Würzburger Kickers Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Dienstag, 08.09.2020 | 10:30
Arne Feick von den Würzburger Kickers

Reichlich Zweitliga-Erfahrung: Arne Feick spielte schon 248-mal im Unterhaus. ©Imago images/Passion2Press

Drei Jahre nach dem einjährigen Intermezzo in der Saison 2016/17, als auf eine starke Hinrunde eine desaströse Rückserie und letztlich doch noch der direkte Wiederabstieg folgten, melden sich die Würzburger Kickers zurück in der 2. Bundesliga. Die Unterfranken schafften mit einem bemerkenswerten Endspurt den nicht unbedingt zu erwartenden Aufstieg und wollen sich nun länger in der Zweitklassigkeit behaupten. Ob das gelingen kann, analysieren wir im Teamcheck von Liga-Zwei.de.

Kader & Transfers

Von den 13 Spielern, die die Kickers im Sommer verlassen haben, ist es bei weitem nicht allen gelungen, bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Kevin Frisorger (FK Pirmasens), Yassin Ibrahim (SV Rödinghausen), Nico Stephan (1. FC Geesdorf), Niklas Zulciak (FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf 03), Johannes Kraus (FC 08 Homburg), Leon Bätge (VSG Altglienicke) und Dominik Widemann (SG Sonnenhof Großaspach) setzen ihre Karriere allesamt maximal viertklassig fort.

Ein großer Verlust ist dafür Sebastian Schuppan, der die Kickers mit dem letzten Schuss seiner Karriere in die 2. Bundesliga befördert hat und auch als Leader eine Lücke hinterlässt. Nicht minder bitter ist der Abgang von Top-Scorer Fabio Kaufmann (14 Tore, 14 Vorlagen), der sich ablösefrei Mitaufsteiger Eintracht Braunschweig angeschlossen hat. Dave Gnaase, in immerhin 30 Partien am Ball, ist unterdessen noch ohne neuen Verein.

Anders als Patrick Sontheimer und Robert Herrmann, deren Ausleihen von Greuther Fürth bzw. Erzgebirge Aue jeweils in eine feste Verpflichtung mündeten, sind die Leihspieler Simon Rhein (1. FC Nürnberg), Jonas David (Hamburger SV) und Albion Vrenezi (Jahn Regensburg) zu ihren alten Vereinen zurückgekehrt. Während David verletzungsbedingt nur auf fünf Einsätze kam, aber sein Potential dennoch gezeigt hat, trugen Rhein in 29 und Vrenezi in 32 Einsätzen ihren Teil zum Aufstieg bei. Gerade Rhein hatte dabei im zentralen Mittelfeld durchaus eine tragende Rolle inne.

Für diese Position halten die Kickers nun zusätzlich zu den bisherigen zehn Neuzugängen noch Ausschau nach Verstärkung. Keine echten Neuen sind die Rückkehrer Lion Schweers (SV Elversberg) und Nico Purtscher (TSV Aubstadt) sowie der noch für die U19 spielberechtigte Youngster Umut Ünlü, die sich erst einmal hinten anstellen müssen.

Das gilt nicht für Fabian Giefer (FC Augsburg), der den Zweikampf im Tor mit Aufstiegskeeper Vincent Müller gewonnen hat und der Defensive mit seiner Erfahrung Stabilität verleihen soll. Das ist auch die Aufgabe von Linksverteidiger Arne Feick (1. FC Heidenheim), der in einer insgesamt sehr jungen Mannschaft mit seinen 32 Jahren vorangehen soll, und dem gleichaltrigen Brasilianer Douglas, auf dessen Auftritte man nach drei Jahren ohne Spielpraxis gespannt sein darf.

Abgerundet wird die Riege der Neuzugänge durch Tobias Kraulich (1. FC Nürnberg II), ein auch auf der Sechs einsetzbares Innenverteidigertalent, sowie durch die drei Offensivspieler David Kopacz (VfB Stuttgart), Florian Flecker (1. FC Union Berlin) und Keanu Staude (Arminia Bielefeld), die alle aus unterschiedlichen Gründen den Durchbruch im deutschen Profi-Fußball noch nicht geschafft haben, aber mit 21 bis 24 Jahren noch eher am Anfang ihrer Karriere stehen.

