Greuther Fürth: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Torjäger, Abräumer und Flügelflitzer

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Mittwoch, 31.10.18 | 07:51
Daniel Keita-Ruel nimmt Anlauf Richtung gegnerisches Tor.

Turbo und Torgefahr vereint: Daniel Keita-Ruel hat schon massig Dampf für Fürth gegeben. ©Imago/Zink

Die SpVgg Greuther Fürth ist dem Abstieg in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag von der Schippe gesprungen. Ergo war für Sportchef Rachid Azzouzi und Trainer Damir Buric nachrüsten angesagt, damit die Kleebätter nicht erneut in diese brenzlige Lage kommen. Und Stand jetzt läuft es auch erheblich besser als in der Spielzeit 2017/18.

Einer der Neuzugänge, der seinen Anteil daran hat, ist Daniel Keita-Ruel. Liga-Zwei.de hat bei seinem ehemaligen Oberliga-Trainer Peter Radojewski nachgefragt, was den Neuzugang von Fortuna Köln auszeichnet und ihn so stark macht. Zudem haben wir alle Neuzugänge bewertet.

Herr Radojewski, in der Saison 2015/16 trainierten Sie Daniel Keita-Ruel noch in der Oberliga, jetzt sorgt er in er zweiten Liga für Furore. Wie überrascht sind Sie, dass er dort so gut Fuß fasst?
Peter Radojewski: „Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, bin ich überhaupt nicht überrascht. Er hatte immer schon einen extremen Ehrgeiz, war immer ein guter Fußballer. Selbst hat er ja schon festgestellt, dass er sich früher zu einfach beeinflussen ließ. Leider ist es dann mal ganz falsch gelaufen. Das kann er nie wieder rückgängig machen, aber anscheinend hat ihm die Zeit im Gefängnis den letzten Kick gegeben, um vernünftig und erwachsen zu werden.“

Wie konnten Sie ihm in Ratingen dabei helfen?
Radojewski: „Als er damals ins Gefängnis gekommen ist, haben wir ihn in Ratingen extrem unterstützt. Gerade Michael Kulm (ehemaliger Sportlicher Leiter in Ratingen, Anm. d. Red.), Petra Duhr (ehemalige Geschäftsführerin von Germania Ratingen, Anm. d. Red.) und ich. Wir haben ihn im Gefängnis besucht und ihn dann nach Ratingen geholt.

Es gab dann ein großes Entgegenkommen von Gefängnisseite, weil sie ihn als Freigänger bei uns spielen ließen. Er konnte sich seinen Spaß am Fußball so wiederholen und hat den Wiedereinstieg geschafft. Er hat aus dem, was er im Gefängnis gelernt hat, die richtigen Schlüsse gezogen.“

Wie schwierig war es für Sie damals, sich gegen Widerstände durchzusetzen und ihn unter Ihre Fittiche zu nehmen?
Radojewski: „Wir mussten einiges an Schriftkram erledigen und den Behörden erklären, dass er gleich nach dem Training wieder zurück ins Gefängnis kann. Klar war es nicht einfach. Es gab auch eine Zeit, da war er plötzlich weg. Später haben wir erfahren, er konnte nicht direkt ins Gefängnis zurück, weil er den Zug verpasst hatte. Dann war er wochenlang wieder eingesperrt und wir wussten von nichts. Es klappte aber dann doch wieder, ihn als Freigänger bei uns in der Mannschaft zu haben.“

„ Er fokussiert sich auf den Fußball, das ist sein Ein und Alles. ”
über Keita-Ruels Professionalität

Von Ratingen ging es immer weiter nach oben für Keita-Ruel. Wie haben Sie seine Karriere verfolgt?
Radojewski: „In Wattenscheid hatte er mit Farat Toku einen guten Trainer und sich auch dadurch immer weiter gesteigert, bis dahin, wo er heute ist. Vor Wochen haben wir mal telefoniert. Ich habe ihm Glück gewünscht für seinen Sprung zu Greuther Fürth. Er hat gesagt: Ok, das ist der nächste Weg, aber es soll noch nicht der letzte Weg gewesen sein. Da merkt man ihm an, wie ehrgeizig er ist und dass er aus seiner Situation gelernt hat.“

