Karlsruher SC: Interview mit Oliver Kreuzer

"Es wird in der 2. Liga für niemanden einfach"

Oliver Kreuzer als Sportdirektor des KSC

Selbstbewusst zurück in Liga zwei: Der KSC mit Sportdirektor OIiver Kreuzer. ©Imago images/Kirchner-Media

Es ist vollbracht: Dem Karlsruher SC gelang im zweiten Anlauf die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Sportdirektor Oliver Kreuzer spricht im Interview mit Liga-Zwei.de über den Erfolgsschlüssel, die Personalplanungen für die 2. Bundesliga, aber auch über die allgemeinen Kräfteverhältnisse im Fußball-Unterhaus, seinen Ex-Verein Hamburger SV und den Videobeweis.

Herr Kreuzer, vor einem Jahr hat der Karlsruher SC den Aufstieg über die Relegation noch knapp verpasst. Was war der Schlüssel dafür, dass es trotz eines schwierigen Saisonstarts nun im zweiten Anlauf geklappt hat?
Oliver Kreuzer: „Wir waren konstant und haben gerade am Ende der Saison die wichtigen Spiele gewonnen. In der 3. Liga braucht man über 38 Spieltage einen langen Atem. Die Mannschaft wollte unbedingt aufsteigen. Das hat man in jeder Phase gespürt.“

Der KSC hat einen der ältesten Kader der 3. Liga und somit viele erfahrene Spieler. War das in den Stresssituationen ein Vorteil?
Kreuzer: „Ja, auch das. Bereits in der Vorsaison, als wir den Relegationsplatz erreicht haben, hat die Mannschaft nach einem schwierigen Saisonstart mit ihrer Erfahrung etwas Außergewöhnliches geleistet. Leider sind wir dann am FC Erzgebirge Aue gescheitert.

Danach haben wir einige wichtige Spieler, unter anderem unseren Top-Torjäger Fabian Schleusener, verloren. Dennoch ist die Achse zusammengeblieben. Zudem hatten wir mit unseren neuen Spielern ein glückliches Händchen, vor allem mit Marvin Pourié, der über sich hinausgewachsen ist.“

Unsere Mannschaft ist nicht zu alt. (über erfahrene Spieler im Kader)

Spieler wie David Pisot, Daniel Gordon oder Anton Fink haben die 30 Jahre längst überschritten. Kann man den altersbedingten Umbruch noch ein paar Jahre vor sich herschieben oder muss dieser bald kommen?
Kreuzer: „Diesen Prozess gibt es in jedem Verein. Ich denke, dass unsere Mannschaft von der Altersstruktur gut zusammenpasst. Natürlich ist ein Gordon mit seinen 34 Jahren nicht mehr der Jüngste, Pisot ist 31, Marc Lorenz ist 30, Fink ist 31.

Aber ich würde bei niemandem mit 30 oder 31 Jahren sagen, dass er jetzt keine 2. Bundesliga mehr spielen kann. Natürlich muss man immer vorausblicken und zum richtigen Zeitpunkt Alternativen schaffen. Für die kommende Saison ist unsere Mannschaft aber nicht zu alt. Im Gegenteil: Körperlich sind wir gut in Schuss.“   

Fast alle Spieler des 26 Spieler umfassenden Kaders haben über die Saison hinaus einen Vertrag. Bislang wurden noch keine Transfers getätigt. Wird der Verein mit einem fast unveränderten Kader in die neue Saison gehen?
Kreuzer: „Ich glaube nach wie vor an das Entwicklungspotential dieser Mannschaft. Aber es ist völlig normal, dass uns einige Spieler verlassen werden und wir uns auch auf einigen Positionen umschauen.“

Vor allem für die Offensive?
Kreuzer: „Ja, wir schauen in jedem Mannschaftsteil, dass wir noch Qualität dazubekommen.

Fabian Schleusener gilt laut Zeitungsberichten als Kandidat für eine Rückkehr nach Karlsruhe, hat sich aber das Schienbein gebrochen und wird noch einige Monate ausfallen. Ist diese Personalie trotzdem weiterhin von Interesse?
Kreuzer: „Sie wissen doch, wie das ist: Keine Personalpolitik mit Journalisten (lacht). Aber er ist natürlich ein interessanter Spieler.“

Oliver Kreuzer und Alois Schwartz jubeln über den Aufstieg des KSC

Jubelstimmung nach dem Aufstieg: Oliver Kreuzer (l.) mit KSC-Trainer Alois Schwartz. ©Imago images/Kirchner-Media

Dominik Stroh-Engel hat in der gesamten Saison in der Liga nur eine Minute gespielt, sein Vertrag hat sich aufgrund des Aufstiegs aber verlängert. Planen Sie für die kommende Saison mit ihm oder suchen Sie eine andere Lösung?
Kreuzer: „Dodo hat einen bestehenden Vertrag und den respektieren wir. Aber natürlich ist es in unserem und wohl auch in seinem Sinne, dass wir eine gemeinsame Lösung finden. Ich glaube nicht, dass es ihm Spaß bereitet, jeden Tag beim KSC zu trainieren und beim Trainer eigentlich keine Rolle zu spielen.

