Frankenderby Nr. 266: Stefan Reisinger erinnert sich

Ex-Kleeblatt über Tore, Trainer und besondere Trikots

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Mittwoch, 10.06.2020 | 16:15
Stefan Reisinger von Greuther Fürth (l.) gegen Nürnbergs Javier Pinola.

Derby-erfahren: Stefan Reisinger (l.) im Zweikampf mit Nürnberg-Ikone Javier Pinola. ©imago images/Bernd Müller

Stefan Reisingers ganze Energie gilt dem KFC Uerdingen, der 3. Liga und dem großen sportlichen Ziel, mit diesem Team in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Zum zweiten Male ist er dort, inzwischen 38 Jahre alt, als Co-Trainer von Stefan Krämer aktiv. Doch an diesem Fußball-Wochenende ist auch Franken-Derby in der 2. Bundesliga.

Als er von 2006 bis 2009 für die SpVgg Greuther Fürth stürmte, waren auch für Reisinger die Kräftemessen mit dem großen Nachbarn, dem 1.FC Nürnberg, unvergessliche Highlights. Für Liga-Zwei.de stöbert Reisinger, der im niederbayerischen Landshut aufwuchs und mit Wacker Burghausen und 1860 München weitere bayerischen Aktionsfelder in der 2. Bundesliga hatte, in seinen Erinnerungen.

Stefan Reisinger, zwei Ihrer 30 Treffer für die SpVgg Greuther Fürth in der 2. Bundesliga haben Sie in Derbys gegen den „Club“ erzielen können. Sind solche Derby-Treffer heute noch präsent bei Ihnen?
Stefan Reisinger: „Selbstverständlich. Auf den Derby-Trikots der Spielvereinigung ist ja festgehalten, um das wie vielte Derby es sich jeweils gehandelt hat. Wenn ich jetzt zuhause wäre, könnte ich die Trikots heraussuchen und sofort genau nachschauen.“

Über die beiden Frankenderbys in Liga eins
„ Wohl jeder, der das Kleeblatt im Herzen trägt, kennt diese beiden Resultate und ich habe sie auch noch drauf. ”

Wir helfen Ihnen gern auf die Sprünge: Das 266. Frankenderby steht jetzt vor der Tür. Sie spielten im Trikot mit dem Kleeblatt die vier Derbys von 250 bis 253. Die Ergebnisse aus Fürther Sicht: 0:2, 3:1, 1:2 und 1:1. Für Sie gute Erinnerungen?
Reisinger: „Im ersten Moment dachte ich, wir sind in diesen Duellen insgesamt erfolgreicher gewesen. Doch ich weiß noch, wie wir vor 50.000 Fans in Nürnberg drauf-und-dran waren meine 1:0-Führung über die Distanz zu bringen. Stephan Schröck konnte rechts durchlaufen und dann hoch hineinflanken.

Ich erwischte im Zentrum ein ideales Timing und platzierte meinen Kopfball unhaltbar für Raphael Schäfer ins Tor. Leider hat uns der Club dann ganz spät doch noch gepackt und das Match drehen können. Im Rückspiel aber hat mein Abstauber zum 1:1 immerhin einen Punkt eingebracht.“

Über seine Trainer bei Greuther Fürth
„ Labbadia und Möhlmann waren großes Glück für mich. ”

Das war Aufstiegskampf damals. Wie so oft in Fürth reichte es damals noch nicht ganz zum großen Ligasprung. Am Ende wieder Tabellenplatz 5. Ein paar Jahre später ging es dann endlich hoch und es kam zu diesem Nachbarschafts-Kräftemessen in der Eliteliga. Sie stürmten damals für den SC Freiburg. Doch wissen Sie noch, wie sich die Spielvereinigung damals dort oben schlagen konnte?
Reisinger: „Wohl jeder, der das Kleeblatt im Herzen trägt, kennt diese beiden Resultate und ich habe sie auch noch drauf: 1:0-Sieg in Nürnberg durch Geis und 0:0 am Ronhof. Generell ist es so, dass diese Erinnerungen geprägt sind davon, dass diese Derbys immer eng umkämpft waren und eigentlich keinen Verlierer verdient hatten.

In diesen fränkischen Festballfesten geht es auf allen Ebenen kaum weniger begeisternd und leidenschaftlich zu wie bei den ganz großen Derbys, also wie HSV gegen Pauli oder ganz oben bei BVB gegen Schalke.“

Über das 266. Frankenderby
„ Knifflig und heikel ist die Lage hüben wie drüben. ”

In Ihren drei Spielzeiten am Ronhof hatten Sie zwei Trainer: Benno Möhlmann und Bruno Labbadia. Möhlmann beschreibt Sie im Gespräch mit Liga-Zwei.de in seiner Expertise als einen Stürmer, der stets gebrannt habe, der mit seinen langen auf-und-davon-Läufen viele Spiele entscheiden konnte und der – wie zuvor einst Bruno Labbadia – auch als Wühler im Strafraum oftmals mit der Nase und mit der Entschlossenheit für den Brennpunkt erfolgreich war. Offenbar hatten Sie in Fürth Trainer, die Ihnen gutgetan haben.
Reisinger: „Beide waren ein großes Glück für meine Karriere. Benno Möhlmann hat immer großen Wert darauf gelegt, dass auch bei einem Stürmer der Wille zum Verteidigen da ist. Doch für das Team zu ackern, war immer mein Weg und so fiel es mir nicht schwer, Benno Möhlmann zufriedenzustellen.

Und Bruno Labbadia war eben früher selber Stürmer und so für mich eine Art Vorbild. Er war ein Killer im Strafraum und das hat er ein Stückweit dann aus mir auch gemacht. Ich glaube, beiden Trainern hat gefallen, dass ich immer mit hundertprozentigem Einsatz und großer Freude am Fußball bei der Sache war. Und somit einer war, der mitreißen konnte.“

Nun also gibt es wieder dieses Frankenderby. Wie wird es diesmal ausgehen?
Reisinger: „Knifflig und heikel ist die Lage hüben wie drüben: Der Club braucht dringend den Sieg, sonst steckt er fest dort unten. Die Fürther wollen unbedingt einen einstelligen Tabellenplatz ins Ziel retten. Das würde Ihnen ein etwas dickeres Stück aus dem Kuchen der Fernsehgelder bescheren.

Diesen Mehrwert braucht die Spielvereinigung. Die Punkte-Ausbeute fiel zuletzt nicht sonderlich gut aus, doch jetzt hat die Mannschaft in Dresden immerhin wieder eine gute Leistung gezeigt und einen dicken Punkt für das Selbstvertrauen gewonnen. Deshalb rechne ich damit, dass sie auch aus diesem Derby einen Punkt mitnehmen.“

Stefan Reisinger, wir bedanken uns für Ihre Erinnerungen und Einschätzungen.