Erzgebirge Aue: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Calogero Rizzuto gegen Marko Mihojevic im Zweikampf

Im FCE-Training geht’s hoch her – hier zwischen Calogero Rizzuto (l.) und Marko Mihojevic. ©Imago images/Picture Point

Mit dem 3:1-Sieg am 32. Spieltag bei Jahn Regensburg hat Erzgebirge Aue den Klassenerhalt in der vergangenen Saison deutlich früher perfekt gemacht als noch im Jahr zuvor, als die Rettung nach einigem Zittern erst in der Relegation gegen den Karlsruher SC gelang.

Vor dem vierten Zweitliga-Jahr in Folge hat man beim FCE nun durchaus die Hoffnung, sich vielleicht ganz aus dem Abstiegskampf fernhalten zu können. Ob diese Hoffnung realistisch ist und was für Aue in dieser Spielzeit möglich sein könnte, analysieren wir im Teamcheck von Liga-Zwei.de

Kader & Transfers

Abgesehen von Emmanuel Iyoha, der nach seiner Ausleihe von Fortuna Düsseldorf nun zu Holstein Kiel weitergezogen ist, musste Erzgebirge Aue im Sommer keinen wirklich schmerzhaften Abgang verkraften. Spielmacher Mario Kvesic war in den Jahren zuvor noch weitaus wichtiger und beendete nun sein Reservistendasein mit dem Wechsel zum 1. FC Magdeburg.

Der zuletzt schon an Energie Cottbus verliehene Luke Hemmerich (Würzburger Kickers) schaffte den Durchbruch letztlich nicht, während Youngster Sascha Härtel auf Leihbasis Spielpraxis beim FSV Zwickau sammeln soll. Elias Löder (Germania Halberstadt) gehörte dem Profikader nur auf dem Papier an, spielte aber tatsächlich keine nennenswerte Rolle. Ebenso wenig wie Ole Käuper (nun Carl Zeiss Jena), dessen Ausleihe von Werder Bremen vorzeitig beendet wurde.

Beim erst in der Winterpause von Mlada Boleslav ausgeliehenen, tschechischen Abwehrtalent Jan Král war nach vielversprechenden Ansätzen zunächst eine Weiterverpflichtung angedacht, die allerdings letztlich nicht zustande gekommen ist.

Dafür verstärkte sich der FCE in der Innenverteidigung mit dem erfahrenen Sören Gonther, der wie im Jahr zuvor Pascal Testroet von Dynamo Dresden kam. Der von PAOK Saloniki ausgeliehene Bosnier Marko Mihojevic ist eine weitere Alternative für das Abwehrzentrum, das vergangene Saison auch aufgrund von Verletzungen zu dünn besetzt war.

Für den Angriff sicherte sich Aue auf Leihbasis mit Christoph Daferner (SC Freiburg) und Njegos Kupusovic (Roter Stern Belgrad) zwei entwicklungsfähige Talente. Fest verpflichtet aus der gleichen Kategorie wurden die zentralen Mittelfeldspieler Hikmet Ciftci (1. FC Köln II), Erik Majetschak (RB Leipzig) und Nicolas Sessa (VfR Aalen), die alle jede Menge Potential mitbringen.

Aus der eigenen U19 rückt zudem mit Paul Horschig ein weiteres Talent in den Profikader, auf das die Auer Verantwortlichen große Stücke halten.

Die aktuelle Form

Beim SV Blau-Weiß Albernau (26:0), beim SC Syrau (4:0) und beim TSV Geyer (22:0) ist Erzgebirge Aue mit drei lockeren Siegen in die Vorbereitung gestartet, ehe die Aufgaben mit den Regionalligisten Lokomotive Leipzig (3:1), Energie Cottbus (3:2) und Viktoria Berlin (3:1) schon kniffliger wurden, aber allesamt gemeistert werden konnten.

Im bislang letzten Testspiel besiegten die Veilchen am vergangenen Freitag im Rahmen des Trainingslagers auf Rügen den dänischen Zweitligisten FC Fredericia mit 2:1. Am Mittwoch setzte der FCE mit einem 4:1 gegen Bundesligist Hertha BSC ein Ausrufezeichen, am Samstag gegen Union Berlin wartet dann ein weiterer Härtetest.

