VfL Bochum: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Danny Blum im Test gegen Altenbochum.

Soll ein Baustein sein, um den Abgang von Lukas Hinterseer aufzufangen: Danny Blum. ©imago images/Team 2

In den vergangenen beiden Jahren hat der VfL Bochum recht offensiv das Ziel ausgegeben, zumindest im vorderen Drittel mitmischen zu wollen. Am Ende freilich kam es zweimal ganz anders. Nachdem 2017/18 erst mit Robin Dutt als viertem Cheftrainer sichere Tabellengefilde angesteuert werden konnten, wurde in der zurückliegenden Spielzeit die Abstiegszone durchweg auf Abstand gehalten.

Die zwischenzeitlich aufgekeimte Hoffnung, vielleicht doch ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können, war indes recht schnell wieder dahin. Und angesichts der Konkurrenz mit den starken Absteigern sowie dem Hamburger SV sind Bundesliga-Ambitionen auch im Vorfeld der neuen Saison eher nicht angebracht. Wir blicken aber natürlich dennoch im Detail auf den VfL und geben im Teamcheck von Liga-Zwei.de unsere Einschätzung ab.

Kader & Transfers

Mit Torjäger Lukas Hinterseer und Jan Gyamerah, der als Rechts- und Innenverteidiger eine starke Entwicklung genommen hat, haben zwei Leistungsträger Bochum in Richtung HSV verlassen. Insbesondere Hinterseer, der vergangene Saison mit 18 Toren überzeugte, hinterlässt eine große Lücke.

Die übrigen fünf Abgänge sollte dagegen zu kompensieren sein. Sidney Sam und Robbie Kruse (beide noch ohne neuen Verein) konnten nicht mehr an die Leistungen früherer Tage anknüpfen. Jannik Bandowski (SpVgg Unterhaching) entschloss sich nach drei von Verletzungen durchzogenen Jahren zum Neuanfang bei der SpVgg Unterhaching, während Tom Baack bei Jahn Regensburg auf den Durchbruch hofft. Ersatzkeeper Felix Dornebusch, der Manuel Riemann letztlich nicht verdrängen konnte, ist noch ohne neuen Verein.

Neuer Konkurrent Riemanns ist nun der von den Würzburger Kickers gekommene Patrick Drewes, der sich zunächst aber wohl hinten anstellen muss. Das gilt auch für die aus der Jugend hochgezogenen Maxwell Gyamfi und Jan Wellers sowie den von seiner Ausleihe zu Twente Enschede zurückgekehrten Ulrich Bapoh. Vangelis Pavlidis wurde derweil nach einem Leihjahr ganz an Willem II Tilburg abgegeben.

Als neuer Abwehrchef ist Saulo Decarli vorgesehen, der einst schon bei Eintracht Braunschweig seien Qualitäten in der 2. Bundesliga bewiesen, zuletzt aber beim FC Brügge eine schwierige Zeit hatte. Möglicher Nebenmann Decarlis ist Simon Lorenz, der nach einem Jahr auf Leihbasis beim TSV 1860 München als gereifter Innenverteidiger zurückgekehrt ist.

Mit Danny Blum, der zuletzt von Eintracht Frankfurt an UD Las Palmas verliehen war, soll unterdessen ein bundesligaerfahrener Akteur die Offensive ankurbeln und mithelfen, den Verlust der Tore Hinterseers aufzufangen. Das ist vor allem auch die Aufgabe von Silvere Ganvoula, der vergangene Saison als Leihspieler in 21 Spielen fünf Treffer erzielte und nun fest vom RSC Anderlecht verpflichtet wurde.

Komplettiert wird die Riege der Neuen durch Jordi Osei-Tutu. Der 20-Jährige wurde vom FC Arsenal ausgeliehen und soll die durch den Gyamerah-Abgang geschlossene Lücke auf der rechten Abwehrseite schließen. Stefano Celozzi ist dort keine Option mehr und soll genau wie Tim Hoogland den Verein trotz eines noch bis 2020 laufenden Vertrages verlassen.

Die aktuelle Form

Beim FC Altenbochum (8:1), bei Concordia Wiemelhausen (6:3) und bei Eintracht Grumme (15:0) hat der VfL Bochum seine ersten drei Testspiele in der Region absolviert und erwartungsgemäß gewonnen. Während des Trainingslagers in Weiler im Allgäu setzte es dann gegen den FC St. Gallen (0:3) eine erste Niederlage, doch dafür wurde der Grasshopper-Club Zürich mit 3:2 bezwungen.

Vor der Generalprobe am Samstag gegen Hertha BSC stand am Mittwochabend in Marl noch ein weiterer Härtetest gegen den FC Barnsley an. Gegen den von Daniel Stendel trainierten englischen Zweitliga-Aufsteiger unterlag der VfL nicht zuletzt aufgrund einer schwachen Chancenverwertung mit 1:2.

