Jahn Regensburg: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Marco Grüttner jubelt für den SSV Jahn Regensburg

Traf im Testspiel gegen Hoffenheim doppelt: Jahn-Angreifer Marco Grüttner. ©Imago images/ULMER Pressebildagentur

Nach dem bereits überraschenden Zweitliga-Aufstieg 2017 hat Jahn Regensburg nicht wenige Skeptiker zweimal Lügen gestraft. Jeweils eher zum Kreis der Abstiegskandidaten gezählt, landete der Jahn auf den Plätzen fünf und acht. Trotz der etwas schwächeren Platzierung konnte die Ausbeute von 49 Punkten zuletzt im Vergleich zur Vorsaison leicht verbessert werden.

Erfolg hat aber bekanntlich seinen Preis, sodass Regensburg nun zum zweiten Mal in Folge auf dem sommerlichen Transfermarkt viel Qualität verloren hat. Zudem folgte mit Trainer Achim Beierlorzer ein wesentlicher Faktor für das gute Abschneiden dem Ruf der Bundesliga und übernahm beim 1. FC Köln. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de blicken wir genauer auf den Jahn und darauf, ob erneut eine positive Überraschung drin ist.

Kader & Transfers

Der Aderlass beim Jahn war in dieser Sommertransferperiode sogar noch einmal größer als im Jahr zuvor. Mit Sargis Adamyan (TSG 1899 Hoffenheim) und Hamadi Al Ghaddioui (VfB Stuttgart) verließen zwei der drei besten Scorer den Verein. Ebenso wie die langjährige Nummer eins Philipp Pentke (TSG 1899 Hoffenheim), die nicht nur auf dem Spielfeld eine Lücke hinterlässt.

Nicht halten konnte der Jahn unterdessen mit Asger Sörensen (nun 1. FC Nürnberg), Maximilian Thalhammer (FC Ingolstadt), Adrian Fein (nun Hamburger SV) und Jonas Föhrenbach (nun 1. FC Heidenheim) gleich vier Leihspieler, die in Regensburg allesamt eine sehr positive Entwicklung durchlaufen haben.

Sebastian Freis (Karriereende), Haris Hyseni (SSV Ulm), Albion Vrenezi (Würzburger Kickers), André Dej (Viktoria Köln), Jonas Nietfeld (Hallescher FC), Ali Odabas (FSV Zwickau) und der bereits vergangene Saison und nun wieder verliehene Kevin Hoffmann (künftig VfR Aalen) spielten unterdessen kaum eine oder gar keine Rolle.

Die entstandenen Lücken will der Jahn mit bislang neun Neuzugänge schließen. Torwart Alexander Meyer (VfB Stuttgart) kämpft mit André Weis um die Pentke-Nachfolge, während Jan-Marc Schneider (FC St. Pauli), Andreas Albers (Viborg FF) und Erik Wekesser (FCA Walldorf) den Verlust von Adamyan und Al Ghaddioui auffangen sollen.

Die Planstelle Föhrenbachs auf der linken Abwehrseite nimmt mit Chima Okoroji (SC Freiburg) wieder ein Leihspieler ein. Alle anderen Akteure wurden aber fest verpflichtet. Auch Innenverteidiger Tim Knipping (SV Sandhausen), der von den Neuen die meiste Zweitliga-Erfahrung mitbringt und der zentrale Mittelfeldspieler Max Besuschkow (Eintracht Frankfurt).

Defensivtalent Tom Baack (VfL Bochum) und Florian Heister (TSV Steinbach), der auf der rechten Außenbahn defensiv wie offensiv eingesetzt werden kann, stehen wie auch einige andere Neuzugänge für die Philosophie, junge Spieler, gegebenenfalls auch aus niedrigeren Klassen zu holen und weiterentwickeln zu wollen. Komplettiert wird der Kader durch Vorjahresneuzugang Dominic Volkmer, der von einer halbjährigen Ausleihe zu Carl Zeiss Jena zurückgekehrt ist.

Die aktuelle Form

Beim TV Wackersdorf (20:1), beim ASV Neumarkt (8:0) und gegen den SV Schalding-Heining (1:0) hat Regensburg die ersten drei Testspiele alle gewonnen ohne durchweg zu überzeugen. Auch im vierten Test gegen Carl Zeiss Jena, der nach einem 1:3-Rückstand noch mit 4:3 gewonnen wurde, gab es Licht und Schatten.

