Exklusiv: Aufstiegsheld Eilers über „unfassbare“ Derby-Atmosphäre

"Was sich die Fans ausgedacht hatten, war phänomenal."

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:19
Justin Eilers jubelt nach dem Treffer zum 2:2 gegen Magdeburg

„Geiles Gefühl“: Justin Eilers kurz nach seinem Treffer zum 2:2 gegen Magdeburg in der Saison 2015/16. ©Imago/Robert Michael

Justin Eilers schoss 46 Tore für Dynamo Dresden. Das wichtigste gelang ihm ausgerechnet im Derby gegen Magdeburg (hier geht’s zur Vorschau aufs Spiel Samstag), als er die SGD mit seinem Treffer zum 2:2 zum Aufstieg schoss. Bereits im Hinspiel avancierte der heute 30-Jährige zum Derbyhelden, als er einen Doppelpack zum 3:2-Sieg gegen den Rivalen beisteuerte.

Mit Liga-Zwei.de lässt Eilers seine Derby-Erinnerungen Revue passieren und gibt eine Einschätzung ab, wo er Dynamo in dieser Saison erwartet. Außerdem spricht der Angreifer über seine schwere Zeit in Bremen und den dortigen Trainer Florian Kohfeldt.

Herr Eilers, es läuft die 67. Minute am 34. Drittliga-Spieltag der Saison 2015/16. Sie schießen Dynamo mit dem Tor zum 2:2 im Derby gegen Magdeburg in die zweite Liga. Emotionaler geht es fast nicht mehr, oder?
Justin Eilers: „Ich würde das gar nicht als Aufstiegs-Tor bezeichnen. Wir waren in diesem Jahr so souverän, dass das in dem Sinne kein Entscheidungsspiel war. Dennoch war es ein absolut geiles Gefühl, dieses entscheidende Tor zu erzielen. Gerade auch noch im Derby auswärts in Magdeburg.“

Sie haben zwei Ostduelle zwischen Dresden und Magdeburg miterlebt. Wie würden Sie die spezielle Atmosphäre beschreiben?
Eilers: „Ich kann mich noch ganz genau an das Hinspiel in Dresden erinnern, wo diese riesige Blockfahne entstanden ist. Was die Fans sich da ausgedacht hatten, war phänomenal. Es herrschte eine unfassbare Atmosphäre im Stadion. Da erinnere ich mich heute noch gerne dran. Mit meinen beiden Toren zum 3:2-Sieg war es gelungener Tag für die Mannschaft, die Fans und mich persönlich.“

„ Habe die komplette Atmosphäre verinnerlicht und aufgesogen. ”
über das Derby

Wie sehr kitzelt die Spieler diese besondere Derby-Atmosphäre vor dem Spiel?
Eilers: „Ich bin zum Beispiel immer als letzter auf den Platz gegangen und habe die erste Minute die komplette Atmosphäre verinnerlicht und aufgesogen. Diese Stimmung habe ich mit ins Spiel genommen. Mir persönlich hat das extrem geholfen, nochmal mehr Prozente rauszukitzeln. Gerade in entscheidenden Situationen.“

Sie haben vorhin Ihre beiden Tore zum 3:2-Sieg beim Derby in Dresden angesprochen. Wer wird denn der neue Derbyheld?
Eilers: „Wichtig ist für den Verein der Sieg. Egal, wer das Tor schießt. Ob es durch ein Eigentor ist, oder ob der Schubi (Torhüter Markus Schubert, Anm. d. Redaktion) ein Tor macht (lacht). Die Mannschaft ist gut aufgestellt und hat offensiv genug Qualität.“

„ Ein einstelliger Tabellenplatz ist realistisch. ”
über die Saison der SGD

Nach einem schlechten Start, ist die SGD trotz der jüngsten Niederlage wieder in der Spur. Wie haben Sie die bisherige Saison Ihres Ex-Vereins verfolgt?
Eilers: „Ich bin immer noch mittendrin und verfolge jeden Spieltag. In Dresden habe ich noch einige Freunde und bin zum Beispiel noch eng verbunden mit Ralf Minge, Kristian Walter oder Henry Buschmann, zu denen ich Kontakt halte. Ich wünsche dem Verein auf jeden Fall alles Gute.“

