1.FC Nürnberg: Freie Bahn für Freigeist Robin Hack

Ex-Ausbildungstrainer Jens Rasiejewski über die Förderung des Club-Neuzugangs

Robin Hack vom 1.FC Nürnberg gewinnt Zweikampf gegen Finn Ole Becker von St.Pauli

Angekommen. Robin Hack (l.) hat sich beim 1.FC Nürnberg in den Fokus gespielt. ©imago images/Bernd Müller

Für Jens Rasiejewski gehört das Thema zu den spannendsten Herausforderungen in der Arbeitswelt eines Fußball-Trainers: Hier der Ausbildungsspezialist. Dort diese hochbegabten Jungprofis. Und dazwischen gelegentlich auch einmal der Individualist, der Einzelgänger, der Andershandelnde. So ein Robin Hack eben.

So geschehen vor einigen Jahren bei der TSG Hoffenheim: Rasiejewski ist damals verantwortlich für das Junioren-Projekt U17. Wie immer gilt es für ihn, eine Gemeinschaft, einen Verbund, ein Team zu gestalten, in denen die Kultur des Miteinanders und das gemeinsame Wachsen stets im Mittelpunkt stehen.

Doch nun erlebt er diesen jungen Burschen mit diesem lockigen blonden Haarschopf in seinen Reihen aufspielen, der unübersehbar und jederzeit spürbar das Potenzial verkörpert, sich nicht vordergründig in taktischen Kalkülen und sonstigen teamorientierten Planspielen bändigen zu lassen. Diesen Robin Hack eben.

Hohes Risiko als Chance für den Club

„Und jetzt wird es spannend, denn jetzt hat ein Ausbildungstrainer zwei Möglichkeiten“, erinnert sich Rasiejewski so lebendig, als habe er vor dieser Schlüsselfrage erst gestern gestanden: „Entweder fängt man als Trainer an, das Individuelle zu kritisieren, daran herumzubasteln, zu beschränken und zu begrenzen. Oder man entscheidet sich, einen so überzeugenden fußballerischen Freigeist so wie er ist zuzulassen und für ihn in der Mannschaft einen entsprechenden Rahmen zu schaffen.“

Die damaligen Hoffenheimer Ausbildungsstrategen entschieden sich für den zweiten Weg. Freie Bahn für den Freigeist. Ihnen sei Dank.

Denn so viel Kreativität und Mut sind keineswegs die Regel, wenn es um die Bewertung einer so präsenten Individualität geht, die das Eins-gegen-Eins auf Teufel komm raus, die Tempoaufnahme ohne Wenn und Aber, den eigenen Torabschluss um jeden Preis in den Mittelpunkt des Handelns stellt.

Ein hohes Risiko dribbelt stets mit. Was geschieht, wenn das Dribbling immer häufiger im Gestrüpp der Verteidigerbeine endet? Was geschieht mit einem Team und dessen Antriebsspiel, wenn der so hochwertig einstudierte Kombinationsverbund viel zu selten zur Anwendung kommt? Was ist ein so faszinierender Fußballzocker wie Robin Hack dann wirklich noch wert?

Möglicherweise hat man bei der TSG Hoffenheim dieses Wagnis gescheut und ihn deshalb an den Club verkauft. Freilich: Es ist ein Verkauf auf Widerruf. Heißt: Wenn Hoffenheim will, muss Hack zurück in den Kraichgau.

„Die Frage ist bei einem Solisten wie Robin Hack immer, wie kann man als Trainer ihn und das Team passend machen: Wieviel Individualität verkraftet und braucht ein Team? Und: Existieren die entsprechenden Komplementärspieler?“, erklärt Rasiejewski weiter.

Sein starker Wille, sich um jeden Preis in die Bundesliga hochspielen zu können, war immer präsent. (Jens Rasiejewski)

Vielleicht hat es dem Spielphilosophie-Spezialisten Rasiejewski geholfen, dass er einst selbst einer dieser Spielertypen war, die anderen, diesen Lichtgestalten, den Rücken freigehalten haben, damit sie diese Ausnahmespieler überhaupt sein konnten. Bei Hannover 96 kämpfte er Bälle zurück, die jugendliche Aufbruchsspieler wie Addo oder Asamoah bei ihren oftmals von Übermut gesteuerten Dribblings mitunter verloren. Ja, Rasiejewski kennt das und war damals in Hoffenheim besonders offen für einen wie Robin Hack.

Robin war schon als 15-Jähriger auf nichts Anderes fokussiert als auf Fußball. Sein starker Wille, sich um jeden Preis in die Bundesliga hochspielen zu können, war immer und überall präsent“, erinnert sich Rasiejewski. Freilich: Wo 100 Prozent Fußball drinsteckt, ist meist kein Platz für 100 Prozent Schule. Da es dort zunehmend ruckelte, war das Kapitel Abitur kein geeignetes Lebensziel mehr. An diesem energieraubenden Spagat hatte er schlichtweg kein Interesse.

Robin Hack jubelt nach Tor für deutsche U21

Lässt auch international aufhorchen. Robin Hack gelang für die deutsche U21 im September in Wales ein Dreierpack. ©imago images/eu-images

Beim 1.FC Nürnberg sind sie aktuell glücklich über die neue Attraktion in ihrem Offensivspiel. Sie haben ihm genau jene Wirkungsstätte eingerichtet, die Robin Hack optimal in Szene setzt. Dort pflegt Robin Hack am linken Flügel die Bälle in Empfang zu nehmen, seinen Turbo zu starten, ins Eins-gegen-Eins zu dribbeln und resolut den Torabschluss zu suchen.

Und immer häufiger hat er dabei gar den Blick für das Miteinander im Repertoire, um – Individualist hin, Einzelkönner her – einen seiner Kollegen mit einem – wie es gern heißt – tödlichen Pass in Szene zu setzen. „Das sind großartige Signale einer sehr positiven Entwicklung“, meint Rasiejewski und deutet dabei an, dass derlei neue Potenziale in der Schaltzentrale der TSG Hoffenheim besonders gern registriert werden.

Kurzes Glück in Nürnberg?

Denn die Rückholvereinbarungen zwischen Nürnberg und Hoffenheim machen aus Robin Hack im übertragenden Sinne doch wieder zu einem Leihspieler. Wer mit Rückkaufoption versehen ist, befindet sich ein Stückweit immer auf dem Sprung. In der modernen Welt der Transferdeals sind den Vereinbarungen in Kreativität und Details keinerlei Grenzen gesetzt.

Eine Retouranforderung nach Nürnberg, wo ein Vertrag bis 2023 existiert, ist in solchen Fällen ein naheliegendes Ereignis. Mitunter schneller als man denkt. Um die grundsätzliche Einschätzung des Robin-Hack-Ausbilders Jens Rasiejewski aufzugreifen: Auch in Hoffenheim soll die Zeit bereits begonnen haben, einem Individualisten wie Robin Hack in der Mannschaft alsbald ein passendes Aktionsfeld zu gestalten.

Beim 1.FC Nürnberg ist dies zwar in beeindruckender Weise bereits gelungen, doch die Freude an Robin Hack könnte dort zu einem sehr kurzen Vergnügen zu geraten. Ja, so ein Rückkaufrecht hat hier womöglich seine Tücken…

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