Chapeau, Victor Palsson

Die besondere Leistung des 27. Spieltags

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 25.05.2020 | 11:15

Victor Palsson im "Lilien"-Dress.

Victor Palsson krönte seine starke Leistung gegen den FCSP mit dem Treffer zum 4:0-Endstand. ©imago images/Jan Huebner

Ludovic Magnin hat genügend Zeit, um sich am Fernsehgerät mit den hiesigen Geisterspielen vertraut zu machen. Die Schweizer Super League soll erst Mitte Juni reaktiviert werden. So wird er als Trainer des FC Zürich sein Team in dieser neuen Woche erstmals wieder zum Training bitten. Erfreuen mag sich Magnin daran nicht. "Der Fußball braucht Gesänge wie: Zieht den Bayern die Lederhosen aus. Die aktuelle Stille tut mir weh", beklagt Magnin, der 62 Mal im Nationalteam-Trikot der Schweiz aktiv war.

Über 200 Spiele hat Magnin für Werder Bremen und den VfB Stuttgart bestritten. Dabei hat er als Verteidiger und Antreiber in Personalunion die linke Außenbahn beackert. Und dabei durfte er mit beiden Teams die Deutsche Fußballmeisterschaft feiern und die Bundesliga somit von ihrer besten Seite in Erinnerung behalten.

Immerhin hat Ludovic Magnin bei seinen TV-Studien ungeliebter Geisterspiele an diesem Fußball-Wochenende auch einen ganz persönlichen Lichtblick entdeckt: Victor Palsson erlebte beim 4:0-Triumph von Darmstadt 98 über den FC St. Pauli einen Sahne-Tag. Eigentlich bevorzugt der Isländer mit der Karriere eines Weltenbummlers primär als Vorarbeiter, Kämpfer und als Mann fürs Grobe zu imponieren.

Wie Palsson seinen Ex-Trainer Magnin glücklich machte

Doch diesmal war er auch als Kreativkraft, als Antreiber, als torgefährlicher Fußballer mit dem Blick für das perfekte Zuspiel auffällig. So hat Palsson Darmstadts 1:0 vorbereitet und damit den Knackpunkt des Spiels zugunsten der "Lilien" herbeigeführt. Und so hat er mit seinem Volleyschuss aus 18 Metern einen brillanten Schlusspunkt gesetzt.

Ludovic Magnin hat sich bei der Ansicht dieser Szenen seines einstigen Schützlings dann also doch vergnüglich auf die Schenkel geschlagen, wie er im Gespräch mit Liga-Zwei.de zugibt. "Ja, der Victor ist großartig", sagt Magnin und dabei liegt ein Hauch von Wehmut auf seiner Stimme.

Denn bis zum Januar 2019, also bis zu Palssons Wechsel zu Darmstadt 98, durfte der FC Zürich aus den besonderen Qualitäten dieses Spielers großen Nutzen ziehen und mit ihm als Leistungsträger Highlights in der Geschichte des Vereins realisieren: Als der FC Zürich den Schweizer Cup gewinnen und in der Europa League gemeinsam mit Bayer Leverkusen die Gruppenphase überstehen konnte, war Ludovic Magnin der Trainer und Victor Palsson sein Kapitän.

In Zürich wurde er Führungsspieler

Im Februar 2018 hatte Magnin den FC Zürich übernommen und war schnell dahintergekommen, dass er einige markante Veränderungen installieren musste. So hat er Palsson dorthin befördert, wo er seiner Meinung nach hingehört: In sein Führungspersonal. Dies war eine ungewöhnliche und mutige Maßnahme zugleich, denn aus deutschem Vokabular bestand das durchaus vielfältige Sprachrepertoire des Weltenbummlers zunächst noch nicht. Doch dies änderte Palsson rasant.

