SV Sandhausen: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Aziz Bouhaddouz im Training des SV Sandhausen

Aziz Bouhaddouz kehrt nach drei Jahren zurück nach Sandhausen. ©Imago images/foto2press

Seit dem erstmaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2012 wurde der SV Sandhausen in jedem Sommer zum Kreis der Abstiegskandidaten gezählt. Nun aber gehen die Hardtwäldler in ihre achte Saison im Folge im Unterhaus. Stets wurde der Klassenerhalt geschafft, mal mit weniger, mal wie in der zurückliegenden Spielzeit mit etwas mehr Zittern.

Erst am 34. Spieltag wurde vergangene Saison die Relegation final vermieden. Nachdem anschließend mehrere Leistungsträger den Verein verlassen haben, steht auch diesmal wieder der Ligaverbleib über allem. Wir beschäftigen uns im Teamcheck von Liga-Zwei.de detailliert mit dem SVS und seinen Chancen auf eine einigermaßen ruhige Spielzeit.

Kader & Transfers

Gleich 13 Spieler haben den SV Sandhausen im Sommer verlassen. Während die zuletzt bereits verliehenen Mirco Born (nun FSV Frankfurt) und Florian Hansch (Hallescher FC) nur kurz zurückgekehrt und dann direkt weitergereicht wurden, schmerzen drei andere Abgänge weitaus mehr. Mit Torwart Marcel Schuhen (Darmstadt 98) sowie den Torjägern Andrew Wooten (Philadelphia Union) und Fabian Schleusener (1. FC Nürnberg) konnten drei Schlüsselspieler nicht gehalten werden.

Die übrigen Abgänge reißen unterdessen keine allzu großen Lücken. Nejmeddin Daghfous (Kickers Offenbach) und Tim Knipping (Jahn Regensburg) spielten aufgrund langer Verletzungspausen nur untergeordnete Rollen, ebenso Maximilian Jansen (Royal Excelsior Virton) und Ken Gipson. Korbinian Vollmann (Hansa Rostock) und Mohamed Gouaida (Waldhof Mannheim) blieben letztlich den Beweis schuldig, die Mannschaft weiterzubringen.

Auch Karim Guédé (Karrierende) erwies sich nicht als Verstärkung und der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Niklas Lomb verlor das Duell um den Platz im Tor gegen Schuhen.

Neu gekommen sind inklusive dem aus der zweiten Mannschaft aufgerückten Innenverteidiger Roman Hauk zehn Spieler. Neben dem Youngster wurde mit Gerrit Nauber (MSV Duisburg) auch noch eine erfahrene Kraft für das Abwehrzentrum unter Vertrag genommen. Mehr oder weniger Erfahrung bringen auch Ivan Paurevic (FK Ufa), Marlon Frey (PSV Eindhoven II), Mario Engels (Roda Kerkrade) und Rückkehrer Aziz Bouhaddouz (Al-Batin) mit, die zuletzt alle im Ausland aktiv waren.

Der österreichische Torhüter Martin Fraisl, der mit Rick Wulle um den Posten als Nummer eins kämpft, wechselt aus Rumänien vom FC Botosani an den Hardtwald. Philipp Heerwagen (FC Ingolstadt) dürfte unterdessen als erfahrener Backup für das Tor fungieren.

Der vielleicht größte Coup gelang unterdessen mit dem vielfach umworbenen Spielmacher Philip Türpitz vom 1. FC Magdeburg, der den Saisonstart aber verletzungsbedingt zu verpassen droht. Julius Biada (1. FC Kaiserslautern) und Robin Scheu (Fortuna Köln) wagen unterdessen den Sprung aus der 3. Liga, wobei Biada damit kein Neuland betritt. Anders als der 19-jährige Enrique Peña Zauner aus dem Nachwuchs von Borussia Dortmund, der die Riege der Neuen komplettiert.

Die aktuelle Form

Auf die zu Beginn einer Vorbereitung häufigen Schützenfeste gegen niederklassige Vereine hat der SV Sandhausen verzichtet. Stattdessen ging es gleich gegen die jeweils knapp bezwungenen Regionalligisten Astoria Walldorf (2:1) und FSV Frankfurt (5:4) los. Dem 1. FC Kaiserslautern unterlag der SVS danach zwar mit 0:1, doch eine weitere Niederlage sollte es bislang nicht geben.

