Jonas Meffert: „Wäre möglich gewesen, gegen Stuttgart weiterzukommen“

Meffert sprach über das DFB-Pokalspiel gegen Stuttgart und die schwierige Situation von Holstein Kiel in der Liga

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Donnerstag, 05.02.26 | 07:12

Foto: imago / Marco Steinbrenner DeFodi Images

Holstein Kiel hat im DFB-Pokalviertelfinale gegen den VfB Stuttgart ein gutes Spiel abgeliefert, aber dennoch mit 0:3 verloren. Mittelfeldspieler Jonas Meffert sprach danach mit LIGA-ZWEI.DE über das Pokalspiel und die schwierige Situation in der Liga.

Herr Meffert, Sie haben eigentlich ein ganz gutes Spiel gemacht. Wieder einmal müssen wir aber über die Chancenverwertung reden, oder?

Ich sehe das genauso. Heute war es definitiv möglich, weiterzukommen. Wir hatten genügend Chancen – es ist echt sehr, sehr schade, weil es machbar war. Es lag nicht an den Stuttgartern, dass wir es nicht geschafft haben, sondern an uns.

Gerade in der achten und elften Minute hatten Sie riesige Möglichkeiten. Tut man sich im Nachhinein schwer, wenn man solche Chancen liegen lässt?

Es ist definitiv schwer, dann gegen so eine gute Mannschaft weiterzukommen. Man braucht einfach das Quäntchen Glück an so einem Tag. Vielleicht auch ein bisschen mehr Ruhe beim Abschluss – dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Uns hat heute ein bisschen das Spielglück gefehlt, deshalb haben wir es leider nicht geschafft. Sehr, sehr schade. Es war wirklich eine Riesenchance für uns.

In der ersten Halbzeit lief vieles nach Plan – gute Konter, viel Tempo. Nach der Pause war das Spiel anders. Woran lag das?

Ich fand es gar nicht so extrem unterschiedlich. Der Freistoßtreffer war wahrscheinlich ein Foul, vielleicht auch nicht – aber das zeigt eben die Qualität der Stuttgarter, dass sie Standards nutzen. In der ersten Halbzeit hatte man eher das Gefühl, dass Stuttgart ein Tor machen könnte – in der 2. Halbzeit weniger – bis auf die Konter am Ende, die für mich aber nicht entscheidend waren. In der 2. Halbzeit hatten wir selbst nicht mehr viele Chancen, und man hat gemerkt, dass der Respekt der Stuttgarter größer wurde.

Was nehmen Sie aus diesem Pokalspiel mit – auch im Hinblick auf das kommende Ligaspiel in Hannover?

Das ist natürlich ein ganz anderes Spiel, schwer zu vergleichen. Aber ich finde, dass heute alle überragend gespielt haben. Jeder war hellwach, keiner hat unnötige Fehler gemacht. Alle wollten den Ball, alle wollten Zweikämpfe gewinnen – dieses Mindset sollten wir auf jeden Fall mitnehmen.

Thema Chancenverwertung noch einmal – auch in der Liga war das zuletzt ein Thema. Kann man daran überhaupt arbeiten?

Ich finde, wichtig ist zunächst, dass wir überhaupt die Chancen haben – vor allem gegen so einen Gegner. Daran können wir natürlich arbeiten. Und manchmal ist es wie bei der Ketchupflasche: Wenn es einmal läuft, dann läuft’s. Vielleicht müssen wir uns das einfach noch ein bisschen mehr erarbeiten – dann klappt’s auch besser.

Sie kennen das Problem, denn in der Hinrunde hatten Sie mit dem Hamburger SV das gleiche Thema…

Ich bin erstmal froh, dass wir viele Chancen haben – das ist das Entscheidende. Tore sind natürlich noch wichtiger, aber ohne Chancen gibt’s eben keine Tore. Ich sehe, wie die Jungs nach dem Training draußen bleiben und weiter an den Abschlüssen arbeiten. Man sollte das Thema aber nicht überbewerten – die Torhüter haben heute stark gehalten, manchmal fehlte auch einfach das letzte Quäntchen. Wenn man es zu sehr thematisiert, blockiert es irgendwann.

In der Liga wartet jetzt wieder ein schweres Spiel. Sehen Sie die Gefahr, dass man trotz ordentlicher Leistungen unten reinrutscht?

Das Spiel gegen Fürth war einfach dämlich, kann man so sagen. Das macht es jetzt schwieriger. Am Sonntag spielen wir auswärts gegen einen sehr starken Gegner – das wird hart. Da geht’s darum, wieder alles reinzuhauen wie heute. Dann schauen wir, was am Ende rauskommt. Wichtig ist, dass wir Vollgas geben.

Heute hat Steven Skrzybski kurzfristig gefehlt – obwohl er zuletzt nicht getroffen hatte, ist er jemand, der vorne Gefahr ausstrahlt. Wie sehr hat er gefehlt?

Klar fehlt er uns. Heute hätten wir ihn sehr gut gebrauchen können. Er schießt gerne auch mal aus der Distanz, das hätte uns gutgetan. Aber wir sind eine junge, talentierte Mannschaft – da müssen jetzt eben andere in die Verantwortung gehen und die Chance nutzen.

Wirkt bei Ihnen alles erstaunlich abgeklärt – trotz des bitteren Ausscheidens.

Ich bin in dieser Saison ja schon einmal ausgeschieden (grinst, gemeint ist mit dem HSV gegen Holstein Kiel, Anm.d.Red.). Am Ende, wenn die Tore dann fallen, denkt man schon: Heute sollte es einfach nicht sein. Aber wenn man ehrlich ist, hatten wir große Chancen, wieder ins Halbfinale zu kommen – das hätten vor dem Spiel wenige gedacht. Stuttgart ist sicher nicht überheblich reingegangen, die haben gemerkt, dass wir ein sehr guter Gegner sind. Umso bitterer, dass wir es nicht geschafft haben – denn es lag an uns, nicht an ihnen.