1. FC Nürnberg: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Oliver Sorg, Robin Hack und Felix Lohkemper vom 1. FC Nürnberg

Frischer Wind für den Club: Oliver Sorg (l.), Robin Hack (m.) und Felix Lohkemper wollen in Nürnberg wieder durchstarten. ©Imago images/Eibner

Dem nicht unbedingt zu erwartenden Aufstieg am Ende der Saison 2017/18 folgte für den 1. FC Nürnberg nur ein einjähriges Gastspiel in der Bundesliga. Anders als Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf konnte sich der Club im Oberhaus nicht behaupten und ist nun alleiniger Rekordabsteiger.

Nach dem achten Abstieg in der Vereinsgeschichte vollzog der FCN einen größeren Personalwechsel sowohl im Kader als auf der Ebene der Sportlichen Leitung. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de beleuchten wir, wie der Club nun aufgestellt ist, und versuchen die Frage zu beantworten, was in der Spielzeit 2019/20 letztlich drin ist.

Kader & Transfers

Zwölf Spieler haben den 1. FC Nürnberg in der Sommerpause verlassen. Größere Lücken hinterlässt allerdings nur ein Quartett. Den von Sporting Lissabon nur ausgeliehenen Matheus Pereira, der nach etwas Anlaufzeit zum Kreativgeist avancierte, konnte der Club aus wirtschaftlichen Gründen nicht halten.

Eduard Löwen, der immerhin rund sieben Millionen Euro in die Kasse spülte, blieb in der Bundesliga und spielt künftig für Hertha BSC. Als Gegner schon in der neuen Saison kehren unterdessen Ewerton und Tim Leibold nach Nürnberg zurück. Der Innen- und der Linksverteidiger nutzten Ausstiegsklauseln, um zum Hamburger SV zu wechseln, wo beide offenkundig bessere Aufstiegschancen sehen.

Anders als bei Matheus Pereira hatte der Club bei den übrigen Leihspielern Robert Bauer (Werder Bremen), Yuya Kubo (KAA Gent) und Timothy Tillmann (FC Bayern München II) kein gesteigertes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit. Ebenso wenig bei Edgar Salli und Ivo Ilicevic, deren Verträge ausgelaufen sind. Aufstiegstorwart Fabian Bredlow, der in der Bundesliga seinen Stammplatz an Christian Mathenia verloren hatte, wechselte unterdessen zum VfB Stuttgart.

Komplettiert wird die Abgangsseite durch die Talente Jakov Medic (SV Wehen Wiesbaden) und Dominik Steczyk (Piast Gliwice), die andernorts auf Leihbasis Spielpraxis sammeln und idealerweise gereift zurückkehren sollen.

Neu dabei sind neben Linksverteidiger Fabian Nürnberger aus dem eigenen Nachwuchs neun externe Neuzugänge. Während Torwart Andreas Lukse (SCR Altach) als Backup für Stammkeeper Mathenia eingeplant ist, wurden mit Rechtsverteidiger Oliver Sorg (Hannover 96), Linksverteidiger Tim Handwerker (1. FC Köln) und Innenverteidiger Asger Sörensen (Red Bull Salzburg) drei Defensivkräfte verpflichtet, die den Anspruch haben zu spielen.

Das gilt in der Offensive auch für Nikola Dovedan, der beim 1. FC Heidenheim zwei Jahre lang zu den herausragenden Akteuren der 2. Bundesliga zählte, und für Iuri Medeiros (Sporting Lissabon), der viel Potential mitbringt und dieses anders als Matheus Pereira von Anfang an ausschöpfen soll. Während Dovedan in zentraler Rolle eingeplant sein dürfte, fühlt sich der Portugiese rechts am wohlsten.

Mit Robin Hack (TSG 1899 Hoffenheim) sicherte sich der Club einen weiteren hochtalentierten Offensivmann, der sowohl links als auch zentral stürmen kann und damit ein ähnliches Profi aufweist wie der vom SC Freiburg gekommene, nach einem Schienbeinbruch anfänglich aber noch nicht verfügbare Fabian Schleusener. Felix Lohkemper (1. FC Magdeburg) kann im Angriff alle Positionen spielen und erweitert die personellen Möglichkeiten zusätzlich.

Die aktuelle Form

Die ersten beiden Testspiele in der Region hat der 1. FC Nürnberg beim 1. FC Lichtenfels (8:0) und bei der DJK Ammerthal (6:0) noch klar gewonnen, ehe es bei Regionalligist SpVgg Bayreuth einen unerwarteten Weckruf in Form einer 1:2-Niederlage gab. Danach freilich setzte erst einmal noch ein deutliches 0:4 gegen den FC Basel, bevor die Ergebnisse dann zum Ende der Vorbereitung hin besser wurden.