„ Ein Leitwolf, der auch im eigenen Gehege zubeißt ”
Ludovic Magnin über Victor Palsson

"Victor verkörpert einen Spielertypus, den sich jeder Trainer wünscht, weil ihn jedes Team braucht. Er hat mir im Umgang mit der Mannschaft viele unangenehme Angelegenheiten abgenommen. Denn Palsson ist ein Leitwolf, der auch im eigenen Gehege zubeißt. Also der ungemütlich wird für Kollegen, die nicht so recht mitziehen mögen", berichtet Magnin.

Victor Palsson (l.) und Ludovic Magnin.

34 Pflichtspiele absolvierte Victor Palsson (l.) unter Ludovic Magnin. ©imago images/Geisser

Dass Victor Palsson diese Ecken und Kanten einer Respektsperson ausleben kann, ohne in einem Teamverbund in Misskredit zu geraten, erklärt der studierte Pädagoge und Grundschullehrer Magnin gern: "Niemand lebt die Regeln des Fußballprofis so konsequent vor und niemand nimmt jede Übung und jedes Trainingsspiel so ernst wie Victor. Schon in der Woche gibt er Vollgas und will immer gewinnen. Diese Bereitschaft macht ihn nahezu unantastbar."

Effizienter & omnipräsenter Wikinger

Was Darmstadts Spieler mit der Trikot-Nr. 4 in der Trainingsarbeit zu konditionieren bereit ist, wird sichtbar in Spielen wie nun gegen den FC St. Pauli. Nicht immer gleich auf den ersten Blick, doch wenn ein Match so heiß läuft wie ein kochender Wasserkessel kurz vor dem Siedepunkt, dann ist Victor Palsson in seinem Element. Dann ist Darmstadts Wikinger besonders effizient und omnipräsent.

Auch dazu äußert sich Ludovic Magnin gern: "Victor liebt das Spiel gegen den Ball. Er verkörpert ein schier unüberwindbares Bollwerk vor der eigenen Abwehr. Ist ein Eroberer neuer Räume, ein Ballfresser, versprüht die Mentalität dieses niemals Aufgebens und mit allen diesen Tugenden ist er ein idealer Kapitän."

Victor Palsson vertritt bei der Suche nach der Prägung seiner Charaktereigenschaften inzwischen die Überzeugung, dass ihn die frühe Abnabelung von der Familie daheim in Reykjavik in jenen Zustand habe reifen lassen, mit dem er jetzt verlässlich als Fußballprofi punkten könne.

Geprägt von der Wanderschaft durch die Welt des Fußballs

Ein guter Grund also für uns, diesen sportlichen und somit persönlichen Werdegang an dieser Stelle zusammenzufassen. Und welch eine verrückte Fußball-Rallye rückt hier ans Tageslicht: Mit 16 Jahren schon erfolgte der Wechsel von Reykjavik in die Talenteschmiede des dänischen Topklubs Aarhus GF. Von dort ins Juniorenteam des FC Liverpool, dann ins schottische Hibernian, ins Redbull-Camp nach New York City, ins niederländische Nijmegen, ins schwedische Helsingborg, ins dänische Esbjerg und schließlich zum FC Zürich. Allein in Zürich und nun in Darmstadt ist er länger als eine Spielzeit aktiv.

„ Ganz ehrlich, wir alle beim FC Zürich vermissen Victor Palsson sehr. ”
Ludovic Magnin

Wäre Palsson nicht schon 29 Jahre alt, könnte er gar noch zu einer guten Wertanlage für die "Lilien" geraten. Denn bis 2022 gilt dort sein Vertrag. 300.000 Euro haben sie damals nach Zürich überwiesen, amortisiert hat sich dieser Betrag inzwischen allemal. Sichtbar an Auftritten wie diesmal, an Darmstadts großartigem Saisonverlauf mit Rang 5 aktuell und an der persönlichen Marktwertsteigerung auf eine Million Euro.

Und deshalb begründet Ludovic Magnin die unterschwellige Schwermut in den Ausführungen seiner Erinnerungen so: "Ganz ehrlich, wir alle beim FC Zürich vermissen Victor Palsson sehr."
Nun, der wird dieses Statement seines ehemaligen Förderers bestimmt sehr gerne lesen.

 

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