Robin Dutt (l.) im Gespräch mit Jan Wellers.

Sitzt seit Februar 2018 auf Bochums Trainerstuhl: Robin Dutt (l.). ©imago images/MaBoSport

Stärken & Schwächen

Der Erfolg des VfL Bochum in der neuen Saison steht und fällt damit, wie der Abgang von Lukas Hinterseer kompensiert werden kann. Der Österreicher, der neben 18 Toren auch noch neun Vorlagen verbuchte, war an über 55 Prozent der 49 VfL-Tore in der vergangenen Saison beteiligt.

Ob der weiterverpflichtete Ganvoula und der im Winter vielleicht schon als Vorgriff auf einen Hinterseer-Abgang geholte dann aber verletzungsbedingt nur auf acht Einsätze (zwei Tore) geholte Simon Zoller die Lücke schließen können, bleibt abzuwarten. Der Verzicht auf einen neuen Stürmer von Format ist aber fraglos ein Risiko.

Auffällig bei der Analyse der Saison 2018/19 war eine Diskrepanz zwischen den Leistungen im eigenen Stadion und in der Fremde. Zu Hause punkteten nur drei Mannschaften besser als der VfL, der in der Auswärtstabelle hingegen das Schlusslicht bildete. Nur zwei Siege gelangen auf gegnerischem Platz bei acht Remis und sieben Niederlagen. Um besser abzuschneiden, ist auswärts eine Steigerung unabdingbar.

Luft nach oben war in der bisherigen Vorbereitung insbesondere im Defensivbereich, wo nach den personellen Veränderungen noch nicht alle Rädchen ineinandergreifen. Die vielen Gegentore in den Testspielen geben auf jeden Fall Anlass zur Sorge.

Der Trainer

Nach seinem Einstieg im Februar 2018 ging es für Robin Dutt und den VfL Bochum nur darum, das Schreckensszenario 3. Liga zu verhindern. Das ist letztlich überzeugend gelungen, was sich von der in der vergangenen Saison erhofften, signifikanten Weiterentwicklung dagegen nicht behaupten lässt. Bochum geriet zwar nicht wieder in Abstiegsgefahr, verbrachte aber weite Teile der Rückrunde im Niemandsland der Tabelle.

Wie schon im vergangenen Sommer legte Dutt nun während der Vorbereitung wieder großen Wert auf ein funktionierendes Pressing sowie ein schnelles Umschaltspiel. Der 54-Jährige, dessen Vertrag 2020 ausläuft, wird sich sicher daran messen lassen müssen, wie seine Vorstellungen umgesetzt werden können.

Dass Dutt einer Mannschaft eine klare Handschrift verleihen kann, steht zwar seit seinen Erfolgen beim SC Freiburg außer Frage, doch anschließend lief es bei Bayer Leverkusen, Werder Bremen und als Sportvorstand beim VfB Stuttgart nicht mehr ganz so rund. In Bochum Erfolg zu haben, ist deshalb auch im Hinblick auf die eigene Karriere für den früheren DFB-Sportdirektor von enormer Bedeutung.

Die mögliche Startelf

In den letzten Testspielen trat der VfL Bochum immer in einem 4-4-2 an, das auch zum Saisonstart zu erwarten ist. Vor Torwart Riemann ist beinahe runderneuerte Viererkette möglich. Lediglich Danilo Soares war schon in der vergangenen Saison dabei. Abzuwarten bleibt allerdings, ob der an einer Hüftblessur laborierende, designierte Abwehrchef Saulo Decarli rechtzeitig fit wird.

Im Mittelfeld verfügt Trainer Dutt über einige Alternativen. So könnten im Zentrum statt Vitaly Janelt auch die offensiveren Sebastian Maier oder Thomas Eisfeld beginnen. Silvere Ganvoula ist die erste Alternative im Angriff. Dort ist ein Wechselspiel zwischen Danny Blum und Tom Weilandt vorstellbar.

Die mögliche Startelf: Riemann – Osei-Tutu, Decarli, Lorenz, Danilo – Lee, Losilla, Janelt, Weilandt – Blum, Zoller

Fazit & Prognose

Die Transferperiode und die bisherigen Testspiele haben nicht gerade für Euphorie an der Castroper Straße gesorgt. Auch, weil noch einige Fragen offen und Zweifel daran, dass der schwerwiegende Hinterseer-Abgang aufgefangen werden, nicht unberechtigt sind. Weil der Kader aber noch immer über Qualität verfügt, sehen wir den VfL Bochum zumindest frei von Abstiegssorgen mit einer vorsichtigen Tendenz zum einstelligen Tabellenplatz.