Wie Wettanbieter die 2. Bundesliga mitfinanzieren

Credit: IMAGO / CHROMORANGE

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In der Saison 2024/25 haben 9,4 Millionen Fans die Stadien der 2. Bundesliga besucht. An manchen Spieltagen gab es mehr Zuschauer als in der 1. Liga. Weniger sichtbar, aber präsent, ist eine andere Entwicklung: Wettanbieter und Glücksspielkonzerne investieren Millionen in die Clubs der 2. Liga. Für viele Zweitligisten, deren Budgets zum Teil stark unter denen der 1. Liga liegen, sind diese Sponsoring-Gelder kein netter Bonus mehr, sondern fester Bestandteil der Finanzplanung.

Die Präsenz und die Aktivitäten der Wettanbieter gehen weit über klassische Bandenwerbung hinaus. Denn auch Online-Casino-Betreiber und Betreiber von Spielhallen haben den Zweitliga-Fußball als Werbefläche für sich entdeckt.

Für die Fans ist das Angebot der Werbungen und Sponsoren immer undurchsichtiger: Es gibt lizenzierte und unlizenzierte Anbieter und nicht jede Marke, die im Stadion wirbt, verfügt auch über eine deutsche Lizenz. Bei einem Online Casino Vergleich helfen unabhängige Portale, die die vertrauenswürdigsten Online Casino Bewertungen bereitstellen, bei der Einschätzung von Lizenzdaten und Spielerschutz. Die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist dabei die behördliche Liste aller in Deutschland zugelassenen Anbieter.

Von der Merkur-Sonne bis zum Schalker Bandendeal

Das wohl prominenteste Beispiel im Zweitliga-Universum ist Fortuna Düsseldorf. Die Gauselmann-Gruppe betreibt die Merkur-Spielotheken und sicherte sich 2018 die Namensrechte am Düsseldorfer Stadion. Seitdem heißt es Merkur Spiel-Arena. Der Deal wurde auf zehn Jahre geschlossen. Andere Glücksspielanbieter sind bei Fortuna vertraglich ausgeschlossen. Mit der Umbenennung entbrannte im Düsseldorfer Stadtrat eine heftige Debatte. Kritiker befürchteten, dass dadurch die Multifunktionsarena, die nicht nur für Fußball-, sondern auch für Konzerte und internationale Kongresse genutzt wird, ihr sauberes Image verlieren könne. Mit dem Konzern kooperieren auch der SC Paderborn, Arminia Bielefeld und Darmstadt 98.

Den jüngsten Deal hat Schalke im August 2025 eingefahren. Die Merkur Group stieg mit einem auf zwei Jahre angelegten Exklusiv-Partnervertrag beim Verein ein. Seitdem prangt die Merkur-Sonne nicht nur auf den LED-Banden, sondern auch in den Social-Media-Kanälen des Klubs. Vorher hatten Betway und bet-at-home den Verein gesponsert, wobei keiner dieser Deals ohne Reibung verlief. Teile der Schalker Fanszene reagierten ablehnend, vor allem mit Blick auf den Zusammenhang zwischen Glücksspiel und Suchtgefahr.

Einer Übersicht des Fachportals Wettkompass zufolge haben 2025/26 ganze 17 von 36 Erst- und Zweitligisten einen mobilen Wettanbieter als Sponsor. Tipico hat als offizieller Partner der DFL eine übergeordnete Rolle, doch in der 2. Bundesliga sind die Werbepräsenz und Sponsorings in unterschiedlicher Form zu beobachten:

→ Stadion-Namensrechte, wie bei Fortuna Düsseldorf (Merkur Spiel-Arena)
→ Exklusive Themenpartnerschaften mit LED-Banden-Werbung in Stadion und TV
→ Prominente Partnerschaften mit Sichtbarkeit auf Social Media und bei Heimspielen
→ Trikotsponsoring, bislang in Liga zwei seltener als in Liga eins

Fans fordern Konsequenzen

Im Auftrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) befragte die Managementberatung SLC im Herbst 2023 tausende Bundesligafans. Das Ergebnis: 70,2 % befürworten ein Verbot von Sportwetten-Werbung im Fußball. Drei von vier Befragten begrüßen außerdem, dass Vereine wie der FC St. Pauli oder Mainz 05 sich nicht mit Wettanbietern einlassen.

St. Pauli verweigert sich der Aufnahme von Buchmachern als Partner und bleibt damit ein Sonderfall im deutschen Profifußball. In Bremen versuchte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) ein ähnliches Sagen durchzusetzen und legte dann doch NEO.bet als Exklusivpartner auf den LED-Banden frei. Mit seiner Forderung war Mäurer ein Exot unter den Länderinnenministern.

Der Fall VfB Stuttgart ist dagegen lehrreich: Hier trat Just for Win dem VfB als Trikotsponsor bei, wogegen sich die Fans massiv wehrten. Im Sommer 2025 verklagte der VfB den französischen Wettanbieter, weil vereinbarte Zahlungen ausgeblieben seien. Die Zusammenarbeit endete folglich im Streit, die Landesbank Baden-Württemberg übernahm als neuer Hauptsponsor. Was als gutes Geschäft geplant war, wurde zum Reputationsdesaster. Ähnliches hatte Herthas damaliger Präsident Kay Bernstein im Sinn, als er von einem Drahtseilakt zwischen Fan-Idealismus und Realpolitik sprach.

England verbannt Wettlogos von der Trikotbrust

International bewegt sich der regulatorische Rahmen schneller. Die Premier League hat beschlossen, ab der Saison 2026/27 keine Wettanbieter mehr auf der Trikotbrust zuzulassen. In der laufenden Spielzeit trägt mehr als die Hälfte der englischen Erstligisten noch einen Glücksspiel-Hauptsponsor. Werbung auf Ärmeln und Stadionbanden bleibt erlaubt, was die tatsächliche Reichweite der Maßnahme einschränkt.

Italien ging weiter. Seit 2018 dürfen Glücksspielanbieter dort keine Sportevents mehr sponsern. Verstöße werden mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. In Deutschland steht ein vergleichbares Verbot nicht auf der politischen Agenda. Die Interessenlagen zwischen DFL, Vereinen, Landesregierungen und der GGL klaffen zu weit auseinander.

Der Glücksspielstaatsvertrag vor dem Stresstest

Bis zum 31. Dezember 2026 muss die Evaluierung des deutschen Glücksspielstaatsvertrags abgeschlossen sein. Die GGL hat wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, unter anderem an der Universität Bremen zur Wirksamkeit technischer Spielerschutzmaßnahmen. Ab Mai 2026 sollen Netzsperren gegen illegale Online-Glücksspielanbieter greifen, bei denen auch Internetprovider verpflichtet werden, den Zugang zu sperren. Die Telekom und andere Netzbetreiber haben sich bisher zurückhaltend zu diesen Plänen geäußert.

Ob der deutsche Profifußball aus eigenem Antrieb handelt oder auf gesetzliche Vorgaben wartet, bleibt unklar. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) spricht von einem signifikanten Volumenverlust im legalen Markt seit Einführung der aktuellen Regulierung. Die Kanalisierung der Spieler weg vom Schwarzmarkt funktioniert bisher nur teilweise. Gleichzeitig steigen die Sperranträge im nationalen Spielersperrsystem OASIS.

Das Spannungsverhältnis zwischen Einnahmen und Verantwortung lässt sich nicht mit einem Spieltag auflösen. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, ob Vereine und Politik den Rahmen tatsächlich neu setzen wollen.