Eintracht Braunschweig: Jetzt spricht Papa Reichel

"Kens erstes Saisontor ist eine Befreiung"

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Samstag, 24.02.18 | 08:16
Mario Reichel trainiert Tasmania Berlin.

Spielervater Mario Reichel trainierte viele Jahre lang bei Heimatverein Tasmania Berlin. ©Imago/Ed Gar

Der Ball sprang Ken Reichel in der 16. Minute der Partie gegen Union Berlin ein bisschen zu weit vom Fuß, dennoch schoss er ihn präzise ins Toreck und erzielte damit seinen ersten Saisontreffer. Seinen Jubel sah einer seiner größten Förderer von der Tribüne aus: Papa Mario.

„Natürlich ist das erste Saisontor für ihn persönlich eine Befreiung“ so Mario Reichel gegenüber Liga-Zwei.de.Er hatte zuvor in der Saison in der ein oder anderen Situation etwas Pech. Manchmal brauchst du dann so ein Erfolgserlebnis, damit es wieder läuft.“

Braunschweig der ideale Verein

Generell wäre dieser späte Zeitpunkt für das erste Saisontor für einen Linksverteidiger nicht ungewöhnlich. Bei Reichel, der in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils sieben Mal ins Schwarze traf hingegen schon. Woher kommt seine Offensivstärke eigentlich? „Es war schon früher abzusehen, dass er eine gute Schusstechnik hat und torgefährlich ist“, so sein Vater Mario.

Demnach habe der gebürtige Berliner früher immer im Angriff gespielt und hat dann erst nach und nach defensivere Aufgaben übernommen. In Braunschweig kamen ihm dann „das gesteigerte Selbstbewusstsein und die offensivere Spielweise der Mannschaft in den letzten Jahren“ zugute. 

„ Lieberknecht war für seine Entwicklung also sehr wichtig. ”
über Sohn Kens Laufbahn

305 Partien absolvierte der Linksverteidiger bereits für den BTSV, 296 davon unter Torsten Lieberknecht. Als der Coach in Braunschweig das Ruder übernahm, „hat er ihn sofort gefordert und gefördert. Er hat immer an ihn geglaubt und ihm das Vertrauen geschenkt. Lieberknecht war für seine Entwicklung also sehr wichtig.“

Geborener Anführer

Nicht nur auf dem Feld entwickelte sich Ken Reichel, sondern auch daneben. Die Löwen führt er als Kapitän an. Bereits in der A-Jugend-Bundesliga, als er noch bei Tasmania Berlin kickte, trug er die Binde, wie Vater Mario, zu dem Zeitpunkt Trainer der Mannschaft, erzählt.Er war damals wie heute kein Lautsprecher, sondern sehr klar in seinem Handeln und seinen Aussagen. Dadurch war er schon immer ein Spieler, an dem sich andere ein Beispiel nahmen.“

„ Wenn alles normal läuft, wird er bei der Eintracht seine Karriere beenden. ”
über Kens Zukunft

Der Youngster auf dem Feld, der Papa an der Seitenlinie – wie war da das Verhältnis? „Für ihn war es eher ein Nachteil, weil man den eigenen Sohn oft ein bisschen mehr kritisiert, wo man bei anderen darüber hinwegsieht. Zuhause war das aber überhaupt kein Problem.“ Genau wie im Moment. Bei Familienfeiern werde nämlich über Fußball „eher weniger geredet“, so Mario Reichel, „seit Oktober 2016 steht mein Enkelkind im Mittelpunkt“.

Karriere-Ende beim BTSV?

Zeit für den Enkel, die hat Familienmensch Mario Reichel jetzt häufiger. Im Januar legte er sein Traineramt beim ehemaligen Bundesligisten Tasmania Berlin nieder und hat deswegen Zeit, „um öfter nach Braunschweig zu fahren, um mir ein Spiel anzuschauen und meinen Enkel zu besuchen“. Ganz Abschied vom Fußball will er allerdings nicht nehmen, stattdessen geht er davon aus, dass er „in absehbarer Zeit sicherlich auch wieder einen Verein trainieren“ wird.

Doch wie geht es bei Sohn Ken weiter? Er ist mittlerweile seit über zehn Jahren ein Löwe, sein Vertrag läuft noch bis 2019. Papa Mario glaubt jedenfalls, dass noch ein paar Jahre hinzukommen. „Braunschweig ist seine Heimat geworden“, so der 56-Jährige. Wenn alles normal läuft, wird er bei der Eintracht seine Karriere beenden.“

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