HSV: Jung oder Risiko mit Ewerton?

Ohne Timo Letschert ins Saisonfinale und eine mögliche Relegation

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Freitag, 26.06.20 | 08:07

Ewerton

Ewerton könnte im Saisonfinale plötzlich gefragt sein. © imago images / Jan Hübner

Aus eigener Kraft kann der Hamburger SV am Sonntag die Relegation nicht mehr erreichen, aber da Konkurrent 1. FC Heidenheim bei Arminia Bielefeld vor einer schwierigen Aufgabe steht, ist zumindest die Hoffnung vorhanden, auf den letzten Drücker zurück auf den am vergangenen Wochenende verlorenen, dritten Platz springen zu können.

Bevor der Blick nach Bielefeld gehen kann, müssen aber gegen den SV Sandhausen die eigenen Hausaufgaben erledigt werden. Dabei wäre es sicherlich hilfreich, würde die Hamburger Defensive zurück zur Stabilität der Vorrunde finden, in der in 17 Spielen nur 17 Gegentore zugelassen wurden. In den 16 Partien der Rückserie sind es nun bereits 24 Gegentreffer (1,50 im Schnitt) und alleine in den acht Begegnungen seit dem Re-Start schlug es 13 Mal im HSV-Tor ein (1,63 im Schnitt).

Für die erhöhte Anzahl an Gegentoren alleine die Innenverteidigung verantwortlich zu machen, wäre dabei sicherlich zu kurz gegriffen. Dass allerdings auch die zentralen Abwehrspieler Timo Letschert und Rick van Drongelen längst nicht immer die beste Figur abgaben, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Gegen Sandhausen und auch in einer möglichen Relegation fällt der im Laufe der Saison zum Abwehrchef avancierte Letschert nun aufgrund einer im Training erlittenen Innenband-Verletzung im rechten Knie voraussichtlich aus. Weil Trainer Dieter Hecking kaum erneut auf eine Dreierkette wie in Heidenheim setzen wird, zumal der als rechtes Glied aufgebotene Jordan Beyer gelbgesperrt passen muss, erhält van Drongelen im Zentrum einer Viererkette einen neuen Nebenmann.

Ewerton erst mit vier Einsätzen

Ein Kandidat ist Gideon Jung, der in Heidenheim auf der Sechs aufgeboten allerdings nur bedingt Eigenwerbung betreiben konnte und zuvor auch gegen Osnabrück als van-Drongelen-Vertreter kein stabilisierender Faktor war. Für Jung spricht indes die Anfangsphase der Saison, als der 25-Jährige zusammen mit van Drongelen das zentrale Defensivgespann bildete und Anteil am guten Start hatte.

Ob Hecking auf Jung setzt, ist aber keineswegs sicher. Auch deshalb nicht, weil mit Ewerton eine weitere Option vorhanden ist. Der im vergangenen Sommer als neuer Abwehrchef vom 1. FC Nürnberg geholte, dann aber von mehreren Verletzungen zurückgeworfene und nur vier Mal eingesetzte Brasilianer ist inzwischen voll belastbar.

Mit seiner Erfahrung und spielerischen Klasse könnte der 31-Jährige ein besonderes Trumpf im Endspurt sein, sofern die körperliche Fitness des als nicht unbedingt trainingsfleißig geltenden Defensivmannes stimmt. Die Entscheidung darüber obliegt natürlich Coach Hecking, der sich über seine Innenverteidigung diesmal mutmaßlich nicht wenige Gedanken machen wird - und zwischen dem Risiko, einen Ewerton ohne Spielpraxis zu bringen sowie der Chance darauf, seinen potentiell stärksten Innenverteidiger in der Relegation in zumindest ordentlicher Verfassung dabei zu haben, abwägen muss.

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