HSV: Die Vision Kinsombi und ihre Risiken

Nach zwei Liga-Siegen kann Kiel auch Transfergeschäft mit HSV als Erfolg verbuchen

David Kinsombi von Holstein Kiel

Wird in der neuen Saison für den HSV auflaufen: David Kinsombi wechselt von Holstein Kiel zu den Rothosen. ©imago images/Claus Bergmann

Mit versteinerter Miene hatte sich Hannes Wolf direkt mit dem Schlusspfiff vom eben Erlebten abgewandt und im Geschwindschritt schnurstracks Kurs in Richtung Kabinengang genommen, um dort zu verschwinden und mit all seinem Groll unsichtbar zu sein. Dieses eben erlebte Matchfinale mit der neuerlichen Pleite im eigenen prallgefüllten Stadion gegen die bissigen Abstiegskämpfer aus Magdeburg hatte das sonst stets so strapazierfähige Charakter-Portfolio des Hamburger Trainers aus Achtsamkeit, Freundlichkeit und  Verständnis in diesem Moment aufgebraucht.

Rekordeinnahme für Holstein Kiel

Kein Zweifel: Die aktuelle Instabilität auf dem Spielfeld setzt dem zur Bundesliga-Rückkehr verpflichteten HSV mittlerweile  schwer zu. Die neuen Fragezeichen hinter der Zukunft dieses Vereins dürfen keineswegs lähmen. Vielmehr müssen sie wachrütteln – so jedenfalls handelt Ralf Becker, der Fußballchef des HSV, und setzt nun im Eiltempo auf zukunftsweisende Signale von außen.

Nach Gyamerah (Bochum) und Dudziak (St.Pauli) hat er – getrieben von zunehmenden sportlichen Rückschlägen –  seinen dritten und wohl wichtigsten Neuzugang für den HSV klargemacht: David Kinsombi (23), Kapitän und Antriebskraft des Verfolgers Holstein Kiel, wechselt zur nächsten Spielzeit definitiv nach Hamburg und erhält einen Vertrag bis 2023.

Da Kinsombi noch bis 2021, also noch zwei weitere Jahre, beim aufstrebenden Nachbar vertraglich gebunden war, haben Becker und sein Kieler Amtskollege Fabian Wohlgemuth zunächst einige Positionsunterschiede ausräumen müssen. Diese nun doch rascher als vorgesehen vom Tisch zu bekommen, war Beckers Anliegen offenbar und so dürfen sich die Kieler Fußballmacher über eine neue Rekordeinnahme in ihrer Klubgeschichte freuen: Wohl rund 3,5 Millionen Euro werden im Verlauf des Jahres den Besitzer wechseln.

Risiko bei Kinsombi unübersehbar

Der Fall Kinsombi ist wohl eine der erstaunlichsten Wechselgeschichten des deutschen Fußballs. Dahinter verbirgt sich die „Vision Kinsombi“! Zweifellos eine sehr mutige Vision.

Denn: Seit der Winterpause ist der Mittelfeldspieler verletzt. Ein Bruch des Schienbeins gehört zu den schwersten Fußballerverletzungen überhaupt. Niemand auf der Welt kann garantieren, dass sich Kinsombi wirklich wieder in  seine bisherige Leistungsfähigkeit zurückarbeiten werde.

Denn: Kinsombi ist in Kiel zu einem etablierten und gewiss überdurchschnittlichen Liga2-Spieler aufgerückt, doch in der Eliteliga ist er bisher nicht angekommen und vor einigen Jahren als Jungprofi bei Eintracht Frankfurt gar durchgefallen.

Und: Der HSV ist wirtschaftlich schwer angeschlagen. Die Millionen für Kinsombi übersteigen die geplanten Transfervorgaben deutlich.

Zweimal haben die Kieler den großen HSV in der laufenden Spielzeit besiegen können und nun kann die KSV Holstein das dritte Duell beider Klubs, das Tranfergeschäft mit Kinsombi, als großen Erfolg verbuchen. Dort freilich hat sich auch mit diesem Deal an der internen Investionsrangliste mit Blick auf die hauseigene Stadionbaustelle noch nichts geändert: Zuerst wird in Steine investiert, erst dann in Beine…

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