Die aktuelle Form

Die ersten beiden Vorbereitungsspiele haben den Würzburger Kickers direkt aufgezeigt, welcher Wind in den Top-36 des deutschen Fußballs weht. Die am Ende der Vorsaison so verwöhnten Kickers verloren zunächst beim 1. FC Union Berlin mit 0:2 und kamen dann beim 1. FSV Mainz 05 sogar mit 0:6 unter die Räder. Zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung lagen die Schwerpunkte indes nicht auf den Testspielergebnissen, die deshalb relativ rasch abgehakt werden konnten.

Erst recht, weil es danach mit einem 2:2 gegen den österreichischen Zweitligisten SV Horn während des Trainingslagers in der Alpenrepublik und einem 3:1-Sieg gegen den SV Wehen Wiesbaden auch ergebnistechnisch aufwärts ging. Zuletzt war Würzburg dann sogar schon in zwei Pflichtspielen gefordert. Nachdem zunächst im Halbfinale des bayerischen Landespokals bei Viktoria Aschaffenburg klar mit 5:1 gewonnen wurde, ging am Samstag das Endspiel gegen den TSV 1860 München nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit unglücklich nach Elfmeterschießen verloren.

Stärken & Schwächen

Die Würzburger Kickers stellten nach der Reserve des FC Bayern München die jüngste Mannschaft der vergangenen Drittliga-Saison und verloren nun im Sommer mit Schuppan einen von nur wenigen Routiniers. Daniel Hägele als neuer Kapitän, Giefer als neue Nummer eins und der ebenfalls verpflichtete Linksverteidiger Feick sind nun besonders gefordert, der unerfahrenen Truppe, zu der noch weitere junge Akteure hinzugestoßen sind, Stabilität zu verleihen und eine auch in schwierigen Zeiten funktionierende Achse zu bilden.

Wichtig wäre überdies, die Euphorie der letzten Wochen in der 3. Liga mitzunehmen. Das würde es zweitliga-unerfahrenen Akteuren wie Frank Ronstadt, Dominic Baumann oder Luca Pfeiffer zumindest erleichtern, den Sprung auf das höhere Level zu schaffen. Gerade von Pfeiffer, dem mit 15 Treffern besten Torschützen der Aufstiegssaison wird nach dem Abgang von Kaufmann einiges abhängen, zumal die bisherigen Neuzugänge für die Offensive um Staude und Flecker bislang nicht als ausgemachte Torjäger in Erscheinung getreten sein.

Trainer Michael Schiele muss es darüber hinaus gelingen, die richtige Balance aus Offensive und Defensive zu finden. Das war vergangene Saison nur im so erfolgreichen Endspurt einigermaßen der Fall, zuvor aber angesichts von 60 Gegentoren in 38 Spielen nicht in ausreichendem Maße.

Michael Schiele

Seit Oktober 2017 Cheftrainer in Würzburg: Michael Schiele. © imago images / foto2press

Der Trainer

Im Oktober 2017 wurde Michael Schiele, der zuvor beim VfR Aalen und bei Greuther Fürth ebenfalls als Assistent gearbeitet hatte, bei den Würzburger Kickers zunächst interimsweise zum Chefcoach ernannt, überzeugte die Verantwortlichen aber rasch mit seiner Arbeit. Der heute 42-Jährige sorgte federführend für eine positive Entwicklung, die mit dem überraschenden Zweitliga-Aufstieg ihren Höhepunkt erlebte.

Bemerkenswert, dass die Zukunft des zwischenzeitlich mit der TSG 1899 Hoffenheim in Verbindung gebrachte Schiele dennoch lange offen blieb. Erst Anfang Juli verkündeten die Kickers die weitere Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Heidenheimer, dessen mutig-offensive Spielphilosophie sich unschwer am Würzburger Torverhältnis der vergangenen Saison von 71:60 erkennen lässt.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung der Würzburger Kickers

Mögliche Aufstellung der Würzburger Kickers

Fazit & Prognose

Die Würzburger Kickers haben ihrer jungen Aufstiegsmannschaft zwar sowohl Qualität als auch Erfahrung zugeführt, doch ob es in neuer Konstellation auf Anhieb wie erhofft funktioniert, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist für uns eine gewisse Anlaufzeit mit einem langen Kampf gegen den direkten Wiederabstieg, der über die Relegation auch noch in die Verlängerung gehen könnte.

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