René Renno: „Ortega ist so brillant wie ter Stegen“

Ex-Keeper bewertet vor Arminia gegen HSV die Torhüter

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Sonntag, 20.10.2019 | 07:25
Stefan Ortega beim Abstoß.

Sicherer Rückhalt bei Arminia Bielefeld: Stefan Ortega. ©imago images/pmk

Schon den Start in ihr Leben verbringen sie beinahe im Gleichschritt. Zwischen ihren Geburtstagen liegen nur sieben Tage, ihre Ortschaften des Aufwachsens, des ersten Fußballspiels und des ersten Auf-sich-aufmerksam-machens stehen nicht im Rampenlicht. Erstaunlich wirken die Parallelen zweier Hauptdarsteller des aktuell so mitreißenden Fußballs in der 2. Bundesliga, die sich einst mit gleichen Fähigkeiten, Ambitionen und Träumen nahezu zeitgleich auf den Weg machten, um darin so gut zu werden, wie sie heute sind.

Am Montagabend treffen sie aufeinander: Arminia Bielefeld gegen den HSV ist vor allem auch Stefan Ortega gegen Daniel Heuer Fernandes. Ihr Spezialgebiet: Torhüter zu sein. Ihr Anspruch: Ein moderner, möglichst perfekter Torhüter zu sein. Ihr Ziel: In die 1. Bundesliga aufzusteigen.

Mit perfekter Ausbildung auffällig

Liga-Zwei.de lässt einen Fachmann sprechen, um herauszufinden, mit welchen Potenzialen die beiden Gleichschritt-Torhüter einerseits punkten können, und mit welchen Schwierigkeiten sie anderseits aktuell zu kämpfen haben.

René Renno ist 40 Jahre alt, war unter anderem für Hertha BSC, den VfL Bochum und Energie Cottbus in der 1. und 2. Bundesliga aktiv. Heute als rechte Hand von Pele Wollitz bei Energie Cottbus in schwierigen Zeiten unverzichtbar.

„ Ihre Strahlkraft ist beeindruckend. ”
René Renno über Ortega & Heuer Fernandes

Als Spezialist für die Analyse des Torwartspiels hat seine Expertise Gewicht. „Beide Torhüter gefallen mit ihrer Handlungsschnelligkeit, ihrer Explosivität, ihrem sauberen, torwartspezifischen Rüstzeug“, sagt Renno und ergänzt: „Ihr Positionsspiel ist sicher, ihr Zugriff entschlossen, ihr Fußballspiel überdurchschnittlich gut. Ihre Strahlkraft beeindruckend.“

Ja, hier stehen sich zwei Torhüter gegenüber, deren Ausbildung wohl kaum perfekter hätte ausfallen können. Stefan Ortega gegen Daniel Heuer Fernandes ist der Aufbruch und die Entwicklung zweier junger Männer, die nahezu korrespondierend erfolgt sind.

Ortega, dessen Vater von der berühmten Costa Blanca stammt, wird im November nur sieben Tage eher 27 Jahre alt als sein Kontrahent. Aufgewachsen im 150.0000-Einwohner-Städtchen Hofgeismar. Als er 14 ist, wechselt er in das NLZ von Arminia Bielefeld.

Starke Technik

Seine Vita seither: 145 Einsätze in der 2. Bundesliga, 89 für Bielefeld, 56 für 1860 München in drei Spielzeiten. Macht inklusive Relegations-Matches, DFB-Pokal und 3. Liga 275 Spiele insgesamt. Bei der Arminia existiert für Ortega eine Vor-Löwen-Zeit und eine Nach-Löwen-Zeit.

Und dies ist der jetzige, der wohl spannendste, stabilste Abschnitt seiner bisherigen Laufbahn: Ortega überragt in der 2. Bundesliga mit seinem Repertoire als fußballspielender Torwart. Auch Liga-Zwei.de fand wiederholt Lob für die peitschenartigen, präzisen Flugbälle hinaus auf die Brust oder den Kopf der Bielefelder Angriffsstrategen Klos und Voglsammer.

