Aus der Patsche – die Liga-Zwei.de-Kolumne: Folge 8

Fehlt es der zweiten Liga an emotionalen Torhütern?

Nico Patschinski, Kolumnist bei Liga-Zwei.de

Analysiert die Torhüter-Situation: Liga-Zwei.de-Kolumnist Nico „Patsche“ Patschinski

Hallo Fußball-Freunde,

im Rasenschach existieren bekanntlich einige Weisheiten. „Der Ball ist rund“, „Das Spiel dauert 90 Minuten“ – und eben jene, dass Torhüter und Linksaußen einen an der Klatsche haben. Meine jahrelange nationale und internationale Karriere hat mir gezeigt: Das ist wirklich so.

Vielleicht haben sich Torhüter früher noch mehr von anderen Spielern unterschieden. Aber auch aktuell gibt es sicherlich noch drei oder vier Keeper in der 2. Liga, die nicht ganz sauber ticken. Die meisten pflegen heutzutage jedoch so einen Neuer-Style, agieren ganz sachlich und nüchtern – viel zu lieb, wenn Ihr mich fragt.

Damals gab es noch echte Typen. Bodo Ilgner beispielsweise soll seine eigene Dusche gehabt haben, weil er einen speziellen Duschkopf brauchte. Auch Klaus Thomforde war von diesem Schlag, auch wenn ich ihn nur noch als Torwarttrainer erlebt habe. Den brauchte man aber nur mal schräg anschauen, da war drei Tage Funkstille. Der wurde dann richtig zur Sau. Und Tim Wiese durfte ich auch mal persönlich kennenlernen. `Ne ganz andere Welt.

Er könnte noch in die Kategorie `Verrückt`kommen. (über Daniel Mesenhöler)

Aktuell fällt mir Daniel Mesenhöler ein, der bei Union Berlin aktuell nur die zweite Wahl ist. Aber der Junge hat glaube ich auch einen leichten Schlag und könnte noch in die Kategorie „Verrückt“ kommen. Ich habe ihn ein paar Mal spielen gesehen, da kamen teilweise schon die leichten Aussetzer durch. Die braucht man als Keeper aber auch.

Thorsten Kirschbaum und Fabian Bredlow haben in Nürnberg natürlich das Problem, dass Raphael Schäfer eine große Lücke hinterlassen hat. Durch einen Torwartwechsel leiden die Keeper natürlich auch. Ich finde es persönlich nicht immer richtig, mitten in der Saison einen anderen Torhüter ins Rennen zu schicken. Und ganz ehrlich: Kommt dadurch der Erfolg zurück?

Früher war das anders. Bevor ein Keeper nicht 15-mal am Ball vorbeigesegelt ist, sahen die meisten Trainer eigentlich keinen Anlass für einen Wechsel. Wenn man dann noch einen Stellvertreter hatte, der loyal war und auch ein wenig kicken konnte, dann war alles perfekt.

Düsseldorf hat mit Raphael Wolf, dem ehemaligen Fliegenfänger in Bremen, natürlich das große Los gezogen. Zudem gibt’s auch noch Michael Rensing, den Kahn-Kronprinzen. Rensing macht seine Sache, wenn er spielt, jedoch gut. Er ist ruhig, stocksolide und hält auch mal einen Unhaltbaren. In München hatte er nicht die glücklichste Zeit. Schade eigentlich.

Er kam auch muffig zum Training. (über Philipp Heerwagen)

Philipp Heerwagen vom FC St. Pauli ist auch noch aus der alten Generation. In seiner Zeit bei Unterhaching hat er auch wohl seine Emotionen des Öfteren rausgelassen und kam ziemlich muffig zum Training. Robin Himmelmann ist hingegen aus der neuen Zeit.

Ein richtig Verrückter ist natürlich Martin Männel aus dem Erzgebirge. Der war schon zu Cottbuser Zeiten so drauf. Der stachelt alle an und kann nicht verlieren, auch die gegnerischen Stürmer macht er oft rund. Das durfte ich noch miterleben. Männel passt natürlich wie die Faust auf’s Auge nach Aue.

Die Schule von Gerry Ehrmann in Kaiserslautern darf man natürlich nicht vergessen. Wenn man sich dort durchsetzen kann, dann ist man zumindest ein guter Keeper. Wobei Julian Pollersbeck beim großen HSV aktuell natürlich keine leichte Zeit macht und etwas ins Negative abzurutschen scheint. Doch wenn man als Keeper keine Lust auf’s Training hat, dann darf man sich darüber nicht wundern.

Kenneth Kronholm war auch mal in Trier aktiv, der hat auch einen Schuss – im positiven Sinne. Er lebt von seinen Emotionen, macht seine Sache aber gut. In Kiel ist er aktuell natürlich nicht wegzudenken. Aber woran liegt es, dass es keinen Keeper gibt, der noch so richtig aus der Haut fährt?

Polarisierende Typen fehlen einfach. (über die Keeper-Situation in der 2. Liga)

Es fehlen einfach diese Typen, die polarisieren. Man muss nicht direkt versuchen, Heiko Herrlich das Ohr abzubeißen, aber ein bisschen mehr Emotionen können nicht schaden. So richtig provokante Keeper sieht man leider nicht mehr.

Aber generell sind Torhüter schon anfälliger dafür, verrückt zu sein. Man trainiert viel alleine, kommt nur für die Spielformen zum Team. Und im Spiel ist man auch entweder der Arsch oder der Held. Ein Mittelding gibt’s nicht. Das prägt den Charakter.

Welcher Keeper dreht Eurer Meinung nach am Rad?

Diskutiert auf der Liga-Zwei.de-Facebook-Seite mit oder schreibt mir an [email protected] (die Jungs leiten mir die Mails dann weiter).

Bis demnächst,

Euer Patsche

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