So wurde nach einem mäßigen Auftritt im ersten Spiel des Kaiserstuhl Cups gegen Gastgeber Bahlinger SC (2:2) der französische Zweitligist AS Nancy (1:0) ebenso besiegt wie nun am Wochenende Drittligist SG Sonnenhof Großaspach (4:3).

Uwe Koschinat an der Seitenlinie

Bewahrte den SVS in der vergangenen Saison vor dem Abstieg: Uwe Koschinat. ©Imago images/foto2press

Stärken & Schwächen

Der SV Sandhausen hat sich vergangene Saison mit einem starken Endspurt aus misslicher Lage befreit und letztlich noch retten können. Mit der erfolgreichen Aufholjagd sollte der Glauben an die eigene Stärke gewachsen sein. Generell ist es für den SVS sicher auch 2019/20 kein Nachteil, dass die externen Erwartungen nicht die Allergrößten sind.

Abzuwarten bleibt unterdessen trotz eines in den Testspielen erstaunlich treffsicheren Rurik Gislason, ob und wie es gelingt, den Verlust von Andrew Wooten und Fabian Schleusener zu kompensieren. Von der Antwort auf diese Frage dürfte einiges abhängen.

Alles andere als optimal verlief die Vorbereitung. Denn neben Tim Kister und Markus Karl, die aufgrund von Verletzungen aus der vergangenen Saison noch kein Thema sind, fielen auch die Neuzugänge Scheu, Engels, Türpitz und Biada vorübergehend aus. Gerade der als wichtiger Transfer eingestufte Türpitz wird voraussichtlich auch das Auftaktspiel bei Holstein Kiel verpassen.

Der Trainer

Uwe Koschinat trat im Herbst 2018 die Nachfolge von Kenan Kocak an, schaffte zunächst aber nicht die Trendwende und stand im Frühjahr mit seinem Team bereits mit dem Rücken zur Wand. In einer deutlich besseren Rückrunde gelang es dem 47 Jahre alten Fußball-Lehrer aber, eine funktionierende Mannschaft zu formen, die den zwischenzeitlich stark gefährdeten Klassenerhalt doch noch schaffte.

Dieser Erfolg war fraglos auch wichtig für Koschinat selbst, der zuvor jahrelang bei Fortuna Köln exzellente Arbeit abgeliefert hatte, aber im Falle eines Abstieges dennoch in der 2. Bundesliga erst einmal als gescheitert gegolten hätte.

In Köln ist es Koschinat mehrfach gelungen, einen personellen Aderlass aufzufangen und trotz überschaubarer wirtschaftlicher Möglichkeiten stets die Ziele zu erreichen. Eine ähnliche und nicht minder schwierige Aufgabe wartet nun in Sandhausen, wo der gebürtige Koblenzer nach dem letzten Halbjahr inzwischen enormen Kredit besitzt.

Die mögliche Startelf

In der Vorbereitung hat Trainer Koschinat zwar auch ein 4-3-3 erprobt und vergangene Saison mehrfach auch ein 4-4-2 aufgeboten, doch in der Regel dürfte der SVS im vom Coach bevorzugten 4-2-3-1 spielen.

Da der Kader im Sommer deutlich breiter aufgestellt wurde, herrscht quer durch alle Mannschaftsteile ein heißer Konkurrenzkampf. Dieser wird zum Start aber noch dadurch entschärft, dass mehrere potentielle Stammkräfte wie Kister, Karl oder Türpitz noch verletzt bzw. nicht bei 100 Prozent sind. Einige wenige Akteure wie Dennis Diekmeier oder Philipp Förster dürften trotz der vorhandenen Optionen ihren Platz sicher haben.

Die mögliche Startelf: Fraisl – Diekmeier, Verlaat, Zhirov, Paqarada – Frey, Linsmayer – Gislason, Förster, Engels – Behrens

Fazit & Prognose

Es wäre eine Überraschung, würde sich der SV Sandhausen in der oberen Tabellenhälfte einnisten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die nächste schwierige Saison wartet, die nur dann gemeistert werden kann, wenn sich neue, verlässliche Torschützen finden und längere Durststrecken wie in der Hinrunde der vergangenen Spielzeit ausbleiben. Am Ende könnten die Erfahrung und die Qualität der Schlüsselspieler um Diekmeier und Förster aber wieder den Ausschlag geben.