Holstein Kiel: Interview mit Tim Walter

"Abstieg? Da sehe ich keine Gefahr."

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Sonntag, 24.06.2018 | 11:41
Tim Walter gibt Anweisungen

Tim Walter trainiert in Kiel erstmals eine Profimannschaft. ©Imago/foto2press

Tim Walter tritt bei Holstein Kiel ein schweres Erbe an. Nachdem sein Vorgänger Markus Anfang die „Störche“ innerhalb von nicht einmal zwei Jahren von der 3. Liga bis zu den Relegationsspielen zur Bundesliga führte, soll Walter den Verein nun zumindest in der 2. Bundesliga etablieren. Im Interview mit Liga-Zwei.de verrät der 42-Jährige, wie er das angehen möchte.

Herr Walter, vor einem Jahr spielte Eintracht Braunschweig in der Relegation um den Bundesliga-Aufstieg. Nun ist der Verein in die 3. Liga abgestiegen. Wie groß ist die Gefahr, dass Holstein Kiel ein ähnliches Schicksal ereilt?
Tim Walter: „Ich sehe da keine Gefahr. Dass so etwas in der Vergangenheit passiert ist, beschäftigt uns überhaupt nicht. Wir wollen in Kiel etwas Neues aufbauen und eine neue Mannschaft formen. Wir haben ein neues Trainerteam, einen neuen Sportchef und eine veränderte Mannschaft. Wir sind also nicht vorbelastet.“ 

Wäre der Klassenerhalt ein Erfolg?
Walter: „Wir reden nicht vom Klassenerhalt. Der Klassenerhalt ist kein Ziel. Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen. Dafür gilt es, jetzt in der Vorbereitung schnell eine Mannschaft zu formen und unsere Philosophie vom Fußball zu transportieren.“

„ Er hat einen überragenden rechten Fuß. ”
über Jannik Dehm

In Spielgestalter Dominick Drexler, Torschützenkönig Marvin Ducksch und Kapitän Rafael Czichos sind drei absolute Schlüsselspieler weggebrochen. Wie sollen diese Abgänge kompensiert werden?
Walter: „Fabian Wohlgemuth und ich sondieren den Markt. Die angesprochenen Spieler haben natürlich überragend performt. Klar ist aber auch, dass diese Spieler noch längst nicht dieses Level erreicht hatten, als sie hierher kamen.

Wer hätte schon gedacht, dass Ducksch sich so entwickelt und Torschützenkönig der 2. Bundesliga wird? Nun suchen wir nach neuen Spielern, die ebenfalls das Potenzial haben, sich zu entwickeln.“

Dann lassen Sie uns über die neuen Spieler sprechen: Was können Sie über Rückkehrer Utku Sen und die Neuzugänge Jannik Dehm sowie Janni Serra sagen?
Walter: „Utku Sen ist ein Strafraumspieler mit hohen Qualitäten im Abschluss. Jannik Dehm ist ein sehr schneller und fußballerisch guter Spieler. Er hat einen überragenden rechten Fuß.

Janni Serra ist ein sehr großer Stürmer, der technisch fein ist, den Ball sehr gut festmachen kann, trotzdem aber auch sehr gut im Kombinieren und im Abschluss ist. Alle sind jung und haben hier in Kiel die Möglichkeit, den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu machen.“

„ Ich stehe für dominanten und offensiven Fußball. ”
über seinen Stil

Laut Torwarttrainer Patrik Borger ist der aus Dortmund verpflichtete Dominik Reimann eines der größten Torwart-Talente des Landes und zudem ein hervorragender Fußballer. Gibt es einen offenen Konkurrenzkampf um den Torwartposten mit der bisherigen Nummer 1 Kenneth Kronholm?
Walter:  „Zum Start in eine Saison hat jeder Spieler im Kader die Chance, sich für die Startelf zu empfehlen – und zwar über gute Trainingsleistungen, Einstellung und Mentalität.

Patrik Borger ist nicht ohne Grund so angetan von Dominik Reimann. Auch ich kenne ihn noch aus der Jugend und weiß, dass er fußballerisch überdurchschnittlich gut ist.“

Werden Sie den offensiven und dominanten Spielstil von Ihrem Vorgänger Markus Anfang fortführen?
Walter: „Ich stehe ebenfalls für einen dominanten und offensiven Fußball. Ich möchte, dass meine Mannschaft agiert, viel Ballbesitz hat und viel Gegenpressing betreibt. Wir wollen hoch und aggressiv verteidigen.“

Wie schätzen Sie die 2. Bundesliga allgemein ein?
Walter: „Die 2. Liga ist stark besetzt. Mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV gibt es natürlich zwei Vereine, die vom Papier her vorneweg marschieren dürften. Aber die müssen ihrer Favoritenrolle auch erst einmal gerecht werden.“

„ Ich kann hier viel mitgestalten. ”
über seine Entscheidung für Kiel

Laut Medienberichten hatte auch Union Berlin Interesse an Ihnen. Gab es Gespräche?
Walter: „Richtig ist, dass es Kontakte zu anderen Vereinen gab. Welche das waren, ist nun aber nicht mehr relevant. Holstein Kiel ist die richtige Entscheidung für mich.“

Warum?
Walter: „Ich kann hier viel mitgestalten, etwas Neues aufbauen und meine Philosophie auf die Mannschaft übertragen.“

In Fabian Wohlgemuth wurde Ihnen ein neuer Sportdirektor an die Seite gestellt, der bislang Nachwuchsleiter beim VfL Wolfsburg war. Kannten Sie sich bereits vorher?
Walter: „Wir sind uns über die Jahre häufiger begegnet, haben die Arbeit des anderen geschätzt und uns immer gut verstanden. Nun tragen wir zusammen die sportliche Verantwortung und haben mit unserem Präsidenten Steffen Schneekloth noch einen erfahrenen Mann an unserer Seite.“

„ Man hat sich auf dem Gelände gegrüßt. ”
über das Verhältnis zu den Cheftrainern der Bayern

Sie haben Ihre Trainerlaufbahn im Nachwuchs des Karlsruher SC begonnen. Wie genau hat Ihr Werdegang ausgesehen?
Walter: „Ich habe Sport studiert und bin dann 2006 als Trainer beim Karlsruher SC eingestiegen. Ich war Co-Trainer unter Markus Kauczinski, als dieser die U19 trainiert hat. Im Jahre 2015 bin ich dann zum Nachwuchs des FC Bayern München gewechselt.“

Die vergangenen Jahre haben Sie bei der U17 und dann bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München verbracht. Wie eng war Ihr Kontakt zu den Cheftrainern Jupp Heynckes und Pep Guardiola?
Walter: „Überhaupt nicht eng. Man hat sich auf dem Gelände gegrüßt, hatte sonst allerdings keine Berührungspunkte.“

Wie groß wird für Sie die Umstellung sein, nun keine Nachwuchsmannschaft mehr sondern eine Profimannschaft zu trainieren, bei der vorrangig die Ergebnisse zählen?
Walter: „Die Arbeit unterscheidet sich nicht allzu sehr. Ob nun im Nachwuchs oder bei den Profis: Überall geht es darum, die Spieler weiterzuentwickeln. Vielleicht ist das Anspruchsdenken der Vereine und der Zuschauer etwas höher.

Letztendlich aber möchte ich immer attraktiven Offensiv-Fußball zeigen und jedes Spiel gewinnen – egal mit welcher Mannschaft.“

Herr Walter, vielen Dank für das Interview!

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