Arminia Bielefeld: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Fabian Klos dirigiert

Fabian Klos gibt in der DSC-Offensive den Ton an. ©Imago images/pmk

Nach dem Wiederaufstieg 2015 hat sich Arminia Bielefeld in der 2. Bundesliga etablieren und sogar schrittweise steigern können. Zwar reichte es am Ende der Vorsaison „nur“ zum siebten Platz, doch dafür wurde mit 49 Punkten ein Zähler mehr eingefahren als 2017/18, als sogar Rang vier zu Buche stand.

Insbesondere die Rückrunde verlief aus Bielefelder Sicht bemerkenswert gut. Im Jahr 2019 war die Arminia mit 31 Punkten aus 16 Spielen sogar das beste Team der Liga. Hochgerechnet hätte diese Ausbeute zum Aufstieg gereicht, wovon man in Bielefeld aber nichts wissen will, sondern um Bodenhaftung bemüht ist. Das vordere Drittel hat der DSC gleichwohl im Blick. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de schätzen wir die Chancen der Arminia ein.

Kader & Transfers

Zunächst sah es so aus, als könnte Arminia Bielefeld das gesamte Erfolgsteam der Rückrunde halten, ehe sich Kapitän Julian Börner doch dazu entschied, seine Karriere bei Sheffield Wednesday fortzusetzen. Bis auf den Innenverteidiger gibt es allerdings keine wirklich schmerzhaften Abgänge zu verkraften.

Die erfahrenen Angreifer Sören Brandy und Christopher Nöthe (beide noch ohne neuen Verein) spielten auch verletzungsbedingt keine oder kaum mehr eine Rolle. Ebenso wenig der im letzten Sommer an den VfB Stuttgart verkaufte und direkt wieder ausgeliehene Robert Massimo, der sich nun in Richtung Schwabenland verabschiedet hat.

Das derzeit noch vereinslose Torwarttalent Baboucarr Gaye und der bereits vergangene Saison an Eintracht Braunschweig verliehene und nun fest dorthin gewechselte Leandro Putaro haben den Verein ebenfalls ganz verlassen. Torwart Nikolai Rehnen und Can Özcan sollen derweil auf Leihbasis bei Alemannia Aachen Spielpraxis sammeln.

Neu im Kader sind neben Rückkehrer Prince Osei Owusu (TSV 1860 München) vier Akteure. Der vierfache schwedische Nationalspieler Joakim Nilsson ist als Börner-Ersatz in der Innenverteidigung eingeplant. Cebio Soukou, der aufgrund seiner Teilnahme am Afrika-Cup erst verspätet ins Training eingestiegen ist, erweitert die Möglichkeiten im Offensivbereich. Fabian Kunze (SV Rödinghausen) im zentralen Mittelfeld und Torwart Agoston Kiss (Haladás Szombathely) gelten als Perspektivspieler.

Die aktuelle Form

Die ersten drei Testspiele hat Arminia Bielefeld in der Region absolviert und beim FC Preußen Espelkamp (3:0), bei RW Maaslingen (5:0) und beim VfB Fichte Bielefeld (5:1) allesamt souverän gewonnen. Während des Trainingslagers in Österreich gelang dann mit einem 4:0 gegen den FK Jablonec, in der letzten Saison immerhin Tabellenvierter der tschechischen Fortuna Liga, ein erstes Ausrufezeichen.

Ebenfalls noch auf österreichischem Boden wurde der KFC Uerdingen mit 2:0 bezwungen, ehe es nach der Rückkehr in die Heimat in Gütersloh ein respektables 2:2 gegen den englischen Premier-League-Aufsteiger Norwich City gab. Am Samstag allerdings unterlag die Arminia dem englischen Zweitliga-Aufsteiger FC Barnsley mit 2:3.

Peter Nemeth und Uwe Neuhaus auf dem Weg zur Bank

Das Gespann an der Seitenlinie: Co-Trainer Peter Nemeth (l.) und Chefcoach Uwe Neuhaus. ©Imago images/pmk

Stärken & Schwächen

Arminia Bielefeld verfügt über eine eingespielte Mannschaft, die in der vergangenen Saison nach dem Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Uwe Neuhaus mit einer veränderten Spielanlage gleich mehrere Schritte nach vorne gemacht hat. Bis auf Julian Börner ist das Erfolgsteam zusammengeblieben, doch für den Ex-Kapitän wurde mit dem Schweden Nilsson ein guter Ersatz verpflichtet.

