SV Sandhausen: Interview mit Dennis Diekmeier

"Das Ziel ist der direkte Klassenerhalt"

Dennis Diekmeier im Spiel gegen St. Pauli

Übernimmt als Vize-Kapitän Verantwortung beim SV Sandhausen: Dennis Diekmeier. ©Imago/foto2press

Dorf statt Großstadt, Sandhausen statt Hamburg. Acht Jahre hat Dennis Diekmeier beim Hamburger SV in der Bundesliga gespielt. Seit Januar steht er beim SV Sandhausen unter Vertrag.

Im Interview mit Liga-Zwei.de spricht er über das Fußballer-Dasein auf dem Dorf, seinen Ex-Verein Hamburger SV und seine Erfahrungen im Abstiegskampf.

Herr Diekmeier, letzte Saison haben Sie noch den Abstiegskampf in der Medienstadt Hamburg miterlebt, nun sind Sie in der 15.000-Einwohner-Gemeinde Sandhausen. Fühlt sich das wie eine komplett andere Welt an?
Dennis Diekmeier: „Natürlich ist das hier etwas Anderes. Hamburg ist eine Medienstadt. Dort ist viel mehr los. Aber ich genieße das Leben in Sandhausen total. Ich spiele gerne für diesen Verein.

Hier kann man sich total auf den Fußball fokussieren, weil es kein so mediales Umfeld gibt. Auch beim Training sind längst nicht so viele Zuschauer wie in Hamburg. Das hat alles seine positiven und negativen Seiten.“

Was sind die negativen Seiten?
Diekmeier: „Wenn wir zu Hause spielen und im Spiel gegen Aue nur 5.000 Zuschauer kommen, ist das natürlich nicht so schön. Ich liebe es, vor einem vollen Haus zu spielen und die Leute mitzunehmen. Das ist mein Spiel. Im letzten Heimspiel gegen den FC St. Pauli waren immerhin über 10.000 Zuschauer hier. Das ist dann natürlich geiler.“ 

Für mich war Sandhausen kein Kulturschock. (über den Wechsel von Hamburg in die Kurpfalz)

Mögen Sie persönlich das Leben auf dem Dorf?
Diekmeier: „Ich liebe das dörfliche Leben. Ich bin selber in einem Dorf aufgewachsen. Als ich beim HSV spielte, habe ich mit meiner Familie ebenfalls etwas außerhalb der Stadt gewohnt. Für mich war Sandhausen also kein Kulturschock.“

Leben Sie direkt in Sandhausen?
Diekmeier: „Nein, ich wohne einen Ort nebenan in Wiesloch.“ 

Mit zwei Siegen in Folge scheint sich der SV Sandhausen plötzlich auf der Erfolgsspur zu befinden. Wo liegen die Gründe dafür?
Diekmeier: „Wir spielen die gesamte Rückrunde schon einen sehr ordentlichen Fußball, haben nur leider oft nicht gepunktet. Wir hätten auch beim HSV, bei Union oder in Köln etwas mitnehmen können. Viel hat nicht gefehlt. Das Trainerteam hat an kleinen Stellschrauben gedreht, damit wir uns belohnen. Wir müssen nun genauso weiterarbeiten.“

Es war von Anfang an klar, dass ich meine Erfahrung und meine Spielart hier einbringe. (über die Erwartungshaltung an ihn)

Sonntag steht nun das Spiel beim Tabellen-Schlusslicht FC Ingolstadt an. Ein Sieg wäre ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt, oder?
Diekmeier: „Mit einem Sieg könnten wir uns einen kleinen Vorsprung erspielen. Das ist ein sehr wichtiges Spiel. Aber das trifft momentan auf alle Spiele zu.“ 

Hilft es Ihnen nun in Sandhausen, beim Hamburger SV reichlich Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt zu haben?
Diekmeier: „Ja. Es war von Anfang an klar, dass ich meine Erfahrung und meine Spielart hier einbringe. Wichtig ist, dass eine Mannschaft im Abstiegskampf nicht zerfällt. Das ist das A und O. Ansonsten ist man ganz schnell abgeschrieben. Aber das klappt hier sehr gut. Wir haben eine gute Mannschaft und eine gute Stimmung. Jeder ist für den anderen da.