Mit seinen 32 Jahren ist er sportlich noch sehr ambitioniert, hat die letzten eineinhalb Jahre aber wenig gespielt. Ich schätze, dass er gerne noch einmal dort die Fußballschuhe schnüren möchte, wo er die entsprechende Wertschätzung erhält. Es wird jedenfalls ein Gespräch geben.“

Das ist eine gute Nachricht. (über den Videobeweis in der 2. Liga)

Blicken wir auf die Spielzeit 2019/2020 voraus: Geht es kommende Saison für den KSC einzig und allein um den Klassenerhalt oder machen Beispiele wie Holstein Kiel und jetzt SC Paderborn Hoffnung, dass für einen Aufsteiger auch mehr möglich ist?
Kreuzer: „Natürlich ist so etwas wünschenswert. Ich finde es herausragend, dass der SC Paderborn jetzt praktisch schon zum zweiten Mal den Durchmarsch macht, zwischenzeitlich aber auch fast ein Viertligist war. Das sind schöne Erfolgsgeschichten.

Aber normalerweise ist der Wettbewerb nach oben wie nach unten so umkämpft, dass ich sage: Wenn der KSC auch in der Saison 2020 / 2021 weiterhin in der 2. Bundesliga spielt, würde ich das unterschreiben.“

Ab der kommenden Saison wird es nun auch in der 2. Bundesliga den Videobeweis geben. Ist das eine gute oder schlechte Nachricht?
Kreuzer: „Ich finde, das ist eine gute Nachricht. Ich finde die Videotechnologie und auch die Torlinientechnologie gut. Das menschliche Auge kann nun einmal nicht alles sehen. Die großen Entscheidungen müssen korrekt sein. Eigentlich sind die Fernsehbilder auch meist eindeutig. Leider war es oft so, dass in Köln der Videoschiedsrichter schläfrig war.

Daran muss gearbeitet werden. Wenn ich höre, dass Günter Perl das klare Handspiel im Spiel zwischen Hertha und dem VfB Stuttgart übersehen hat, weil er gerade mit etwas anderem beschäftigt war, ist das unglaublich. Das darf nicht passieren.“

Der Trikot vom HSV wiegt in der 2.Bundesliga weitaus schwerer. (über seinen Ex-Verein)

Sie werden in der 2. Bundesliga auch auf Ihren Ex-Verein Hamburger SV treffen, der den geplanten Wiederaufstieg verpasst hat. Sie waren in der Saison 2013 / 2014 beim HSV als Sportdirektor beschäftigt. Wie sehr überrascht Sie die Entwicklung in Hamburg?
Kreuzer: „Grundsätzlich freue ich mich immer auf Spiele gegen den HSV. Auch wenn die 14 Monate dort schwierig waren, ist das eine tolle Zeit gewesen. Ich bin noch immer HSV-Fan, weil das ein toller Club ist. Dass der Absturz in der Rückrunde so eklatant war, ist natürlich überraschend gewesen.

Ich kann es mir nur so erklären, dass die Mannschaft einerseits nicht so gut war wie sie vor der Saison gesehen wurde. Zudem ist das eine relativ junge Mannschaft. Diesem Druck, der unter dieser Glocke Volksparkstadion herrscht, konnte diese junge Mannschaft nicht standhalten.

Der eine oder andere Führungsspieler hat gefehlt. Ich weiß aus eigener Erfahrung: das Stadion, der Verein, die Stadt, die Fans – dadurch entsteht ein unheimlicher Druck. Der war für die Mannschaft zu groß. Letztendlich haben sie den Aufstieg in den vergangenen vier Heimspielen verspielt.“

Ist der Druck in Hamburg denn wirklich so viel größer als in anderen Städten?
Kreuzer: „Ja, das ist wirklich so, glauben Sie es mir. Das Trikot vom HSV wiegt in der 2. Bundesliga weitaus schwerer als das von Greuther Fürth oder sogar Paderborn. Paderborn fliegt durch die Liga, die spielen fröhlich ihren Fußball. Wenn es gut läuft, ist das super. Wenn nicht, auch gut, wir sind eben Paderborn. Aber Hamburg ist eine andere Hausnummer.

Das war hier in Karlsruhe in der 3. Liga ähnlich. Wir sind auch ein Traditionsverein: Das Trikot vom KSC wiegt in dieser Spielklasse viel schwerer als das von Großaspach oder Rostock. In Hamburg kommt noch hinzu, dass die medialen Randerscheinungen größer sind. Du hast jeden Tag die Morgenpost, die Bild und das Abendblatt vor Ort.“

Uns erwartet eine spannende Zweitliga-Saison. (über die nächste Spielzeit)

Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg stehen als Bundesliga-Absteiger fest. Der KSC und der VfL Osnabrück gehen hoch. Gehen wir einfach einmal davon aus, der VfB Stuttgart kann den Abstieg über die Relegation vermeiden. Erwarten Sie dann eine ausgeglichene 2. Liga oder gibt es Ihrer Meinung nach Top-Favoriten?
Kreuzer: „Es wird für niemanden einfach. Selbst Mannschaften wie Heidenheim oder auch Regensburg entwickeln sich. Klar könnte man sagen: Der HSV hat nächste Saison ein Budget von 25 Millionen Euro, Vereine wie Regensburg haben vielleicht neun oder zehn Millionen – da müsste Hamburg vorne mitspielen. Aber die anderen Vereine haben auch gute Trainer, die nehmen auch eine gute Entwicklung. Von daher sage ich nicht, dass der HSV, Hannover 96 oder Nürnberg sicher wieder aufsteigen.

Die Absteiger werden sicherlich den Wiederaufstieg anstreben…
Kreuzer: „Natürlich wird das deren Ziel sein. Aber auch da bleibt abzuwarten, wie sich die Mannschaften entwickeln. Welche Spieler werden gehalten? Welche Spieler kommen neu hinzu? Um in dieser 2. Bundesliga vorne zu landen, muss alles passen. Einfach wird das nicht. Uns erwartet eine spannende Zweitliga-Saison – und zwar in allen Bereichen.

Herr Kreuzer, vielen Dank für das Gespräch!

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