Kultspieler Sailer: Die Zeit in Darmstadt war zu geil

Interview mit Heidenheims und Darmstadts Ex-Kicker

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Montag, 03.09.18 | 09:26
Marco „Toni“ Sailer klatscht mit Co-Trainer Martin Hauswald ab.

Marco „Toni“ Sailer spielte erst für Heidenheim, erreichte später in Darmstadt Kultstatus und steht jetz für Wacker Nordhausen auf dem Platz. ©imago/Björn Draws

Wenn am Sonntag der 1. FC Heidenheim den SV Darmstadt 98 empfängt, dann kommen bei Marco „Toni“ Sailer Erinnerungen hoch. Schöne Erinnerungen an seine Zeit in Heidenheim und noch schönere an seine drei Jahre in Darmstadt, die ihn zum echten Lilien-Fan gemacht haben.

Liga-Zwei.de hat im Vorfeld des Spiels den Stürmer, der aktuell für Wacker Nordhausen gegen die Kugel tritt, über genau diese Erinnerungen, seine Einschätzung der zweiten Liga sowie sein eigenes Fußballerleben befragt.

Wie schätzen Sie die jeweiligen Saisonstarts vom 1. FC Heidenheim und dem SV Darmstadt ein?
Marco „Toni“ Sailer: „Ich denke, dass beide Vereine sehr zufrieden sein können. Heidenheim hat zuletzt in Dresden gewonnen und Darmstadt konnte zwei Heimsiege landen. Beide Mannschaften sind in meinen Augen gut in die Saison gestartet.“

Wie sehen Sie grundsätzlich das Potenzial beider Vereine auf die gesamte Saison bezogen?
Sailer: „Es ist immer schwierig so etwas einzuordnen. Die Zweite Liga ist nun mal auch eine kleine Wundertüte. Grundsätzlich glaube ich, dass Darmstadt das größere Potenzial als Heidenheim hat, um weiter oben in der Tabelle mitzuspielen.“

„ Darmstadt hat das etwas größere Potenzial. ”
über die Aussichten beider Vereine

Was wird denn das direkte Duell entscheiden? Auf welche Faktoren kommt es dabei an, um dieses Spiel für sich zu entscheiden?
Sailer: „Beide Mannschaften sind sehr kampfstark. Heidenheim ist dazu vor allem sehr heimstark und besitzt durch Marc Schnatterer auch noch reichlich spielerische Akzente. Ein Spieler, der immer den Unterschied ausmachen kann.

Darmstadt kommt mehr über das Kollektiv und hat nicht den absoluten Star in der Mannschaft, aber natürlich eine starke Offensive. Ich glaube, dass die Tagesform entscheiden wird. Mit dieser steht und fällt es. Einen Favoriten sehe ich in diesem Spiel nicht. Auch wenn Heidenheim natürlich den Heimvorteil hat.“

Wer sind neben Marc Schnatterer die Spieler, auf die es in dieser Partie ankommen wird?
Sailer: „Auf Darmstädter Seite ist es sicher Tobias Kempe, der einen großer Faktor im Spiel ausmacht. Und auch Marcel Heller: Wie er ins Spiel kommt und ob er seine enorme Geschwindigkeit auf den Platz kriegt, um so seine Eins-gegen-eins-Duelle zu bestreiten. Die zwei muss Heidenheim in den Griff kriegen.“

Sie waren anderthalb Jahre in Heidenheim und drei in Darmstadt. Wie blicken Sie auf die jeweilige Zeit zurück?
Sailer: „Bei Darmstadt ist das relativ einfach gesagt: Das war einfach eine unbeschreiblich geile Zeit! Wir sind zweimal aufgestiegen und im dritten Jahr haben wir den Klassenerhalt geschafft. Ich hatte eine super Verbindung zu den Fans und der Stadt. Das war für mich etwas Einmaliges. Das kannte ich vorher nicht und das werde ich so sicher auch nicht noch mal erleben.“

Und wie war es in Heidenheim für Sie?
Sailer: „Auch diese Zeit war schön. Allein schon aufgrund der Nähe zur Heimat. Es ist ein sehr familiärer Klub. Es gab immer einen ehrlichen Umgang untereinander. Wir hatten eine richtig tolle und charakterlich einwandfreie Mannschaft. Und mit Frank Schmidt hatte ich einen Trainer, wie ich ihn kein zweites Mal erlebt habe.