Er ist jetzt 29. Was trauen Sie ihm in seiner Karriere noch zu?
Radojewski: „Er fokussiert sich sehr auf den Fußball, das ist sein Ein und Alles. Es ist im Profi-Bereich extrem wichtig, dass man nicht nur Fußball spielen kann, sondern seinen Körper so pflegt, dass man lange spielen kann. Sein Vorteil ist es, dass er das mega-professionell macht und kaum verletzungsanfällig ist. Das könnte ihm, auch wenn er jetzt 29 ist, den Sprung eine Liga höher ermöglichen.“

Sie gaben Daniel Keita-Ruel damals die Chance, als Freigänger in Ratingen wieder Fußball zu spielen. Welchen Anteil schreiben Sie sich selbst an seiner Karriere zu?
Radojewski: „Nur einen ganz kleinen. Wir kennen uns schon lange und er war immer ein vernünftiger Typ. Ich habe ihn extrem gerne in meiner Mannschaft gehabt. Nicht nur, weil er gut Fußball gespielt hat, sondern auch menschlich ein total lieber Kerl ist. Für mich war das einfach ganz normal, ihm die Chance zu geben. Er hat sich selbst wieder in die richtige Bahn gebracht und sich durch den Fußball wieder nach oben gebeamt.“

„ Wenn er in der zweiten Liga weiter so knipst, traue ich ihm den Sprung nach oben zu. ”
über Keita-Ruels Potential

Gehen wir auf den Platz. Was konnten Sie Keita-Ruel damals beibringen, was ihn noch heute auszeichnet?
Radojewski: „Seinen zielstrebigen Willen, seinen unbändigen Zug zum Tor hat er bei uns schon immer gezeigt. Wenn er auf dem Platz war, dann wollte er gewinnen. Er hat die Mannschaft mitgezogen, war nie negativ. Dabei wollte er aber nie der große Ansager sein, hat sich selbst immer eingeordnet. Für einen Stürmer bringt er ideale Anlagen wie eine gute Technik, Zug zum Tor und eine gute Sprungkraft mit. Wenn er in der zweiten Liga weiter so knipst, traue ich ihm den Sprung nach oben, wie gesagt, zu.“

Sie sprechen seinen Willen an. Woher kommt diese Never-give-up Mentalität?
Radojewski: „Das hat, glaube ich, etwas mit seiner Jugend zu tun, die nicht nicht in den besten Kreisen stattfand. Er weiß, wie es andersherum gehen kann. Gleichzeitig hat er viel gelernt. Aus all den Sachen, die er falsch gemacht hat, wird er sich diejenigen rausgesucht haben, bei denen er sagt: Das möchte ich so nicht und ich kann es nur ändern, wenn ich alles dafür gebe. Fußball ist eben alles für ihn. Deswegen versucht er, alles reinzuwerfen, um die Möglichkeit, im Profifußball weiter Fuß zu fassen, wahrzunehmen.“

Keita-Ruel will also immer besser werden. Was denken Sie, was kann er noch verbessern?
Radojewski: „Ich habe das Spiel gegen Dortmund im Pokal gesehen. Da merkte man natürlich nochmal einen Unterschied. Wie gesagt, er ist schnell, kopfballstark, hat einen starken rechten Fuß, aber das Körperliche und die Robustheit, da muss er noch einen Ticken drauf packen. Die Kaltschnäuzigkeit und den Torinstinkt, der immer gesucht wird, hat er aber. Viel fehlt ihm nicht mehr.“

Unsere Bewertungen der Fürther Neuzugänge

Tobias Mohr bejubelt einen seiner bisherigen vier Treffer.