Und wenn jeder für den anderen kämpft, wird das positiv ausgehen. Das hat sich auch in den siegreichen Spielen gegen St. Pauli und Magdeburg gezeigt. War der eine Spieler ausgespielt, war der andere zur Stelle und gewann den Zweikampf für ihn. So muss das sein.“

Es ist mein oberstes Ziel, dass ich mit diesem tollen Verein in der 2. Bundesliga bleibe. (über seine Ambitionen mit dem SVS)

Diekmeier: „Ist der Druck im Abstiegskampf in Sandhausen dennoch geringer als in Hamburg?
Diekmeier: „Natürlich war der Druck in Hamburg aufgrund der Medien größer. Nichtsdestotrotz will ich hier genauso wenig absteigen wie früher mit dem HSV. Es ist mein oberstes Ziel, dass ich mit diesem tollen Verein in der 2. Bundesliga bleibe.“ 

Bei Ihrer Erfahrung aus vier erfolgreichen Relegationen mit Hamburg und Nürnberg dürfte Ihnen vor einer möglichen Relegation nicht bange sein, oder?
Diekmeier: „Nein, mir ist sicherlich nicht bange davor. Ich habe das vier Mal gepackt und würde das auch ein fünftes Mal packen. Aber das Ziel ist der direkte Klassenerhalt.“ 

Ich blicke nicht zurück. (über die Entscheidung, nicht beim HSV zu verlängern)

Sie waren ein halbes Jahr vereinslos, bevor Sie dann in Sandhausen unterschrieben haben. Wie sah in dieser Zeit Ihr Tagesablauf aus?
Diekmeier: „Das war ein schwieriges halbes Jahr für mich. Ich wusste: Ich bin fit und heiß, kann jeder Mannschaft weiterhelfen. Ich habe trotzdem versucht, so gut wie möglich zu arbeiten. Ich war in einem Trainingscamp auf Mallorca, habe Höhentraining in Österreich gemacht, habe zu Hause in Hamburg mit einem Privattrainer zwei bis drei Mal die Woche auf dem Platz trainiert, war ansonsten jeden Tag im Fitnessstudio. Daher bin ich nun fit und konnte alle Spiele über 90 Minuten bestreiten.“ 

Haben Sie damals bereut, nicht doch den Vertrag beim Hamburger SV verlängert zu haben?
Diekmeier: „Ich blicke nicht zurück. Momentan bin ich überglücklich hier in Sandhausen.“

Wie sehen Sie die Situation bei Ihrem Ex-Verein, der unbedingt in die Bundesliga zurückkehren möchte? Nach dem Derby-Sieg gegen St. Pauli herrschte die pure Euphorie, nach dem 2:3 gegen den SV Darmstadt hingegen ist Weltuntergangsstimmung ausgebrochen.
Diekmeier: „Das kennt man aus Hamburg: eine Woche so, eine Woche so. Ich bin mir aber sicher, dass die Mannschaft die Situation intern richtig bewertet. Die Mannschaft ist stark genug und wird direkt aufsteigen.“ 

Dana und Dennis Diekmeier.

Gewährten der Öffentlichkeit einen Einblick in ihr Privatleben: Dana und Dennis Diekmeier. ©Imago/Future Image

Ihre Familie ist nicht mit nach Sandhausen gezogen. Sie leben nun rund 600 Kilometer von Frau und Kindern entfernt. Wie schwierig ist es, Sport und Familie unter einen Hut zu bringen?
Diekmeier: „Das geht irgendwie. Ich bin immer ein bis zwei Tage pro Woche in Hamburg. Und wenn ich es einmal nicht schaffe, kommt meine Familie hierher. Das klappt sehr gut.“ 

Laut Promiflash soll Ihre Frau gesagt haben, dass man die nächste Saison wieder zusammen an einem Ort leben möchte, man wisse aber noch nicht, wo Ihr sportlicher Weg hinführen wird. Planen Sie die Saison 2019/20 also nicht zwingend in Sandhausen?
Diekmeier: „Doch, natürlich. Ich habe hier einen Vertrag für eineinhalb Jahre unterschrieben. Dieser gilt aber nur für die 1. und 2. Bundesliga. Würden wir absteigen, müsste man sich natürlich Gedanken machen. Aber daran denke ich überhaupt nicht. Wir wollen unbedingt die Klasse halten.“ 

Viele Fußballprofis halten ihr Privatleben sehr geheim. Ihr Leben mit der Familie hingegen findet sehr in der Öffentlichkeit statt. Selbst Ihre Frau hat über 13.000 Follower bei Instagram. Sie haben eine Home-Story für das Promi-Magazin red gemacht. War das irgendwann eine Grundsatzentscheidung bei Ihnen und Ihrer Frau, dass Sie Ihr Leben öffentlich leben?
Diekmeier: „Es gab relativ früh viele Anfragen von den Medien, weil man uns interessant fand. Wir sind eine Großfamilie mit vier Kindern, meine Frau und ich sind beide tätowiert, beide etwas durchgeknallt. Dann spiele ich halt auch noch Fußball, was für viele interessant ist. Wir hatten da einfach Bock drauf. Wichtig war aber, dass der Fußball nie darunter leidet. Der Sport ist das A und O.“

Herr Diekmeier, vielen Dank für das Gespräch!

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