Zhi Gin Lam – früher Hamburg, heute Hongkong

Ex-Fürther und Hamburger im Interview

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Dienstag, 27.09.16 | 17:51
Zhi-Gin Lam von Greuther Fürth

Mittlerweile in Fernost unterwegs. Der frühere Fürther und Hamburger Zhi Gin Lam. ©Imago

Zhi Gin Lam galt beim HSV einst als Hoffnungsträger, der den Sprung aus der Jugend schaffte und 20-mal in der Bundesliga auflief. Trotz großem Talent konnte er sich – auch verletzungsbedingt – aber nicht dauerhaft durchsetzen. 2014 wechselte Lam in die 2.Liga zur SpVgg Greuther Fürth, wo er es jedoch in zwei Jahren nur auf 15 Einsätze brachte. Im Sommer entschied sich der 25-Jährige dann für einen Wechsel nach Fernost. Liga-Zwei.de hat Lam aufgespürt und zum Interview gebeten.

Herr Lam, ein Wechsel nach Hongkong ist etwas ungewöhnlich. Wie kam es dazu?
Zhi Gin Lam: „Ich war letztes Jahr in der Sommerpause im Urlaub in Hongkong meine Familie besuchen und da hat mich der Club (Kitchee SC, Anm. d. Red.) zu seinem Trainingszentrum eingeladen, um mal zu sehen wie in Hongkong der Fußball so ist. Dazu habe ich in den letzten Jahren den Spaß am Fußball ein wenig verloren und wollte etwas komplett anderes machen.“

„ Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass Atmen schwer fällt. ”
über Unterschiede zu Deutschland

Wie unterscheidet sich der Fußball in Hongkong von dem deutschen?
Zhi Gin Lam: „Der größte Unterschied ist mit Sicherheit das Tempo, das in Deutschland höher ist. Aber hier kann man aufgrund des Wetter auch nicht über 90 Minuten so ein hohes Tempo gehen. Die Luftfeuchtigkeit ist einfach so hoch, dass einem das Atmen wirklich schwer fällt und man extrem viel schwitzt. Am Anfang ist es mir auch schwer gefallen, hier zu atmen, weil man das Gefühl bekommt, dass man keine Luft bekommt. Mittlerweile habe ich mich schon daran gewöhnt, aber es ist trotzdem noch extrem, bei solchen Bedingungen Fußball zu spielen.“

Was vermissen Sie am meisten in Hongkong?
Zhi Gin Lam: „Obwohl ich hier schnell Anschluss gefunden habe, unter den Spielern viele Freunde habe und dieser Verein sehr familiär ist, vermisse ich natürlich meine Familie und Freunde in Deutschland. Natürlich vermisse ich Hamburg als meine Heimatstadt und mein gewohntes Umfeld, auch wenn Hongkong Hamburg als Stadt in nichts nachsteht.“

„ Es wird geklärt, ob ich den Pass bekomme. ”
über die Nationalmannschaft von Hongkong

Ist die Nationalmannschaft von Hongkong für Sie ein Ziel?
Zhi Gin Lam: „Es wird derzeit geklärt, ob ich die Staatsbürgerschaft von Hongkong bekomme. Obwohl ich nie hier gelebt habe, gibt es eine Regel, die mir den Pass ermöglicht. Wenn alles klappt, ist es natürlich mein Ziel, für die Nationalmannschaft zu spielen.“

„ Ich leide da auch ziemlich mit. ”
über seine Ex-Vereine Hamburg und Fürth

Verfolgen Sie noch die Spiele Ihrer Ex-Vereine Hamburg und Fürth?
Zhi Gin Lam: „Ja, die Spiele vom HSV schaue ich immer noch sehr gerne, auch wenn es derzeit mal wieder nicht so läuft. Ich leide da auch ziemlich mit. Aber ich denke, dass mittlerweile ganz gut mit solchen Situationen zurecht kommen und schnell wieder in die Spur finden. Auch über Greuther Fürth halte ich mich auf dem Laufenden, da dort noch viele meiner Freunde spielen.“

Können Sie sich eine Rückkehr nach Deutschland – vielleicht in die 2. Bundesliga – vorstellen?
Zhi Gin Lam: „Also das spielt im Moment in meinen Planungen keine Rolle. Ich bin diesen Schritt ganz bewusst gegangen und habe mich dafür entschieden, eine neue Richtung einzuschlagen. Mir gefällt es richtig gut und ich fühle mich hier unheimlich wohl. Grundsätzlich will ich es im schnelllebigen Fußball-Geschäft nicht ausschließen, aber im Moment ist das keine Option mehr für mich.“