HSV: Harnik sieht Leidenschaft

Stürmer befürchtet keinen Derby-Knacks

MArtin Harnik vom HSV

Martin Harnik will seinem Team nicht die Charakterstärke absprechen. ©Imago images/Michael Schwarz

Der Hamburger SV erlebte einen rundum misslungenen Tag: Das Derby gegen den FC St. Pauli im eigenen Stadion mit 0:2 verloren, den 2. Tabellenplatz an den VfB Stuttgart hergeschenkt – und von hinten ist sogar der Tabellen-Vierte 1. FC Heidenheim bis auf drei Punkte an Hamburg herangerutscht. HSV-Stürmer Martin Harnik sprach nach dem Spiel über die Derby-Niederlage und die Gesamtsituation.

Herr Harnik, können Sie uns diese bittere Niederlage erklären?
Martin Harnik: „Wir kamen überragend in das Spiel rein und hatten in den ersten 20 Minuten alles im Griff. Wir hätten mindestens 1:0 oder 2:0 führen müssen, hatten mit dem Latten- und dem Pfostentreffer allerdings auch Pech. Manchmal haben wir vorne auch nicht die richtige Entscheidung getroffen.

Mit dem ersten Ballverlust gerieten wir dann in Rückstand. Das hätten wir besser verteidigen müssen. Dann wollen wir weiter machen, kassieren aber mit dem zweiten Torschuss das 0:2. Danach hatten wir gefühlt 60 Minuten die Oberhand, wurden aber nicht richtig gefährlich.“

Woran hat das gelegen?
Harnik: „Wir hätten sicherlich noch 90 Minuten weiterspielen können und hätten trotzdem kein Tor geschossen. St. Pauli hat mit den beiden Toren im Rücken natürlich auch leidenschaftlich verteidigt. Dagegen fanden wir keine Lösungen.“

Das waren die besten 20 Minuten dieses Jahres. (über die Anfangsphase)

Warum hat Ihre Mannschaft die beiden Gegentreffer so aus dem Spiel gebracht? Immerhin war das Spiel aus Hamburger Sicht in den ersten 20 Minuten sehr gut…
Harnik: „Ja, ich würde sogar sagen, das waren die besten 20 Minuten dieses Jahres. Das war sensationell. Aber das Derby ist eben sehr wichtig – wichtig für uns und vor allem wichtig für die Fans. In so einem Spiel könnte man etwas Positives entfachen. Wenn man dann aber plötzlich 0:2 hinten liegt und nicht so richtig weiß, woran das liegt, wirft einen das aus der Bahn. Das ist einfach so. Das tut mir Leid für die Mannschaft und alle drum herum. Eigentlich wollten wir nach der Niederlage aus der Hinrunde wieder etwas gut machen.“

Hat vielleicht ein bisschen die Leidenschaft gefehlt? Sie haben selber gesagt, St. Pauli hat leidenschaftlich verteidigt. Der HSV hingegen hat nicht einmal eine gelbe Karte kassiert.
Harnik: „Nein, das glaube ich nicht. St. Pauli hat einfach gut verteidigt. Sie standen teilweise mit acht oder neun Mann im eigenen Strafraum und haben sich in jeden Ball geschmissen. Aber in welche Bälle hätten wir uns schmeißen sollen? St. Pauli hat für die Offensive nicht mehr viel getan. Das ist natürlich auch deren gutes Recht, wenn sie mit zwei Toren führen. Ich denke nicht, dass man uns die Leidenschaft und den Willen absprechen kann. Wir hätten allerdings nicht mit 0:2 in Rückstand geraten dürfen. Wir hätten eher selber mit 2:0 führen müssen.“

Befürchten Sie, dass diese Niederlage einen Knacks geben könnte?
Harnik: „Nein. Letztes Jahr gab es nach der Niederlage bei St. Pauli ebenfalls keinen Knacks. Heute können wir von mir aus sagen, dass das Spiel scheiße war. Aber wir brauchen jetzt kein riesiges Ding draus machen und dies in die nächsten Wochen transportieren.“