Holstein Kiel Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Montag, 24.07.23 | 10:21
© imago images / Steffen Kuttner

Im Holstein-Stadion wird im siebten Jahr in Folge zweitklassig gespielt. © imago images / Steffen Kuttner

Seit dem Aufstieg 2017 hat Holstein Kiel nicht nur sechs Mal in Folge sehr souverän den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gesichert, sondern sogar nur ein einziges Mal einen zweistelligen Tabellenplatz belegt. So kamen die Störche auch in der zurückliegenden Spielzeit 2022/23 immerhin als Achter ins Ziel und damit jenseits von Gut und Böse.

Ein ähnliches Abschneiden würden die meisten Fans 2023/24 vermutlich unterschreiben, hat sich im Kader doch mit dem einen oder anderen schmerzhaften Abgang einiges getan. In unserem Teamcheck blicken wir auch, aber nicht nur auf die personellen Veränderungen bei der KSV und geben am Ende auch einen Ausblick auf den möglichen Saisonverlauf.

Kommen & Gehen

Es hat sich im Kieler Kader den Sommer über einiges getan. Mit Fabian Reese (Hertha BSC), Hauke Wahl (FC St. Pauli) und Fin Bartels (Ende der Profikarriere) verabschiedeten sich drei Leistungsträger sowie mit Simon Lorenz (FC Ingolstadt), Stefan Thesker (SKN St. Pölten), Alexander Mühling (SV Sandhausen), Julian Korb (Borussia Mönchengladbach II) und Aleksandar Ignjovski (noch ohne neuen Verein) weitere Profis mit regelmäßigen Einsätzen in den letzten Jahren.

Mikkel Kirkeskov und der als temporäre Aushilfe verpflichtete Robin Himmelmann (beide noch ohne neuen Verein) sind künftig ebenso nicht mehr dabei wie Kwasi Wriedt (VfL Osnabrück, verliehen), Tim Schreiber (1. FC Saarbrücken, war von RB Leipzig ausgeliehen) und Marvin Obuz (Rot-Weiss Essen, war vom 1. FC Köln ausgeliehen), die nicht die erhofften Einsatzzeiten bzw. Perspektiven erhielten. Marcel Benger (SC Verl), Noah Awuku (Eintracht Norderstedt) und Ahmet Arslan (1. FC Magdeburg, war an Dynamo Dresden verliehen) komplettieren die Riege der Abgänge.

Neu dabei sind neben den Leih-Rückkehrern Joshua Mees (Jahn Regensburg) und Nico Carrera (FSV Zwickau) sowie Colin Kleine-Bekel und Niklas Niehoff aus dem eigenen Unterbau neun externe Neuzugänge. Mit Innenverteidiger Carl Johansson (IFK Göteborg), dem serbischen Nationalspieler Marko Ivezic (KF Vozdovac) für das zentrale Mittelfeld und dem japanischen Nationalstürmer Shuto Machino (Shonan Bellmare) kamen drei spannende Akteure aus dem Ausland hinzu, die sich in Liga zwei aber erst beweisen müssen. Das gilt auch für den in der 3. Liga herausragenden Offensivmann Ba-Muaka Simakala (VfL Osnabrück) und Linksverteidiger-Talent Tom Rothe (Borussia Dortmund, ausgeliehen) sowie erst recht für Mittelfeldmann Nicolai Remberg (Preußen Münster), Rechtsverteidiger Lasse Rosenboom (Werder Bremen II) und Außenbahnspieler Aurel Wagbe (VfL Wolfsburg U19).

So lief die Vorbereitung

Nach einem lockeren Aufgalopp beim SSV Rantzau-Barmstedt (9:0) tat sich Holstein Kiel schon im zweiten Test beim SC Weiche Flensburg 08 (1:0) schwer und kassierte im dritten Vorbereitungsspiel gegen Hannover 96 über 105 Minuten eine 1:2-Niederlage. Während des Trainingslagers in Österreich wurde dann aber zunächst der tschechische Erstligist 1. FC Slovacko (1:0) besiegt und dann gegen den einheimischen Bundesligisten Austria Lustenau (6:1) über 135 Minuten sogar ein Kantersieg eingefahren.

