HSV: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Sonny Kittel beim Torschuss

Neuer Spielmacher für den HSV: Sonny Kittel kam vom FC Ingolstadt. ©Imago images/Philipp Szyza

Das große Ziel, den direkten Wiederaufstieg, hat der Hamburger SV in der vergangenen Saison mit einem desaströsen Endspurt verspielt. Zur Saisonhalbzeit noch Spitzenreiter und klar auf Aufstiegskurs liegend, holten die Rothosen aus den 17 Partien der Rückrunde nur noch magere 19 Zähler und rutschten so noch auf den vierten Platz ab.

Das zweite Zweitliga-Jahr der Vereinsgeschichte soll nun aber zugleich das letzte werden. Dafür hat sich der HSV wieder einmal sowohl neben als auch auf dem Spielfeld neu aufgestellt. Wie die Chancen auf eine Aufstiegsfeier im zweiten Versuch stehen, analysieren wir nun wenige Tage vor dem Startschuss im Teamcheck von Liga-Zwei.de.

Kader & Transfers

Der nach dem verpassten Aufstieg vorgenommene Umbruch im Kader kam nicht wirklich überraschend. Während insgesamt 13 Spieler den Verein verlassen haben, wurden neun Akteure neu verpflichtet.

Von den Abgängen schmerzen letztlich nur zwei. Linksverteidiger Douglas Santos (Zenit St. Petersburg) wollte auch mit Blick auf seine persönlichen Ambitionen in der brasilianischen Nationalmannschaft kein weiteres Jahr mehr zweitklassig spielen und hinterlässt als einer der zumindest lange Zeit herausragenden Spieler der vergangenen Zweitliga-Saison eine Lücke. Selbiges gilt für Orel Mangala im defensiven Mittelfeld, den der VfB Stuttgart nach der einjährigen Ausleihe zurückbeordert hat.

Jann-Fiete Arp konnte sein Talent dagegen allenfalls andeuten und verabschiedete sich wie schon frühzeitig vereinbart zum FC Bayern München. Mit Pierre-Michel Lasogga (Al Arabi) und dem noch auf Klubsuche befindlichen Lewis Holtby wurden zwei alte Zöpfe abgeschnitten, die zu den Top-Verdienern zählten, dafür aber unter dem Strich zu wenig Gegenleistung brachten.

Die Leihspieler Hee-Chan Hwang (Red Bull Salzburg) und Leo Lacroix (AS St. Etienne) konnten sich nicht für eine Weiterverpflichtung empfehlen. Ebenfalls weg sind die teilweise bereits vergangene Saison verliehenen Talente Finn Porath (Holstein Kiel), Arianit Ferati (Waldhof Mannheim), Morten Behrens (1. FC Magdeburg), Aaron Opoku (Hansa Rostock, Leihe), Marco Drawz (Hannover 96 II) und Patric Pfeiffer (Darmstadt 98).

Weitere Akteure wie David Bates, Gotoku Sakai, Vasilije Janjicic, Tatsuya Ito und der von einer Leihe zu Vendsyssel FF zurückgekehrte Matti Steinmann können und sollen noch wechseln. Auch Keeper Julian Pollersbeck würden keine Steine in den Weg gelegt.

Wie Steinmann waren auch Bobby Wood (Hannover 96) und Christoph Moritz (Darmstadt 98) verliehen, die aber beide eine neue Chance erhalten und bislang genutzt haben. Darüber hinaus verpflichtete der HSV ausschließlich Spieler, die ihre Qualität in der 2. Bundesliga in jüngerer Vergangenheit bereits nachgewiesen haben.

Torhüter Daniel Heuer Fernandes (Darmstadt 98), Rechtsverteidiger Jan Gyamerah (VfL Bochum), Innenverteidiger Ewerton und Linksverteidiger Tim Leibold (beide 1. FC Nürnberg) sollen die Defensive stärken. Ebenso David Kinsombi (Holstein Kiel) als neuer Sechser, der zum Start aber nach einem Muskelfaserriss auszufallen droht. Jeremy Dudziak (FC St. Pauli) ist vielseitig einsetzbar und auf beiden Außenbahnen defensiv wie offensiv sowie im zentralen Mittelfeld einsetzbar.

Der zuletzt auf Leihbasis für Jahn Regensburg aktive Adrian Fein (FC Bayern München, ausgeliehen) soll genau wie Sonny Kittel (FC Ingolstadt) das kreative Element im Mittelfeld stärken, gegebenenfalls auch von der Sechserposition aus. Und im Angriff soll künftig Lukas Hinterseer, der mit der Empfehlung von 18 Saisontreffern vom VfL Bochum kommt, für die nötige Tore sorgen.

Die aktuelle Form

Beim Meiendorfer SV (8:0) und beim TSV Buchholz 08 (13:1) hat der HSV die Vorbereitung mit zwei deutlichen Siegen begonnen. Anschließend gab es allerdings dreimal in Folge keinen Sieg. Sowohl vom dänischen Erstligisten Aarhus GF (2:2) als auch vom griechischen Top-Klub Olympiakos Piräus (1:1) trennte sich das Team von Trainer Dieter Hecking unentschieden, ehe es gegen Huddersfield Town (0:1) eine erste Niederlage setzte.

