SV Sandhausen: Der Liga-Zwei Teamcheck

Wer ersetzt den Torjäger Aziz Bouhaddouz?

Andrew Wooten vom SV Sandhausen schirmt den Ball ab.

Andrew Wooten (vorne) muss seine Torflaute schnell beenden, um Aziz Bouhaddouz vergessen zu machen. ©Imago

Alles auf Null: Während der SV Sandhausen aufgrund von Lizenzverstößen mit 3 Zählen Abzug in die vergangene Saison starten musste, geht es in diesem Jahr ohne Minuspunkte los. Dass es die Mannschaft in der abgelaufenen Spielzeit trotzdem schaffte, am Ende der Hinrunde Kontakt zu den Aufstiegsplätzen zu haben, kann ihr gar nicht hoch genug angerechnet werden.

In der Rückrunde setzte es dann allerdings 11 Niederlagen, sodass am Ende nur Platz 13 heraussprang. Die Folge war ein Umbruch im Kader inklusive Trainerwechsel von Alois Schwartz hin zu Kenan Kocak. Auch unter dem neuen Coach hofft der SVS darauf, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wie realistisch das ist, haben wir in unserer Saisonvorschau für Euch analysiert!

Der Kader

Mit Aziz Bouhaddouz haben die Sandhäuser ihren Fixpunkt im Angriff verloren. Der Deutsch-Marokkaner war in der vergangenen Saison an 18 Treffern direkt beteiligt, wechselte im Sommer aber zum FC St. Pauli. Ihn gleichwertig zu ersetzen wird schwierig, versuchen sollen es die drei neuen Offensiv-Kräfte Richard Sukuta-Pasu (kam von Energie Cottbus) sowie Lucas Höler und Julian Derstroff (beide von Mainz 05 II).

Auch im Abwehr-Bereich gab es Veränderungen. Stamm-Innenverteidiger Florian Hübner zog es zum Bundesliga-Absteiger Hannover 96, dafür kam Daniel Gordon vom Karlsruher SC. Zudem wurde mit Markus Karl vom 1. FC Kaiserslautern ein erfahrener Mann für das defensive Mittelfeld verpflichtet.

Insgesamt scheint dem neuen Trainer das aber noch nicht zu reichen. Vor allem im Spiel nach vorne sieht Kocak Nachholbedarf. Dementsprechend wünscht er sich noch zwei bis drei neue Spieler für die Offensive.

Die aktuelle Form

Zum Beginn der Vorbereitung wurden die erwartet hohen „Zu-Null-Siege“ gegen unterklassige Mannschaften eingefahren. Es folgte ein eher dürftiger Auftritt beim torlosen Unentschieden gegen den Oberligisten SC Hauenstein, bevor die Männer vom Hardtwald zwei Wochen vor dem Saisonstart gegen Fortuna Düsseldorf noch einmal ein kleines Ausrufezeichen setzen konnten: Gegen den Europa-League-Seriensieger FC Sevilla verlor der SV Sandhausen nur knapp mit 1:2. Insgesamt machen die Testspiele also Hoffnung für die anstehende Saison.

Stärken & Schwächen

So viel steht fest: Im Vergleich zum Vorjahr muss die Defensive besser werden, nur vier Mannschaften der 2. Bundesliga kassierten mehr Gegentreffer als der SVS (50). Die Erfahrung der Neuzugänge Daniel Gordon und Markus Karl sollte dabei helfen, die Abwehr weiter zu stabilisieren. In Kombination mit starken Leuten wie Innenverteidiger Tim Kister und Kapitän Stefan Kulovits könnte die Hintermannschaft ein großes Plus der Sandhäuser werden.

In der Offensive sehen wir momentan keinen adäquaten Ersatz für Bouhaddouz. Andrew Wooten traf in der vergangenen Saison nach 6 Toren in 6 Spielen zum Start gar nicht mehr und wartet seit Mitte September auf ein Erfolgserlebnis. Die Neuen Derstroff, Höler und Sukuta-Pasu kamen zusammen zwar auf 33 Treffer in der abgelaufenen Spielzeit – allerdings in der 3. Liga, sie müssen sich also erst eine Liga höher beweisen. Hoffnung macht Korbinian Vollmann, der in den letzten 5 Partien der Saison 2015/16 auf immerhin 3 Tore kam.

Marco Knaller im Duell mit Simon Terodde.

Wird Marco Knaller (r.) erneut zum großen Rückhalt des SV Sandhausen? ©Imago

Der Trainer

Kenan Kocak tritt in große Fußstapfen, als Nachfolger des zum 1. FC Nürnberg gegangenen Alois Schwartz wird er es nicht leicht haben. Sandhausen ist für ihn die erste Station in einer der oberen beiden Ligen Deutschlands, er kam von Waldhof Mannheim. Mit diesem Klub scheiterte er im Sommer in den Relegationsspielen zur 3. Liga an den Sportfreunden Lotte. Jetzt ist Kocak mit nur 35 Jahren der jüngste Coach der 2. Bundesliga.

Die mögliche Startelf

Nach einer Analyse der Aufstellungen in den Testspielen wird es wohl auf ein 4-4-2-System hinauslaufen. Allerdings gibt es hinter der personellen Besetzung auf einzelnen Positionen noch Fragezeichen: Im defensiven Mittelfeld rechnen wir damit, dass Routinier Markus Karl gegenüber Denis Linsmayer die Nase vorne haben wird.

Ganz vorne dürfte es ein Duell zwischen Korbinian Vollmann und Richard Sukuta-Pasu um einen Startplatz im Sturm geben, wobei Vollmann nach seinen starken Auftritten zum Ende der Vorsaison noch ein wenig Kredit haben sollte. Entsprechend sehen wir momentan diese 11 Spieler in der ersten Formation:
Knaller – Paqarada, Gordon, Kister, Klingmann – Kulovits, Karl – Pledl, Vunguidica – Wooten, Vollmann

Unser Fazit

Sagen wir so: In der Offensive ist noch Luft nach oben, zwei bis drei neue Leute könnte Kocak tatsächlich noch gut gebrauchen. Von den vielen Neuen, die bereits da sind, dürfen sich nur die Allerwenigsten Hoffnungen auf einen Platz in der ersten Elf machen – die Mannschaft sollte also gut eingespielt sein. Wir glauben, dass es ein wenig enger wird als im Vorjahr, tippen aber trotzdem auf den Klassenerhalt des SV Sandhausen.

Liga-Zwei Tipp: Platz 10 bis 15.