Am Samstag legten die Störche schließlich auch eine erfolgreiche Generalprobe hin und setzten mit einem 2:1-Sieg beim 1. FC Union Berlin ein zumindest kleines Ausrufezeichen.

Stärken & Schwächen

Weil Timo Becker verletzt ausfällt, muss Trainer Marcel Rapp anfänglich auf der rechten Abwehrseite improvisieren, wobei es mit Marvin Schulz und Jonas Sterner durchaus Alternativen gibt. Gegenüber kamen mit Rothe und Wagbe zwei junge Spieler, die sich in der 2. Liga erst noch beweisen müssen, aber fraglos das Potential dafür mitbringen. Auch deshalb sowie dank einer neuen Besetzung im Zentrum und auf der Sechs präsentierte sich die Defensive, die vergangene Saison mit 61 Gegentreffern noch ligaweit die drittschwächste war, in den Vorbereitungsspielen verbessert.

Die Offensive hat grundsätzlich das Zeug dazu, (wieder) zum Prunkstück zu werden. Die Neuen Simakala und Machino sowie der nach langer Leidenszeit wieder fitte Benedikt Pichler und Steven Skrzybski könnte eine der besten Offensivreihen der Liga bilden – immer vorausgesetzt, Simakala und Machino kommen schnell an, Pichler bleibt fit und Skrzybski erliegt nicht doch noch den Lockrufen eines anderen Vereins.

Seit Oktober 2021 Trainer der Störche: Marcel Rapp. © picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Der Trainer

Nach dem Ende einer verhältnismäßig bescheidenen Spielerkarriere, in der neun Zweitliga- und zwei DFB-Pokal-Einsätze die Highlights waren, konnte Marcel Rapp ab 2013 bei der TSG 1899 Hoffenheim als Trainer reifen. Vom Assistenten der U17 bis zum Interimscoach bei den Profis füllte der heute 44-Jährige im Kraichgau diverse Rollen aus und folgte dann im Oktober 2021 nach einer Phase ohne Job dem Ruf von Holstein Kiel.

Bei den Störchen überstand Rapp in den zurückliegenden gut eineinhalb Jahren auch schon schwächere Perioden und konnte sich auch bei Negativserien der Rückendeckung von Geschäftsführer Uwe Stöver sicher sein. In die neue Saison indes geht Rapp voraussichtlich mit einem auslaufenden Vertrag und muss wohl Argumente in eigener Sache in Form von guten Ergebnissen liefern, damit die Zusammenarbeit in die Verlängerung geht.

Der potentielle Shooting-Star

Zu Beginn der Vorbereitung musste man Colin Kleine-Bekel nicht zwingend auf der Rechnung haben, doch in den vergangenen Wochen hat sich der aus der zweiten Mannschaft zu den Profis beförderte Innenverteidiger nicht nur als vollwertige Alternative empfohlen, sondern besitzt sogar sehr intakte Chancen auf die Startformation. Der 20-Jährige, der von 2015 bis 2022 bei Borussia Dortmund ausgebildet wurde und schon am 34. Spieltag der vergangenen Saison zehn Minuten Zweitliga-Luft schnuppern durfte, bringt mit 1,91 Meter Gardemaß für die letzte Reihe mit und kann sowohl in einer Dreierkette neben einem zentralen Mann als auch im Zentrum einer Viererkette spielen.

Die mögliche Startelf

Dähne – Schulz, Johansson, Kleine-Bekel, Rothe – Skzybski, Sander, Ivezic, Simakala – Machino, Pichler

Fazit & Prognose

Holstein Kiel hat durchaus Spieler hinzubekommen, die die Verluste von (teils langjährigen) Leistungsträgern wie Wahl, Reese oder Bartels auffangen können. Eine Garantie, das zweifellos phantasievolle Transfers wie die Verpflichtungen von Machino, Ivezic oder auch Simakala in der 2. Liga funktionieren, gibt es allerdings nicht. Schlägt der Großteil der Neuen wie erhofft ein, landen die Störche in einem ähnlichen Bereich wie vergangene Saison. Falls nicht oder tauchen andere Probleme auf, kann es auch Rang elf bis 14 werden.