Gegen den SV Rugenbergen (4:1) wurde dafür wieder etwas Selbstvertrauen getankt und auch das 2:2 bei der Generalprobe am Samstag gegen den RSC Anderlecht kann durchaus als Mutmacher herangezogen werden.

Dieter Hecking dirigiert die HSV Mannschaft

Hat 136 Zweitliga-Spiele in seiner Vita: Dieter Hecking. ©Imago images/Philipp Szyza

Stärken & Schwächen

Obwohl mit Douglas Santos und Orel Mangala starke Individualisten nicht mehr dabei sind, verfügt der HSV nach wie vor über einen für Zweitliga-Verhältnisse richtig stark besetzten Kader. Das Aufgebot scheint dank der Neuzugänge sogar besser ausbalanciert und enthält eine gute Mischung aus nachgewiesener Zweitliga-Qualität, (Aufstiegs-)Erfahrung und Entwicklungspotential.

Gerade in der Offensive, die mit nur 45 Toren vergangene Saison ein großer Schwachpunkt war, sollte der HSV nicht zuletzt dank der Verpflichtungen von Hinterseer und Kittel deutlich mehr Gefahr entwickeln. In jedem Fall sollte die Hecking-Elf nicht mehr so abhängig sein vom als Kapitän bestätigen Aaron Hunt, dessen viele Ausfälle in der Rückrunde nicht kompensiert werden konnten.

Defensiv stand der HSV schon über weite Strecken der Vorsaison solide und ließ nach Union Berlin (33) die zweitwenigsten Gegentore zu. Dennoch besteht bei 42 Gegentreffern in 34 Partien auch in dieser Hinsicht noch Luft nach oben. Letzteres gilt vor allem auch für die Auftritte im heimischen Volksparkstadion. Fünf Heimniederlagen und vier Remis sind für einen Aufstiegsanwärter definitiv gleichbedeutend mit zu vielen Punktverlusten.

In Hamburg spielt natürlich auch das Umfeld keine unwesentliche Rolle. Die Erwartungshaltung ist kaum geringer als in der vergangenen Saison, soll aber nicht erneut zum Ballast werden. Gleichzeitig ist gut möglich, dass eine Euphorie entsteht, wenn die ersten Spiele erfolgreich gestaltet werden und das Team überzeugend auftritt.

Der Trainer

Nach fast ununterbrochenen 13 Jahren als Bundesliga-Trainer kehrt Dieter Hecking ins Unterhaus zurück, das der heute 54-Jährige 2006 als Aufstiegscoach von Alemannia Aachen verlassen hatte.

Hecking entschied sich nach der Enttäuschung über das Aus bei Borussia Mönchengladbach recht schnell für die Aufgabe beim HSV und machte seine Ambitionen mit der Unterschrift unter einen Einjahresvertrag, der sich nur im Aufstiegsfall verlängert, sehr deutlich. Einen Abstieg sieht der gebürtige Nordrhein-Westfale darin nicht, sondern vielmehr eine Herausforderung verbunden mit dem Reiz, auch in einer praktisch „neuen“ Liga erfolgreich zu sein.

Mit seiner Erfahrung und Ruhe sollte Hecking dazu in der Lage sein, das aufgeregte Umfeld in Hamburg in Schach zu halten und die Konzentration der Mannschaft auf das Wesentliche zu lenken.

Die mögliche Startelf

In Mönchengladbach hat sich Dieter Hecking in den letzten Jahren offen für Neues gezeigt und mehrfach für das vorhandene Personal geeignete Formationen gebastelt. Das ist nun auch die Aufgabe beim HSV, wobei einiges auf ein schon vergangene Saison meist praktiziertes 4-1-4-1 hindeutet.

Wahrscheinlich, dass zum Auftakt mindestens sechs Neue in der Startelf stehen werden. Mit Ewerton und Kinsombi haben zwei weitere Neuzugänge noch Rückstände, die den Konkurrenzkampf aber über kurz oder lang befeuern werden. Generell ist der Kader trotz noch gesuchter Verstärkungen schon jetzt gut besetzt und bietet auch in der Breite einige Optionen.

Die mögliche Startelf: Heuer Fernandes – Gyamerah, Papadopoulos, van Drongelen, Leibold – Fein – Narey, Hunt, Dudziak, Jatta – Hinterseer

Fazit & Prognose

Der HSV verfügt auch im zweiten Zweitliga-Jahr über einen Kader, mit dem nichts anderes als der Aufstieg das Ziel sein kann. Mit Dieter Hecking steht nun außerdem ein Trainer an der Seitenlinie, der die hohen Erwartungen schultern wird. Gibt es keine außergewöhnlichen Rückschläge, ist in Hamburg 2020/21 wieder Erstliga-Fußball zu sehen.