Zuletzt blieb dann nicht nur in Sachen Leistung Luft nach oben, sondern auch die Ergebnisse stimmten nicht mehr. Nach einem 1:2 gegen die SpVgg Unterhaching unterlag der Jahn der TSG 1899 Hoffenheim trotz einer 2:0-Führung noch mit 2:3.

Die Generalprobe bestreitet der Jahn am Sonntag in Heimstetten gegen den 1. FSV Mainz 05.

Mersad Selimbegovic als Trainer des SSV Jahn Regensburg

Hat in Regensburg seit dieser Saison das Kommando: Mersad Selimbegovic. ©Imago images/Sascha Janne

Stärken & Schwächen

Von Anfang an war klar, dass es die Aufgabe, sieben aus dem Kreis der Stammelf abgewanderte Spieler zu ersetzen, in sich haben würde. Und in der Vorbereitung ist es bislang nicht oder allenfalls bedingt gelungen, den enormen Qualitätsverlust aufzufangen.

Hinzu kommt, dass durch den doch relativ weitreichenden Personalwechsel auch die Abläufe noch nicht wieder automatisiert sind und somit eine große Stärke, das geschlossene Attackieren in den Testspielen allenfalls phasenweise zu sehen war.

Gleich drei enorm torgefährliche Spieler in den eigenen Reihen zu haben, war in der vergangenen Saison sicherlich auch eine Stärke des Jahn, die nicht von ungefähr zu 55 Toren und damit den ligaweit viertmeisten führte. Mit Adamyan (15 Tore) und Al Ghaddioui (11) sind nun aber zwei dieser drei Akteure nicht mehr dabei. Viel dürfte deshalb von Marco Grüttner (12) abhängen, der indes im Herbst schon 34 Jahre alt wird. Ob der Kapitän das zuletzt gezeigte Level halten kann, bleibt daher abzuwarten.

Hoffnung macht immerhin, dass Marcel Correia und Sebastian Nachreiner in der Innenverteidigung sowie Andreas Geipl davor auf der Doppelsechs ein eingespieltes Defensivtrio bilden, das auch noch den etablierten Rechtsverteidiger Benedikt Saller an seiner Seite weiß.

Der Trainer

Ohne großes Aufhebens hat Jahn Regensburg den bisherigen Co-Trainer Mersad Selimbegović zum neuen Chefcoach ernannt. Der 37-Jährige, der zwischen 2006 und 2012 für den Jahn spielte und danach im Verein als Assistenz- sowie zwischenzeitlich auch als U19-Trainer fungierte, genießt aufgrund seiner Vergangenheit und seine Bindung an den Klub im Umfeld und bei den Fans große Wertschätzung.

Selimbegović, der nun erstmals als Chef in der Verantwortung steht, wird weiterhin auf das unter Vorgänger Beierlorzer bewährte 4-4-2 respektive 4-2-2-2 bauen und auch an der grundsätzliche Spielanlage mit einem eher einfachen Aufbau und ebenso frühem wie aggressivem Pressing keine größen Änderungen vornehmen.

Die mögliche Startelf

Mit Marcel Correia in der Innenverteidigung, Andreas Geipl im zentralen Mittelfeld und Marco Grüttner im Angriff ist eine zentrale Achse erhalten geblieben, um die herum sich eine neue, funktionierende Mannschaft finden muss.

Dabei ist die Besetzung einiger Positionen beginnend mit dem Tor noch offen. Auf dem Papier sind durchaus einige Möglichkeiten vorhanden, doch einige der Neuen müssen ihre Zweitliga-Tauglichkeit erst noch nachweisen.

Die mögliche Startelf: Meyer – Saller, Nachreiner, Correia, Okoroji – Geipl, Besuschkow – Stolze, George – Grüttner, Schneider

Fazit & Prognose

Auch dieses Mal kommt man nicht umhin, Jahn Regensburg eine schwierige Saison zu prognostizieren. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass es auch unter Coach Selimbegović gelingt, die Erwartungen deutlich zu übertreffen, doch realistischerweise geht es für den gegen den Abstieg. Mit der in den letzten Jahren gezeigten Mentalität kann der Klassenerhalt aber gelingen.