Im Sinne der Menschlichkeit

Robert Herrmann erhält nach Suizid des Vaters die Freigabe

Robert Herrmann vom VfL Wolfsburg im Dribbling

Endlich wieder stürmen. Robert Herrmann (hier noch im Wolfsburg-Trikot) will einen Neustart. ©Imago/Huebner

Selten entstehen und entwickeln sich Fußballer-Lebensläufe so still wie der des Robert Herrmann. Eine Rückrunde ohne Einsatz. Obwohl doch sein großes Unglück, der wiederholte Mittelfußbruch beim Trainingsstart des  SV Sandhausen vor genau einem Jahr, längst erfolgreich überwunden war.

Herrmann bricht sein Schweigen

Die Mitarbeiter von Liga-Zwei.de mit Sitz im Fußballnorden haben diesen rasanten Linksbahnsprinter des VfL Wolfsburg mit seinen vielen Torvorbereitungen immer genau beobachtet, und vor allem auch in Wolfsburg direkt blieben viele verwundert darüber, dass der Herrmann nach drei Jahren als Lizenzspieler zwar mit 150 Regionalligaspielen, doch ohne Beförderung in die Bundesliga den Klub verließ.

Mein Vater hat sich das Leben genommen. Mit Stuhl und Seil. (Robert Herrmann)

Nun hat Liga-Zwei.de Robert Herrmann ans Telefon bekommen. Soeben ist er von einem Aufenthalt auf Bornholm, der dänischen Ostsee-Insel, zurück. Gemeinsam mit seiner Mutter hat er an einem Seminar zur Verarbeitung von Trauerschmerz teilgenommen. Nun berichtet er, weil das Reden darüber ihm guttue: „Meine Mutter hat ihren geliebten Mann, und ich habe meinen geliebten Vater verloren. Leider auf einer Ebene, die sehr schwierig zu verarbeiten ist: Er hat sich das Leben genommen. Mit Stuhl und Seil.“

Der Vater war nur 52 Jahre alt geworden, doch die ein gutes Jahr lang plagenden und behandelten Depressionen hätten ihm keine Wahl gelassen, berichtet Robert. Sein nunmehr allseits berührendes Schicksal und die eingangs beschriebene Stille um Robert Herrmann verstehen wir schnell: Die Schocknachricht aus der Heimat stoppte das bedeutende spanische Trainingslager, in das Herrmann voller Begeisterung und mit einem Triumph über Hoffenheim gereist war.

Neuanfang nahe der Heimat gesucht

Dann in Trance der Heimflug ins Berliner Umland, dort 15 Tage lang versucht, Halt zu finden in den Tränen der Familie. In Sandhausen aufbauende, hoffnungsvolle Gespräche: Mal Schork, mal Trainer Kocak, mit Spieler-Kollegen selbstverständlich. Vergebens. Die zermürbende Erkenntnis: Kraft und Konzentration sind nicht konstant auf 100% zu steuern, die Gedanken schweifen weg, das Team steht, Anschluss verpasst, das Aus.

Ja, ich habe die Freigabe für eine Rückkehr in die heimische Region. (Herrmann über seine Zukunft)

Für immer? „Ja, es geht wirklich nicht mehr.“ Dieses persönliche familiäre Schockerlebnis ist aus der Ferndistanz von knapp 700 km nicht zu bewältigen: „Unser wunderbarer Familienverbund und ich als Fußballspieler brauchen einen Neuanfang nahe der Heimat. Es gibt Stunden, da müssen wir uns einfach in die Arme nehmen können.“

So hatten Otmar Schork und Herrmann viele Gespräche, um zu einer Lösung zu kommen. Ja, und sie ist nicht in der durchkakulierten Welt des Fußballs sondern allein im Sinne der Menschlichkeit ausgefallen: „Ja, ich habe die Freigabe für eine Rückkehr in die heimische Region und bedanke mich vor allem im Namen meiner Mutter. Wir sind sehr glücklich über diese so herzliche Einvernehmlichkeit des SV Sandhausen“, sagt Robert. Erleichterung und Zuversicht stehen ihm ins Gesicht geschrieben.

Denn er darf sicher sein: Linksbeinige Flügelsprinter, Dribbler und Standardspezialisten sind sehr gefragt…