„ Ortega macht das schon so brillant wie Marc-André ter Stegen. ”
René Renno

Und jetzt, seit Uwe Neuhaus das Fußballspiel des Torwarts in Bielefeld zur Marke macht, beginnen bei Ortega oftmals bereits das Kombinations- und Antriebsspiel der Arminia. „Mit seinem Pass- und Flugballspiel ist Ortega so perfekt wie kein anderer Torhüter dieser Liga“, sagt Renno und geht mit seinem Urteil gar noch einen Schritt nach vorn: „Ortega macht das schon so brillant wie Marc-André ter Stegen.“

Daniel Heuer Fernandes im Spiel gegen Hannover

Fünf Mal spielte Daniel Heuer Fernandes mit dem HSV in der 2. Liga zu Null. ©imago images/Oliver Ruhnke

In ähnlicher Weise und unter ähnlichen Voraussetzungen verlief und verläuft der Werdegang bei Daniel Heuer Fernandes. Auch sein Vater stammt von der iberischen Halbinsel, in diesem Fall aus Portugal. Als der VfL Bochum sein Talent entdeckte, war Heuer Fernandes 15 Jahre alt. Zwar großartig ausgebildet, doch der Sprung ins Rampenlicht gelang an der Castroper Straße noch nicht. Um den Lehrjungenstatus abzuschütteln, brauchte es Veränderungen des Arbeitsplatzes.

Seine Vita bis heute: 7 Spiele in der 1. Bundesliga für Darmstadt 98, 86 Einsätze in der 2. Bundesliga, 62 Spiele für 98, 13 beim SC Paderborn, aktuell alle neun Ligaspiele sowie das Pokal-Match in Chemnitz für den HSV. Dazu 60 Spiele in der 3. Liga für den VfL Osnabrück sowie sechs Mal im DFB-Pokal. Macht alles zusammen 234 Einsätze und somit beinahe genau so viel Erfahrung wie Ortega.

Heuer Fernandes in schwieriger Lage

Doch genug der Gemeinsamkeiten. Denn auch Torwart-Bewerter René Renno sieht Daniel Heuer Fernandes aktuell im Nachteil, weil in einer deutlich schwierigeren Ausgangslage. „Während Ortega in Bielefeld zu 100 Prozent etabliert ist und aus einer großen, ganzheitlichen Rückendeckung heraus agieren kann, ist Heuer Fernandes beim großen HSV noch auf der Suche nach alledem“, urteilt Renno.

Der Fachmann spricht dabei aus eigener Erfahrung und erinnert an seinen Wechsel von RW Essen zum VfL Bochum: „In Essen war ich Liebling der Fans und hatte das Vertrauen von Trainer und Mannschaft. In Bochum hatte ich zunächst nichts, außer mich selbst. Es braucht Zeit, Können und Glück bis zu einer Rundum-Akzeptanz, die einem Torwart die Stabilität und Sicherheit gibt, um restlos überzeugen zu können.“

„ Wer selten im Dauereinsatz steht, kann nur vereinzelt glänzen. ”
René Renno über Heuer Fernandes

Ein zweites Problem sieht Renno obendrein: Die geringe Beschäftigung, die wenigen Möglichkeiten, sich mit Rettungstaten wertschöpfend in den Teamverbund einzubringen,macht den Auftrag beim HSV zu einem besonders gefährlichen Unterfangen. „Wer selten im Dauereinsatz steht, kann nur vereinzelt glänzen“, sagt Renno.

Doch am Montag auf der prallgefüllten Bielefelder Alm, wenn es für den HSV gegen Ortega, Klos und Voglsammer geht, wird auch beim Torwartspiel des Daniel Heuer Fernandes wohl kaum Langeweile auf dem Stundenplan stehen…

Gewinnt Arminia gegen den HSV? Jetzt mit 11.00-Quote (statt regulär 2.86) bei bet-at-home auf Bielefeld-Sieg oder mit 10.00-Quote (statt regulär 2.31) auf HSV-Sieg wetten!