Absolut herausragend war in der Rückrunde die Offensive um einen Fabian Klos in der Form seines Lebens, der mit Andreas Voglsammer auch künftig einen kaum weniger gefährlichen Partner an seiner Seite weiß. Für die dritte offensive Planstelle im mittlerweile etablierten 4-3-3 bieten sich auch dank Neuzugang Soukou einige Optionen, sodass im Bielefelder Angriffsspiel immer wieder neue Akzente gesetzt werden können.

Bereits in der Rückrunde war der interne Konkurrenzkampf auf vielen Positionen intensiv, woran sich nichts ändern dürfte. Weiterhin die Stimmung und den Teamgeist auf hohem Niveau zu halten, wird nicht einfach, sollte der erfahrene Neuhaus aber schaffen.

Ein Problem könnte sich ergeben, sollte Sturmführer Klos länger ausfallen. Neben Voglsammer, der dann links offensiv eine Lücke reißen würde, fehlt es an einer gestandenen Alternative im Sturmzentrum, solange die Langzeitverletzten Sven Schipplock und Nils Quaschner ausfallen. Prince Osei Owusu muss seine Zweitliga-Tauglichkeit im zweiten Anlauf erst noch nachweisen.

Der Trainer

Obwohl es Uwe Neuhaus trotz seiner mittlerweile 59 Jahre bislang nicht vergönnt war, einen Bundesligisten zu trainieren, genießt der gebürtige Nordrhein-Westfale einen hervorragenden Ruf. Nicht von ungefähr, denn sowohl beim 1. FC Union Berlin (2007 – 2014) als auch bei Dynamo Dresden (2015 – 2018) hat Neuhaus über Jahre hinweg bewiesen, Mannschaften formen und ihnen eine klare Handschrift verleihen zu können.

Der im Dezember 2018 zur Arminia gekommene Neuhaus legt großen Wert auf das spielerische Element und einen gepflegten Aufbau inklusive Torhüter. Diese Spielweise ist gerade in der 2. Bundesliga eher selten und durchaus mit Risiko behaftet. Doch in Bielefeld ist es Neuhaus bislang gelungen, ein attraktives Offensivspiel mit defensiver Stabilität zu kombinieren. So erzielte die Arminia in der Rückrunde 2018/19 die drittmeisten Tore (31) und ließ die siebtwenigsten (24) zu.

Die mögliche Startelf

Bis auf Joakim Nilsson, der indes mit Stephan Salger einen erfahrenen und mit den Abläufen noch besser vertrauten Rivalen hat, ist keiner der Neuen in der Startelf zu erwarten. Auf der rechten Abwehrseite wird zunächst Jonathan Clauss beginnen, der nach der Rückkehr des noch verletzten Cedric Brunner aber Konkurrenz erhält.

Auch die linke Abwehrseite, wo sich Anderson Lucoqui und Florian Hartherz auch weiterhin duellieren, ist umkämpft. Im Mittelfeld sind Tom Schütz sowie die von Verletzungen zurückgeworfenen Patrick Weihrauch und Nils Seufert die ersten Alternativen. Rechts offensiv im bewährten 4-3-3 hat sich in der Vorbereitung Keanu Staude in den Vordergrund gespielt. Joan Simun Edmundsson, Clauss und Soukou sind dort aber weitere Optionen.

Die mögliche Startelf: Ortega – Clauss, Behrendt, Nilsson, Lucoqui – Prietl – Edmundsson, Yabo – Staude, Klos, Voglsammer

Fazit & Prognose

Nahtlos an die Rückrunde der vergangenen Saison anzuknüpfen wird zwar nicht ganz einfach, doch spricht vieles dafür, dass die Arminia erneut eine gute Rolle spielen wird. Der eingespielten Mannschaft mit ihrem erfahrenen Trainer ist ein Platz im vorderen Drittel auf jeden Fall zuzutrauen.