bedingt. Der 28-Jährige muss sich wohl über Kurzeinsätze empfehlen.

Manuel Wintzheimer – Der mit viel Vorschusslorbeeren vom FC Bayern gekommene Angreifer erhielt noch keine Chance, sich zu beweisen. Lediglich in der zweiten Mannschaft stand der 19-Jährige auf dem Platz und erzielte dabei zwei Tore in acht Spielen. Zuletzt stand Wintzheimer zumindest zweimal in Folge im Zweitliga-Kader und darf auf seinen ersten Joker-Einsatz hoffen.

Bewertung nicht möglich:
Jairo Samperio – Der Spanier startete in den ersten beiden Partien, konnte dabei allerdings nicht überzeugen. Seit dem dritten Spieltag fällt er mit Knieproblemen aus.

Aktion zum nächsten Spiel: Gewinnt der HSV gegen Union Berlin? – » Jetzt mit 10.00-Sonderquote (statt 2.00) bei Bet3000 wetten!