KSC: Beste Zeit für Insolvenz?

Sport-Ökonom nennt Vorteile für verschuldete Klubs

Ingo Wellenreuther vom KSC

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther lotet die wirtschaftlichen Optionen des KSC aus. ©Imago images/

Der KSC wehrte sich noch vor Wochenfrist gegen Darstellungen, der Club sei zahlunsgunfähig und stellte klar, bis Juni diesen Jahres sei man definitiv solvent, vorausgesetzt die letzte Tranche der TV-Gelder kommt.

Darüber verhandeln DFL und Pay-TV-Sender Sky aktuell. Der KSC hat indes angekündigt seine Mitglieder über eine Planinsolvenz abstimmen zu lassen. Diese würde nach neusten Statuten-Änderungen der DFL keinen Punktabzug mit sich bringen.

Vor-Corona oder Nach-Corona-Schulden kaum zu erkennen

Nicht nur deshalb ist jetzt für Sportökonom Daniel Weimar von der Universität Duisburg-Essen der beste Moment für Vereine wie den KSC oder in der 3. Liga den FCK, eine Insolvenz anzustoßen.

„Bisher galt, dass bei absehbarer Zahlungsunfähigkeit ein Antrag auf Insolvenz binnen drei Wochen gestellt werden musste. Nun hätte man bis zum 30. September Zeit“, so der 36-Jährige im „Tagesspiegel„.

„Vor Corona wäre dann automatisch ein Insolvenzverfahren eröffnet worden, das ist nun nicht mehr so. Die Klubs könnten den Zeitplan jetzt selbst bestimmen.“ Genau das tut der KSC aktuell, indem er zunächst eine Mitgliederbefragung für Ende April anberaumt.

Eigentlich hat die DFL, wie kurz danach auch der DFB für die 3. Liga und die weiteren Spielklassen, die neue Regelung getroffen, um Vereine, die auf Grund der Corona-Krise nicht mehr liquide sind, nicht zu bestrafen. Für Weimar sind jedoch nun vor allem Klubs im Vorteil, die schon vorher hohes wirtschaftliches Risiko eingegangen sind.

„Aus meiner Sicht wären die Regularien zu schwammig, um eine Unterscheidung zwischen Vor-Corona-Schulden und Nach-Corona-Schulden machen zu können.“, hält der Wissenschaftler fest.

Davon abgesehen hätten Sport-Unternehmen wie Fußballklubs grundsätzlich gegenüber anderen Wirtschaftsunternehmen den Vorteil, dass die Bereitschaft von Gläubigern, auf Geld zu verzichten, bei ihnen größer ist. Das liege zum einen daran, dass die Vereine Identifikationssymbole der jeweiligen Regionen seien, die man erhalten möchte.

Zum anderen aber sei auch die Zukunfts-Perspektive verschuldeter Fußballklubs grundsätzlich gut, da ihr Proddukt – der Fußball – immer nachgefragt bleibt.