Sie sind also informiert: Was trauen Sie Dynamo in dieser Saison zu?
Eilers: „Ich wünsche ihnen, dass sie nicht so zittern müssen, wie im letzten Jahr. Ein einstelliger Tabellenplatz ist realistisch. Im Fußball ist aber vieles möglich. Wenn man lange genug oben dran bleibt und auch die engen Duelle für sich entscheidet – und das Publikum haben sie dafür – wer weiß, wie lange es oben spannend bleibt.“

Nachdem Sie Dresden verließen, hatten Sie in Bremen mit schweren Verletzungen zu kämpfen. Wie geht es Ihnen momentan?
Eilers: „Momentan geht es mir wieder etwas besser. Ich habe die letzten zwei Jahre ja quasi kaum gespielt. Es war ein absolutes Horror-Szenario für mich. Als Fußballer ist es schwierig, nach zwei erfolgreichen Jahren wie in Dresden dann die komplette Kehrseite kennenzulernen.

Dieser Lohn, in der Bundesliga spielen zu können, den ich mir erarbeitet habe, wurde mir durch die Verletzungen geraubt. Das ist im Nachhinein sehr schade, aber lässt sich nicht rückgängig machen.“

Justin Eilers im Training des SV Werder Bremen

„Schlimmer kann man sich das nicht vorstellen“. Eilers´ (liegend) Zeit in Bremen wird von schweren Verletzungen begleitet. ©Imago/Nordphoto

Wie schafften Sie es, in dieser schweren Phase nicht den Mut zu verlieren?
Eilers: „Es ist vom Kopf her sehr schwer, du musst mental stark sein. Es ist wichtig, dass die Familie und deine Freunde dich unterstützen. Außerdem muss man sich selbst beim Aufstehen Ziele setzen.

Trotzdem war es teilweise sehr schwierig, zumal ich nach der ersten großen Verletzung das Gefühl hatte, dass ich rankomme. Dann reißt vor der zweiten Saison mein Kreuzband. Schlimmer kann man sich das nicht vorstellen. Man muss immer positiv bleiben, aber das ist nicht immer leicht.“

„ Mit Bremen ist im oberen Drittel zu rechnen. ”
über seinen Ex-Klub Werder

Ihr Ex-Klub Werder ist gut in die Bundesliga-Saison gestartet. Ist für die Bremer in dieser Saison der ersehnte Europacup-Platz drin?
Eilers: „Unabhängig davon, dass ich in Bremen lange verletzt war, hatte ich dort eine tolle Erfahrung. Bremen hat jetzt mit Florian Kohfeldt einen super Trainer, der sowohl menschlich als auch taktisch sehr versiert ist. Das sieht man auch an der Spielweise der Mannschaft.

Ich glaube, dass dieses Jahr mit Bremen im oberen Drittel zu rechnen ist. Ich würde mir wünschen, dass sie es in die Europa League schaffen. Für die Champions League wäre es noch zu früh. Nichtsdestotrotz müssen sie dieses Mal konstant bleiben. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass sie in diesem Jahr ihren Weg machen.“  

Sie haben gerade Florian Kohfeldt angesprochen, den Sie speziell noch von der zweiten Mannschaft des SVW kennen. Was zeichnet ihn genau aus?
Eilers: „Dieses Feingefühl als Trainer und die menschliche Art, mit den Spielern umzugehen. Ob das ein Stammspieler ist oder einer, der hinten dran ist. Dieses Gleichgewicht zu finden, ist sehr wichtig. Seine Art und Weise, sein Spielstil, was er verkörpert: Das hat alles Hand und Fuß. Als Spieler nimmt man etwas leichter und besser an, wenn das in einer Art und Weise rüber gebracht wird, wie es Kohfeldt macht. Von daher hat Bremen einen guten Trainer im Moment.“

Denken Sie an eine Rückkehr nach Deutschland, nach Ende Ihres Vertrages (bis 2019)?
Eilers: „Ich habe bewusst für ein Jahr hier in Griechenland unterschrieben, um etwas Neues auszuprobieren und einen neuen Weg einzuschlagen. Dadurch habe ich mir erhofft, dass sich wieder andere Optionen ergeben.

So weit in die Zukunft will ich jetzt aber gar nicht schauen. Ich kann mir schon vorstellen, nach diesem Jahr nach Deutschland zurückzukehren. Aber das wird sich alles zeigen. Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf meinen aktuellen Verein.“

Herr Eilers, vielen Dank für das Gespräch!

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