Sehr klar, sehr ehrlich, auch sehr streng, aber immer mit einem offenen Ohr. Von ihm habe ich sehr viel im menschlichen Umgang miteinander gelernt. Das waren schon die beiden Vereine, bei denen ich am meisten mitgenommen habe und die schönste Zeit hatte.“

„ Ich bin jetzt Darmstadt-Fan - für den Rest meines Lebens. ”
über seine Beziehung zu den Lilien

Wem drückt man in diesem Spiel denn mehr die Daumen? Oder sind sie da völlig neutral?
Sailer: Also, ich bin schon einfach Darmstadt-Fan jetzt – für den Rest meines Lebens. Die Zeit war einfach zu geil. Das kann ich gar nicht richtig aufwiegen. Sollte Heidenheim das Spiel gewinnen, dann freue ich mich für Frank Schmidt und für den Verein. Es ist nicht so, dass ich mich dann ärgern würde. Aber ich werde niemals gegen Darmstadt sein. (lacht) Das wird nicht passieren.

Wie schätzen Sie prinzipiell die Leistungsstärke der Zweiten Liga ein? Sie haben eben schon gesagt, es ist eine kleine Wundertüte.
Sailer: „Die Zweite Liga hat sich in den letzten vier, fünf Jahren extrem weiterentwickelt. Auch wenn sie schon immer eine gute Qualität besaß. Aber mittlerweile haben alle Spiele eine bessere Ausbildung. Man sieht ja auch, was für junge Spieler da hervorkommen. Die Zweite Liga ist ein Pfund. Da gibt es doch kaum noch jemanden der sagt, er geht lieber in die Türkei und spielt dort in der ersten Liga.

Die Spieler freuen sich, in dieser Liga spielen zu können, weil es eben auch so geile Vereine und geile Stadien dort gibt. Man hat einen riesigen Zuschauerzuspruch. Die Qualität hat noch mal einen großen Schritt nach vorne gemacht – auch vom Tempo her.“

Für Sie stehen aktuell keine Zweitligaspiele mehr an, sondern Spiele in der NOFV-Oberliga Süd. Wie verlief Ihr persönlicher Start in die Saison 18/19?
Sailer: „Bei mir lief es hier in Nordhausen sportlich zuletzt leider nicht mehr so ideal. Aktuell bin ich nur noch in der zweiten Mannschaft aktiv. Leider haben wir erst einen Punkt aus zwei Spielen geholt, müssen als Aufsteiger aber auch erst mal in die Liga reinfinden. Ich bin jetzt nicht unzufrieden mit dem Start, es könnte aber auch besser sein.

Für mich ist es wichtig, dass ich weiterhin Spaß habe und den habe ich. Es ist eine ganz tolle Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Da ist es jetzt auch an der Zeit, meine Erfahrung an diese weiterzugeben. Ich freue mich auf die Saison. Es wird aber eine harte.“

„ Mit 32 Jahren muss man aber auch mal realistisch bleiben. ”
über seine Zukunft als Fußballer

Das heißt, Sie spüren nun keinen Drang nach Veränderung in sich?
Sailer: „Im tiefsten Herzen hätte ich natürlich noch mal Bock, in größeren Stadien zu spielen. Mit 32 Jahren muss man aber auch realistisch bleiben. Wenn noch mal irgendjemand kommt, der sagt, dass er genau so einen Spielertypen wie mich benötigt – ich habe immer von meinem Herz und meinem Kampfgeist gelebt –, dann höre ich mir das ganz sicher einmal an. Allerdings ist es zurzeit tatsächlich so, dass ich nicht noch auf Gedeih und Verderb irgendwo unterkommen muss, nur um höherklassig zu spielen. Wenn, dann muss ich mich auch damit identifizieren können.“

Gibt es denn konkrete Gedankenspiele, wie es für Sie nach der aktiven Karriere weitergeht?
Sailer: „Ja, ich habe ein paar Ideen im Kopf. Es geht in verschiedene Richtungen. Wie so viele andere würde ich auch gerne im Fußball bleiben. Als Co-Trainer oder vielleicht irgendwann auch mal als Trainer. Wobei ich mich selbst mehr als Co-Trainer-Typen sehe, da ich gerne eng an der Mannschaft und eher der lockere Spaßvogel bin. Das wäre schon genau mein Ding.

Ich denke aber auch in völlig andere Richtungen außerhalb des Fußballs. Früher habe ich schon meine Ausbildung bei der Bank gemacht und daher überlege ich selbstverständlich, ob ich in diese Branche zurückgehe. Aber ich spiele auch mit dem Gedanken, eventuell noch eine Ausbildung bei der Polizei zu machen. Es gibt einige Ideen, aber noch nichts Konkretes bisher.“

Dann wünschen wir Ihnen erst einmal alles Gute für die Saison, Herr Sailer! Vielen Dank für das Gespräch.

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