1. FC Heidenheim: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Qualität aus unteren Ligen

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Montag, 12.11.18 | 08:11
Patrick Schmidt nimmt Anlauf beim 1. FC Heidenheim.

Hat den Sprung von der Regionalliga in Liga zwei schon ganz ordentlich geschafft: Patrick Schmidt. ©Imago/Eibner

Für den 1. FC Heidenheim verlief die letzte Saison alles andere als zufriedenstellend. Abstiegskampf bis zum Schluss und nach 34 Spieltagen gerade einmal Rang 13. Das hatte man sich vor der Saison 2017/18 nicht so vorgestellt. Dennoch haben sich die Heidenheimer nur punktuell verstärkt und im Sommer gerade mal vier neue Spieler geholt.

Einer dieser Neuzugänge ist Patrick Schmidt, der aus der Regionalliga vom 1. FC Saarbrücken kam. Liga-Zwei.de hat mit Jens Kiefer gesprochen und Schmidts Ex-Coach aus Homburger Zeiten gefragt, was den Stürmer auszeichnet und wie er sich zwei Ligen höher durchsetzen kann.

Herr Kiefer, woran außer an Toren erkennt man eigentlich einen guten Stürmer?
Jens Kiefer: „Da denke ich an den Instinkt, richtig zu stehen, an das Spiel gegen den Ball, daran, dass er Bälle festmachen kann, damit andere nachrücken können, und auch an mannschaftsdienliches Arbeiten.“

Sie haben Patrick Schmidt 2014 nach Homburg geholt, obwohl seine Torquote in den Jahren davor nicht so gut war. Welche der genannten Qualitäten haben Sie bei ihm gesehen?
Kiefer: „Eigentlich hat Patrick fast alle diese Qualitäten. Wir haben ihn aber geholt, weil ich ihn schon länger kannte. Ich kannte ihn aus der Jugend in Saarbrücken und wusste, dass er von den körperlichen Voraussetzungen her top ist, eine sehr gute Schnelligkeit hat, Bälle gut festmacht. Vor allem hat er auch den Torriecher. Bei ihm hat es in den Zeiten mit weniger guter Torquote eher an mangelndem Selbstvertrauen gelegen und an den häufigen Verletzungen, die er damals hatte.“

„ Er hat immer sofort wieder an seinem Comeback gearbeitet. ”
über Schmidts Kampfgeist

Plötzlich lief es dann bei ihm: 23 Tore in 37 Spielen beim FC Homburg. Wie haben Sie den Knoten zum Platzen gebracht?
Kiefer: „Wir haben mit Patrick Schmidt einfach gearbeitet. Er hat von mir auch das Vertrauen bekommen. Er hat in dieser Phase anfangs Verletzungsprobleme gehabt. Wir haben ihn aber immer wieder direkt ins Spiel gebracht, wenn er soweit war, und über Kurzeinsätze systematisch aufgebaut.

Wir haben auch an seinem Kopf gearbeitet: Seine besten Szenen zusammengestellt und ihm auf Video gegeben, damit er sie sich angucken kann. So sollte er sehen, wie gut er eigentlich ist. Daran hat er schon hin und wieder mal gezweifelt. Wir hatten auch eine überragende athletische Abteilung, die ihn körperlich vorangebracht hat.“

Sie sagen, er hat sich oft Gedanken gemacht. Seine Karriere verlief ja nicht immer geradlinig. Wie ging er mit Rückschlägen um?
Kiefer: „In dem Moment, wo man einen Rückschlag bekommt, ist es schon ein Problem. Ich glaube aber, dass er immer wieder schnell Mut gefasst hat, wenn der erste Schock überwunden war. Er hat immer sofort wieder am Comeback gearbeitet, auch zielgerichtet gearbeitet und mit dem Willen, wieder auf den Platz zu kommen.“

