St. Pauli vs Kiel: Der schwere Gang des André Schubert

Störche-Trainer gastiert beim Ex-Klub

André Schubert als Trainer des FC St Pauli

Engagiert, aber letztlich glücklos: André Schubert als Trainer des FC St. Pauli. ©Imago images/Alfred Harder

Es war Ende September. Sechs Spiele waren erst gespielt, doch es ruckelte tüchtig im Spiel des FC St. Pauli. Rolf-Peter „Buttje“ Rosenfeld war von Mitte der 1970-ziger Jahre an selbst in der Verteidigung der Kiezkicker aktiv, rund 200-mal in der 1. und 2. Bundesliga. Und da er danach bei der Hamburger Morgenpost als St. Pauli-Reporter einstieg, entging ihm eigentlich nichts am Millerntor.

Plötzliche Entlassung

Doch an diesem 25. September 2012 ist auch Buttje Rosenfeld einmal so richtig überrascht worden von den Entwicklungen im Kiez-Klubs. Gewiss war immer wieder erzählt worden, dass es im zwischenmenschlichen Bereich Knackpunkte geben würde im Innenverhältnis der Pauli-Kicker mit ihrem Trainer.

Und gewiss hatte das Team noch nicht so recht Fahrt aufgenommen in der Startphase dieser Spielzeit. Und ja: Eine Heimpleite gegen den eher bieder daherkommenden VfR Aalen war auch nicht dem Geschmack der verlässlich wohlwollenden Anhängerschaft. Doch es waren nun erst sechs Spiele absolviert und André Schubert, dem Trainer am Millerntor, hatten sie, die damaligen Verantwortlichen, doch diese „neue Chance“, eingeräumt und zugesagt.

Doch dann kamen Buttje Rosenfeld und alle anderen eingeladenen Medienvertreter ins Stadion, um zu erfahren: Schubert ist raus. Raus nach einer Spielzeit und nur sechs weiteren Auftritten der aktuellen Saison.

Verunsichert?!

Die Gründe damals wurden recht offen transportiert. Wir lesen nach bei Buttje Rosenfeld einen Tag später: Jens Duve, wie Rosenfeld selbst Ex-Profi am Millerntor, hatte damals als Klub-Vize die sportliche Hauptverantwortung. Er sprach Klartext: „Wir sehen die Entwicklung seit Jahresbeginn. Wir haben keine Weiter-, sondern eher eine Rückwärtsentwicklung erkannt.“

Bum ! Man hörte es krachen.

Rachid Azzouzi war damals gerade sportlicher Leiter dort und als Nachfolger von Helmut Schulte, der Schubert ein Jahr zuvor nach Hamburg geholt hatte, offenbar um Profil bemüht. Azzouzi wurde damals in der Hamburger Morgenpost so zitiert: „Ich hatte das Gefühl, die Stimmung war vorbelastet. Wir brauchen wieder ein komplettes Miteinander. Wenn man bei der Mannschaft Verunsicherung und Ängstlichkeit feststellt, dann muss man frühestmöglich die Reißleine ziehen.“

Rums!

Die Erinnerungen daran, mit welcher Konsequenz damals getadelt und gehandelt wurde, könnten aktuell in beiden Lagern Unbehaglichkeiten auslösen. Sowohl Jos Luhukay beim FC St. Pauli, als auch André Schubert in Kiel stoßen in ihren neuen Aktionsfeldern auf unüberseh- und unüberhörbare Unrundungen und Widrigkeiten. Luhukay ging wiederholt mit emotionalen Attacke-Statements über seine Spieler an die Öffentlichkeit, Schuberts Startschwierigkeiten in Kiel bleiben im Verborgenen. Doch verstummen wollen sie auch dort nicht.

Rachid Azzouzi und Andre Schubert

Die Zusammenarbeit zwischen Rachid Azzouzi (l.) und André Schubert blieb kurz. ©Imago images/Revierfoto

Damals, vor sieben Jahren, hat Buttje Rosenfeld eine bemerkenswerte These darüber aufgestellt, warum es Schubert bei St. Pauli so schwer hatte und letztlich auch daran ein Stückweit scheiterte. „Schubert ist auch am übermächtigen Schatten seines Vorgängers Holger Stanislawski und seiner Andersartigkeit gescheitert“, schrieb der Insider damals in der „Mopo“.

Ähnliche Lage

Auch bei Holstein Kiel hatte Schubert einen Vorgänger voller Intensität und mit starkem Charisma: Tim Walter. Der erklärte Antriebsfußball in allen Positionen, vom Torwart bis zum Linksaußen, zum Pflichtprogramm. Das begeisterte die Liga, die Holstein-Fans und die Mannschaft – auch wenn der eine oder andere Punkt durch so manch schlüpfriges Loch im Abwehrverbund entwich. Doch derlei Wagemut, derlei Kreativität und steter Mut zur Aktion prägt ein Team. Wenn es danach wieder zu bieder wird, entsteht ein Kulturschock.

Damals bei Pauli schien sich Schubert durchaus anfreunden zu können mit der Einschätzung, Stani sei seine große Last gewesen. Bei seinem Journalisten-Tschüss sagt er zum Reporter Rosenfeld: „Ich hatte immer das Gefühl, dass man eine Kopie wollte – und die mochte ich nicht sein.“ Schubert muss auch heute keine Kopie sein. Nur offen muss er sein, Gespür dafür entwickeln, wer sein Feedback braucht und daran wachsen könnte.

Nun also steht am Montagabend sein schwerer Gang zurück ans Millerntor bevor. Es ist die erste Begegnung mit diesem Teil seiner Vergangenheit als Trainer ohne Vertrauen für eine Dauerpräsenz. Und Buttje Rosenfeld wird übrigens auch wieder im Stadion sein und genau hinschauen…

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