Bringt Österreichs Glücksspielreform frisches Sponsorengeld in die 2. Liga?

© IMAGO / GEPA pictures

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In Österreich laufen am 30. September 2027 die Lizenzen für Lotterien und Online-Glücksspiel aus. Drei Monate später folgen die Lizenzverträge für sechs Casinos von Wien bis Bregenz. Das Gesetz, auf dem das alles beruht, datiert aus dem Jahr 1989 und wurde seither nur punktuell geändert. Im November 2025 liegt ein Reformentwurf der Regierungskoalition aus ÖVP und SPÖ vor. Verhandlungsziel ist der Beschluss bis Mitte 2026.

Für die 2. Bundesliga klingt das nach ferner Kunde aus dem Nachbarland. Ist es nicht. Fast die Hälfte aller Erst- und Zweitliga-Klubs führt einen Wettanbieter als Sponsor, und was in Wien entschieden wird, verändert das Spielfeld im gesamten DACH-Sponsoringmarkt.

Wien schreibt das Monopol neu

Österreich und Polen sind die letzten EU-Staaten, die an einem staatlichen Glücksspielmonopol festhalten. Die Österreichische Lotterien GmbH hält die einzige gültige Lizenz für Online-Glücksspiel und betreibt darüber die Plattform win2day. Daneben sind in Österreich hunderte EU-lizenzierte Anbieter aktiv. Geduldet, aber nicht reguliert. Der Markt für Schwarzspieler, wie der Wirtschaftsforscher Andreas Kreutzer in seiner Studie den Bereich nennt, liegt bei 70 Prozent. Dass die Reform politisch überhaupt auf den Tisch kommt, hat auch mit dem Ibiza-Untersuchungsausschuss zu tun, der die mutmaßlichen Verstrickungen zwischen Glücksspielkonzernen und Politik aufgedeckt hat. Seither traut sich keine Partei mehr, das Thema offen auf die lange Bank zu schieben.

Will man sich als Spieler in diesem Flickenteppich zurechtfinden, stützt man sich auf unabhängige Bewertungsportale. Auch wer Echtgeld-Casinos in Österreich bei renommierten Vergleichsportalen wie onlinecasino.at vergleicht, findet dort Angaben zu Lizenzdaten und Spielern-/Jugendschutz, die das unübersichtliche Angebot zumindest sortierbar machen. In Deutschland übernimmt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) das teilweise selbst über ihre offizielle Whitelist.

Der Gesetzesentwurf sieht erstmals eine unabhängige Glücksspielbehörde vor, die das Finanzministerium als Aufsicht ablösen soll. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) will am Monopol festhalten. Die OVWG, der Branchenverband der privaten Anbieter, argumentiert dagegen: Ein Mehrfachlizenzmarkt verbessere den Spielerschutz, weil die Anbieter dann unter realer Aufsicht stünden. Ob das Gesetz rechtzeitig kommt, steht auf einem anderen Blatt. Die Ausschreibung neuer Konzessionen braucht mindestens 45 Monate Vorlauf, und das Finanzministerium hat den Vergabeprozess nach altem Recht bereits angeschoben.

Die österreichischen Konzerne sponsern schon die 2. Bundesliga

Die Brücke zwischen dem österreichischen Glücksspielmarkt und dem deutschen Profifußball ist längst geschlagen. Novolith, eine Tochter des NOVOMATIC-Konzerns aus Gumpoldskirchen, war über Jahre, bevor sie das Sponsoring Anfang 2020 beendete, beim HSV sowie der SV Elversberg als Wettpate in Erscheinung getreten. In Österreich hat die Mutter unter der Marke Admiral die Namensrechte an der Bundesliga und 2. Liga jeweils bis 2028 verlängert.

Auf der deutschen Seite hat sich hingegen das Gauselmann-Imperium mit seiner Dachmarke Merkur breitgemacht. Die Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf läuft seit 2018 unter diesem Namen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem exklusiven Recht auf Glücksspielsponsoring. Im August 2025 ist Merkur mit als Exklusivpartner bei Schalke 04 eingestiegen. LED-Banden, Cam Carpets, Social Media. Ein Teil der Fanszene protestierte mit dem Hinweis auf die Suchtgefahr. Der Vertrag läuft trotzdem zwei Jahre. Auch mit Paderborn, Bielefeld und Darmstadt 98 kooperiert der Konzern.

Öffnet Österreich seinen Online-Markt, könnten neue Anbieter mit frischem Sponsorengeld in den DACH-Raum kommen. 9,4 Millionen Stadionbesucher allein in der Saison 2024/25, volles Haus auch bei Flutlichtspielen am Freitagabend. Die 2. Bundesliga hätte für Sponsoren aus der Branche einiges zu bieten, zumal die Werbeplätze bei den Erstligisten knapper und teurer werden. Wie volatil das Geschäft aber sein kann, hat der Fall VfB Stuttgart gezeigt: Der Verein verklagte 2025 seinen französischen Wettsponsor Just for Win, weil vereinbarte Zahlungen ausblieben. Die LBBW sprang als Hauptsponsor ein.

Netzsperren greifen, Evaluierung läuft

Deutschland sortiert seinen Glücksspielmarkt parallel. Der Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag trat im Mai 2026 in Kraft. Die GGL kann Telekommunikationsanbieter jetzt direkt zur Sperrung illegaler Websites verpflichten, auf jede legale Sportwetten-Seite kommen elf illegale. Die Behörde in Halle an der Saale hat bereits rund tausend Seiten blockiert, doch die Ratifizierung des Änderungsvertrags gilt in Sachsen und Thüringen noch als unsicher. Bis zum 31. Dezember 2026 muss der Evaluierungsbericht zum Glücksspielstaatsvertrag vorliegen. Drei Studien laufen, unter anderem an der Universität Bremen zur Wirksamkeit technischer Spielerschutzmaßnahmen und bei der Berliner eye square GmbH zur Werbewirkung.

DSWV-Präsident Mathias Dahms forderte zuletzt, das legale Angebot müsse breiter werden, vor allem bei Live-Wetten und Wettarten. Nur so ließen sich Spieler in den regulierten Bereich lenken. Der Schwarzmarktanteil stagniere bei einem Viertel des Gesamtmarkts.

Schrumpft der legale Markt, schrumpfen die Marketingbudgets der Anbieter. Die Zweitligisten bekommen das als Erste zu spüren.

Die Premier League zieht die Reißleine

Ab der Saison 2026/27 verschwinden Wettlogos von den Trikotbrüsten der Premier League. Elf Clubs trugen zuletzt einen Glücksspiel-Hauptsponsor. The Athletic beziffert die entstehende Lücke auf 100 Millionen Pfund. Betroffen sind vor allem Clubs außerhalb der „Big Six“, für die Wettanbieter oft die zahlungskräftigsten Sponsoren stellten. Bournemouth hat bereits gewechselt, Sponsor ist jetzt die Gesundheitsmarke Vitality. Banden- und Ärmelwerbung bleiben erlaubt, die tatsächliche Reichweite des Verbots also begrenzt.

Italien untersagt Glücksspiel-Sportsponsoring komplett, seit 2018. In Deutschland fehlt jeder vergleichbare Vorstoß. Bei einer DFL-beauftragten Umfrage im Herbst 2023 sprach sich eine deutliche Mehrheit der befragten Fans für ein Werbeverbot aus. Passiert ist seitdem nichts.

Die 2. Liga spielt auch in der kommenden Saison mit Merkur-Sonnen auf den Banden und Wettanbieter-Logos an den Stadionwänden. Ob das so bleibt, entscheiden Wien und Berlin in den nächsten 18 Monaten.