Daniel Meyer im Training von Erzgebirge Aue

Daniel Meyer geht in seine zweite Saison als FCE-Trainer. ©Imago images/Picture Point

Stärken & Schwächen

In der vergangenen Saison ließ Erzgebirge Aue 47 Gegentore zu und damit genauso viele wie der 1. FC Köln, der als Meister in die Bundesliga aufgestiegen ist. Ein überragender Wert waren diese 47 Gegentreffer zwar nicht, aber immerhin ligaweit die viertwenigsten. In Sachen Defensivarbeit ist somit eine Basis vorhanden, auf die sich aufbauen lässt. Und Neuzugang Gonther sollte diesen Bereich mit seiner Erfahrung noch weiter stabilisieren.

Ein Handicap ist hingegen der drohende Ausfall von Abwehrchef Steve Breitkreuz, bei dem überwunden geglaubte Knieprobleme wieder aufgetreten sind. Mit Dominik Wydra steht zwar ein weiterer potentieller Akteur für das Zentrum der Dreierkette parat, doch der Österreicher wäre auch im Mittelfeld wertvoll.

Weil darüber hinaus mit Malcolm Cacutalua, Dennis Kempe und Louis Samson drei weitere Defensivspieler noch nicht wieder fit sind, während Neuzugang Mihojevic körperliche Defizite offenbarte, ist die Auswahl für die hinteren Reihen in den ersten Wochen der Saison überschaubar.

Hoffnung macht unterdessen der Angriff. Pascal Testroet hat seine Qualitäten mit 15 Toren in der vergangenen Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt und im Frühjahr mit Philipp Zulechner einen treffsicheren Partner erhalten. Zu hoffen bleibt freilich, dass der in der Vergangenheit vom Pech verfolgte Zulechner über einen längeren Zeitraum hinweg gesund bleibt. Neuzugang Daferner hat darüber hinaus angedeutet, ebenfalls eine gute Rolle spielen zu können.

Der Trainer

Daniel Meyer kam im Sommer 2018 aus dem Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln nach Aue und erwies sich als guter Griff. Zwar verlief das erste Jahr des 39 Jahre alten Fußball-Lehrers stellenweise durchaus holprig, doch letztlich führte Meyer seine Mannschaft immer wieder in die Spur ohne groß von seinen Vorstellungen abzuweichen.

Meyer, der Wert auf ein gepflegtes Aufbauspiel legt und damit im Vergleich zu anderen Mannschaften ein gewisses Risiko eingeht, hat sich im vergangenen Jahr einen gewissen Stellenwert erarbeitet. Auch deshalb wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Hallensers das Auer Trainerteam deutlich erweitert. Mit seinem Bruder André Meyer sowie Ex-Profi Marc Hensel traten mit Vorbereitungsbeginn zwei neue Co-Trainer ihren Dienst an. Daniel Haas, bislang die Nummer zwei hinter Martin Männel, ist künftig Torwart- und Fitnesstrainer sowie Standby-Keeper.

Die mögliche Startelf

Seine Wunschelf kann Trainer Meyer zum Start in Fürth aller Voraussicht nach nicht aufbieten. Weil Abwehrchef Breitkreuz auszufallen droht, wird Wydra in der Dreierabwehrkette benötigt und ist folglich dann keine Option für das zentrale Mittelfeld. Auch Routinier Dennis Kempe, der ansonsten erste Wahl auf der linken Außenbahn wäre, verpasst das erste Spiel mit einiger Wahrscheinlichkeit.

Bevorzugte Formation dürfte trotz einer grundsätzlich vorhandenen Flexibilität weiterhin das 3-4-1-2 mit Jan Hochscheidt als Zehner hinter einer Doppelspitze sein. Dass die Mannschaft mit diesem System inzwischen vertraut ist und nicht viele Neuzugänge integrieren musste, könnte sich gerade im ersten Saisondrittel als Pluspunkt erweisen.

Die mögliche Startelf: Männel – Kalig, Wydra, Gonther – Rizzuto, Riese, Fandrich, Herrmann – Hochscheidt – Zulechner, Testroet

Fazit & Prognose

Auch wenn man in Aue mehr oder weniger offen von einer sorgenfreien Saison träumt, ist realistisch betrachtet doch wieder Abstiegskampf angesagt. Der FCE hat diesen in den vergangenen Jahren aber stets meistern können, nicht zuletzt dank der Geschlossenheit innerhalb des Teams und um die Mannschaft herum. Geht die insgesamt durchaus positive Entwicklung unter Trainer Meyer weiter und hält sich das Verletzungspech diesmal in Grenzen, könnte Aue auch im Frühjahr 2020 vorzeitig gesichert sein.