Für ihn gab es dann noch zwei weitere starke Jahre in der Regionalliga, die ihm dann den Wechsel in die 2. Bundesliga eingebracht haben. Hätten Sie ihm den Sprung zugetraut?
Kiefer: „Ja. Zweite Liga habe ich ihm immer zugetraut. Von den Voraussetzungen her, wenn er fit bleibt, habe ich immer daran geglaubt. Körperlich bringt er, wie gesagt, alles mit. Er ist auch taktisch ganz gut geschult und weiß, wo das Tor steht. Das ist eine Mischung, die auch in der zweiten Liga gefragt ist. Er hat das dann nach den ganzen Rückschlägen irgendwann wieder auf den Platz gebracht und deswegen habe ich ihm das schon zugetraut.“

„ Ich glaube schon, dass er auf Dauer spielen kann. ”
über Schmidts Einsatzchancen

Frank Schmidt bringt ihn meistens von der Bank. Was macht ihn zu einem guten Joker?
Kiefer: „Er ist einfach sofort im Spiel. Du kannst ihn bringen, wenn du zurückliegst, weil du dann einen Stürmer hast, der vorne unheimliche Wege macht, der Lücken reißt, in den Sechzehner geht. Und du kannst ihn bringen, wenn du führst, weil er dann Bälle festmacht, gut gegen den Ball arbeitet und immer wieder anläuft.“

Was glauben Sie fehlt noch, damit es zur richtigen Stammkraft reicht in der zweiten Liga?
Kiefer: „Da bin ich recht weit weg, weil ich kein Training und relativ wenig Spiele sehe. Aber ich glaube schon, dass er sich da durchsetzen kann. Zuletzt durfte er auch mal von Anfang an ran. Er spielt oft, das ist das Wichtigste. Er hat einen Trainer, der ihn zumindest immer wieder bringt und die Möglichkeit gibt, Spielpraxis zu sammeln. Wenn er dann den richtigen Moment erwischt, wo er auch mal Tore macht, glaube ich schon, dass er auf Dauer spielen kann.“

Sein Vertrag in Heidenheim ist langfristig angelegt. Was können die Fans des FCH in den nächsten Jahren von ihm erwarten?
Kiefer: „Er ist ja jetzt das erste Mal auf diesem Niveau. Ich glaube, er passt sich schnell an, hat sich vielleicht zum großen Teil schon angepasst. Wenn er dann richtig drin ist, glaube ich, dass er in der 2. Bundesliga eine Stammkraft sein kann, die auch dort mit Toren auf sich aufmerksam machen kann.“

 

Unsere Bewertungen der Heidenheim-Neuzugänge

Niklas Dorsch im Duell mit Philipp Förster von Sandhausen.

Niklas Dorsch hat sich im defensiven Mittelfeld etabliert. © Imago/Eibner

Volltreffer:
Patrick Mainka – Der Neuzugang von Borussia Dortmunds zweiter Mannschaft ist in der Innenverteidigung gesetzt. Seit dem zweiten Spieltag hat er nicht nur jedes Spiel in der Liga und dem Pokal bestritten, er hat dabei auch noch nicht eine einzige Minute verpasst. Dabei ist er ein wichtiger Stabilitätsfaktor in der starken Heidenheimer Defensive.

Niklas Dorsch – Das 20-jährige Talent, das aus der Bayern-Jugend stammt und durchaus mit einigen Vorschusslorbeeren kam, konnte sein Potenzial bereits mehrfach im Heidenheimer Trikot beweisen. Dorsch hat sich unter Frank Schmidt längst im defensiven Mittelfeld festgespielt und dürfte auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen.

Guter Griff:
Robert Andrich: Der aus Wehen Wiesbaden gekommene Mittelfeldspieler hat sich zwar noch nicht vollends in die Startelf der Heidenheimer spielen können, doch hat sich der 24-Jährige eine Liga höher rasch zurechtgefunden. Neun Spiele bestritt Andrich schon, sechs davon von Beginn an. Ein Scorerpunkt fehlt im allerdings noch.

Patrick Schmidt: Auch der Neuling aus Saarbrücken darf als guter Griff gewertet werden. Immerhin zeigt sich seine Eingewöhnungszeit zwei Spielklassen höher als eine recht kurze. Bisher stand er an jedem Spieltag im Kader der Heidenheimer und kommt bereits auf zehn Einsätze. Auch ein Joker-Tor sowie eine Vorlage sind ihm schon gelungen.

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