Während des Trainingslagers in Maria Alm gelangen gegen die österreichischen Drittligisten FC Pinzgau (2:0) und SK Bischofshofen (3:0) standesgemäße Siege. Bei Rapid Wien allerdings zog der Club trotz ansprechender Vorstellung mit 1:2 den Kürzeren. Die Generalprobe wurde am Samstag auch nicht gewonnen, doch das 1:1 gegen ein zumindest eine Stunde lang sehr gut besetztes Paris St. Germain diente dennoch als Mutmacher.

Damir Canadi vom 1. FC Nürnberg

Neu in Deutschland, aber international erfahren: Damir Canadi soll den FCN in die Bundesliga zurückführen. ©Imago images/eu images

Stärken & Schwächen

Ein wesentlicher Grund für den direkten Wiederabstieg des 1. FC Nürnberg war die ausgeprägte Offensivschwäche, die sich anhand von nur 26 Toren in 34 Spielen unschwer erkennen lässt. Darauf hat der Club aber reagiert. Mit Dovedan und Schleusener kamen zwei Offensivspieler, die ihre Torgefahr in der 2. Bundesliga schon hinreichend unter Beweis gestellt haben. Und auch von den übrigen Neuen wie Iuri Medeiros, Hack oder Lohkemper ist neuer Schwung zu erwarten.

Nürnberg hatte im Oberhaus indes nicht nur offensiv, sondern auch defensiv Probleme. 68 Gegentore und damit im Schnitt zwei pro Partie waren natürlich zu viel. Allerdings gelang schon in der Rückrunde, die neun Gegentore an den letzten beiden Spieltagen einmal ausgenommen, eine deutliche Stabilisierung. Abzuwarten bleibt indes, wie der Abgang der Stützen Ewerton, Leibold und Löwen aufgefangen werden kann.

Mit Christian Mathenia im Tor und Hanno Behrens im Mittelfeld verfügt der FCN über zwei Eckpfeiler, die vorangehen und die Mannschaft führen können. Auch Mikael Ishak hat in der Aufstiegssaison 2017/18 bereits gezeigt, die Qualität zu einem überdurchschnittlichen Zweitliga-Stürmer zu haben.

Generell findet sich im Kader jede Menge Potential. Akteure wie Lukas Mühl, Sebastian Kerk, Patrick Erras oder die Neuzugänge Sörensen, Hack und Handwerker könnten bei entsprechendem Vertrauen den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen. Gerade bei Erras und Kerk ist allerdings auch zu hoffen, dass das Verletzungspech nicht wieder zuschlägt.

Der Trainer

Schon kurz nach dem letzten Bundesliga-Spieltag stellte der 1. FC Nürnberg im Mai Damir Canadi als neuen Trainer vor. Der 49 Jahre alte Österreicher, der auf den drei Monate lang als Interimscoach tätigen Boris Schommers folgte, betritt in Deutschland Neuland.

Canadi machte sich in der Szene als Erfolgstrainer des SCR Altach einen Namen, den der gebürtige Wiener 2014 zunächst in die österreichische Bundesliga und dann sogar nach Europa führte, ehe Rapid Wien lockte. Bei den Hütteldorfern allerdings musste Canadi nach einem enttäuschenden halben Jahr im April 2017 wieder gehen und arbeitete zuletzt zwei Jahre lang für Atromitos Athen in Griechenland.

In Nürnberg will Canadi, der großen Wert auf Disziplin legt, eine stabile Defensive mit einer kreativen Offensive kombinieren, ist dabei aber nicht auf ein bestimmtes System festgelegt. Wichtig ist Canadi, dass die gesamte Mannschaft sowohl in der Rückwärtsbewegung als auch im Spiel nach vorne einem Plan folgt und alle Rädchen ineinandergreifen.

Die mögliche Startelf

Mit den Neuzugängen hat sich der Konkurrenzkampf auf den meisten Positionen deutlich erhöht. In der Defensive, in der es nach den letzten Testspielen stark nach einer Dreierkette aussieht, scheint Georg Margreitter erst einmal außen vor. Ebenfalls die Bank drohen könnte dem erfahrenen Neuzugang Sorg und Ondrej Petrak im defensiven Mittelfeld, wo Lukas Jäger einer der Gewinner der Vorbereitung ist.

In der Offensive ist die Auswahl noch größer. Der spät verpflichtete Iuri Medeiros könnte zunächst noch draußen bleiben. Auch die Neuen Lohkemper und Hack müssen bangen, zumal Federico Palacios mit einem ansprechenden 45-Minuten-Auftritt gegen Paris Eigenwerbung betreiben konnte.

Die mögliche Startelf: Mathenia – Mühl, Erras, Sörensen – Valentini, Behrens, Petrak, Handwerker – Dovedan, Kerk – Ishak

Fazit & Prognose

Der 1. FC Nürnberg hat im Vergleich zum VfB Stuttgart und dem HSV sicherlich den geringeren Druck, aber auch einen Kader, der im Aufstiegsrennen mitmischen kann. Erlauben sich die beiden Top-Favoriten keine Schwächen, wird es mit dem direkten Wiederaufstieg zwar schwer, doch um den Relegationsrang dürfte der Club ein Wörtchen mitreden.