1. FC Köln: Standards als Problem

Bei ruhenden Bällen extrem anfällig

Johannes Geiß im Spiel gegen Union

Auch Neuzugang Johannes Geis konnte bislang nicht für mehr Gefahr bei ruhenden Bällen sorgen. ©Imago/Jan Huebner

Den Start ins neue Jahr hat man sich beim 1. FC Köln ganz anders vorgestellt. Anstatt sich abzusetzen oder zumindest einen direkten Konkurrenten auf Abstand zu halten, verloren die Geißböcke mit 0:2 beim 1. FC Union Berlin und haben nun nur noch zwei Zähler Vorsprung auf die Eisernen.

Gründe für die Niederlage an der Alten Försterei lassen sich einige finden. Natürlich hätte die Partie mit dem Traumtor ausgerechnet durch den Ex-Kölner Marcel Hartel nach 25 Sekunden kaum schlechter beginnen können, doch danach hatte der FC die Begegnung lange komplett unter Kontrolle, nutzte allerdings die sich bietenden Chancen nicht und kassierte nach einer halben Stunde weitgehend aus dem Nichts das 0:2.

Eigene Eckbälle verbreiten keine Gefahr

Bei einem Freistoß aus dem Halbfeld ließ sich Jhon Cordoba von Florian Hübner abschütteln, der per Kopf zum 2:0 traf. Zufall war dieses Tor indes nicht. Denn der Auftritt in Berlin-Köpenick offenbarte gravierende Kölner Probleme bei Standardsituationen, defensiv wie offensiv. Während jeder gegnerische Eckball für enorme Gefahr sorgte und Union durchaus auch zwei oder drei Tore auf diese Weise hätte erzielen können, blieben elf Kölner Ecken ohne Ertrag.

Auch Winterneuzugang Johannes Geis, der als Standardspezialist gilt, konnte eine schon im Herbst offenkundige und nur von wenigen Toren durch Simon Terodde und Rafael Czichos übertünchte Schwäche bei offensiven Standards nicht beheben. Entweder die Kölner Ecken fanden gar keinen Abnehmer oder es fehlte, wie gleich zweimal bei Czichos, das richtige Timing beim Kopfball.

Wirklich überraschend ist das aber nicht, denn im Vergleich zu anderen Teams, insbesondere auch zum 1. FC Union, verfügt der FC über zu wenig große und kopfballstarke Spieler. Mit Benno Schmitz und Jorge Meré sind gleich zwei Akteure der Kölner Dreierkette nur 1,82 Meter groß und damit schon von Natur aus keine Kopfballungeheuer. So fanden sich in der gestrigen Startelf mit Czichos und Simon Terodde lediglich zwei Akteure mit überdurchschnittlichen Qualitäten in der Luft.

Sörensen als Stürmer ohne Wirkung

Der Kölner Kader hat indes durchaus weitere, sehr kopfballstarke Spieler zu bieten. Allerdings reichte es für Lasse Sobiech nach auskurierter Adduktorenverletzung noch nicht, während Frederik Sörensen in der Schlussphase nicht zum ersten Mal als Mittelstürmer zweckentfremdet wurde, aber in der Spitze mangels adäquater Flanken auf verlorenem Posten stand.

Ob Trainer Markus Anfang nach dem Spiel in Berlin reagieren und in der ersten Elf für mehr Kopfballstärke sorgen wird, bleibt abzuwarten. Sörensen anstelle des insgesamt nicht überzeugenden Schmitz aufzubieten, wäre aber sicherlich eine Variante, über die es sich nachzudenken lohnt. Dann müsste bei defensiven Standards vielleicht auch nicht Angreifer Cordoba einen der kopfballstärksten Gegner in Manndeckung nehmen.