Unter den Neuzugängen vielleicht die größte Überraschung: Tobias Mohr zeigt sich auf seiner linken Außenbahn von der torgefährlichen Seite. ©Imago/Zink

Volltreffer:
Daniel Keita-Ruel – Mit dem 29-Jährigen hat Greuther Fürth wieder einen Knipser in seinen Reihen. In elf Liga-Partien, die er allesamt durchgespielt hat, gelangen Keita-Ruel bereits sechs Treffer, die allein für sieben der 19 Punkte sorgten, die Fürth bisher errungen hat.

Mario Maloca – An dem Kroaten, der nach seiner letztjährigen Leihe im Sommer fest aus Polen verpflichtet wurde, ist wie in der Leih-Saison kein Vorbeikommen in der Innenverteidigung. In den elf Ligaspielen und dem Pokal-Fight gegen Borussia Dortmund fehlte Maloca keine einzige Minute und ist eine wichtige Stütze in der guten Defensive.

Tobias Mohr – Der Mann vom linken Flügel übersprang mit seinem Wechsel gleich zwei Ligen, als er aus der Regionalliga von Alemannia Aachen kam, und zeigt sich dennoch als unverzichtbar für Trainer Damir Buric. Er war bisher in jeder Partie dabei – zuletzt neunmal über 90 Minuten. Dabei gelangen Mohr schon vier Treffer und zwei Torvorlagen.

Guter Griff:
Julian Green – Der Mann aus der Bayern-Jugend konnte sich nicht in der Bundesliga durchsetzen. Nach seiner letztjährigen Leihe ins Frankenland wurde er im Sommer fix verpflichtet und zeigt wieder einen vielversprechenden Anlauf in Fürth. Bisher kommt er auf acht Startelfeinsätze und eine Einwechslung.

Maximilian Sauer – Trotz Braunschweiger Abstiegs konnte Sauer die Klasse halten und weiter Zweite Liga spielen. Nach seinem Wechsel gehört der Rechtsverteidiger auch zum Stammpersonal der Spielvereinigung und hat seit dem dritten Spieltag jedes Spiel gemacht.

David Atanga – Die Leihgabe von RB Salzburg zeigte schon mehrfach, wie wichtig er für die Kleebätter ist, auch wenn er zuletzt zweimal nur noch von der Bank kam. Sein nächster Startelfeinsatz auf der rechten Seite dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Ausbaufähig:
Shawn Parker – Nachdem der Stürmer beim FC Augsburg nicht glücklich geworden ist, fand er mit der Spielvereinigung seinen neuen Verein. Aber auch hier kann sich Parker nicht wirklich durchsetzen und wurde bisher nur dreimal eingewechselt. Aktuell laboriert er an einer Sprunggelenksverletzung.

Paul Jaeckel – Ein weiterer Neuzugang, der sich in einem Erstligakader nicht durchsetzen konnte, ist Paul Jaeckel. Doch auch in Fürth tut sich der Neuzugang aus Wolfsburg schwer. An den letzten beiden Spieltagen wurde er immerhin eingewechselt und kam so auf seine ersten beiden Partien.

Leon Schaffran – Der 20-jährige Keeper kam von der zweiten Mannschaft von Hertha BSC hat es in Fürth bisher aber auch nur zu Spielen bei der Reservemannschaft gebracht. Im Kader der Zweitligavertretung stand er bisher noch nicht.

Elias Abouchabaka – Die Leihgabe von RB Leipzig kam bis dato lediglich einmal für die Profis von Greuther Fürth zum Einsatz, als er im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund eingesetzt wurde. Ansonsten absolviert der 18-Jährige seine Spiele für die Regionalliga-Mannschaft.

Nicht zu bewerten:
Yosuke Ideguchi – Der Japaner, den sich Fürth von Leeds United lieh, begann durchaus stark und schoss direkt im ersten Spiel sein erstes Tor. Doch bereits im vierten Spiel erlitt Ideguchi einen Kreuzbandriss und wird Fürth in etwa ein halbes Jahr fehlen.

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