Erzgebirge Aue Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Montag, 31.08.2020 | 16:00
Jan Hochscheidt bei Erzgebirge Aue

Da lang: Jan Hochscheidt gibt beim FCE mit die Richtung vor. ©Imago images/Picture Point

Nur in der Spielzeit 2010/11, an deren Ende der fünfte Rang stand, war Erzgebirge Aue in der Abschlusstabelle der 2. Bundesliga besser platziert als in der zurückliegenden Saison. Der siebte Platz war denn auch mehr, als den Veilchen im Sommer 2019 von den meisten Experten zugetraut wurde. Die Erwartungshaltung freilich ist damit sicher nicht kleiner geworden. Die Hoffnung auf ein erneutes, sorgenfreies Jahr ist nun auf jeden Fall groß. Ob diese auch berechtigt ist, analysieren wir im Teamcheck von Liga-Zwei.de.

Kader & Transfers

Zwölf Spieler gehören im Vergleich zur vergangenen Saison nicht mehr zum Kader. Schmerzhaft waren die Abgänge der nur ausgeliehenen Innenverteidiger Jacob Rasmussen (AC Florenz) und Marko Mihojevic (PAOK Saloniki), deren Weiterverpflichtung nicht möglich war. Ansonsten kamen von den verabschiedeten Akteuren nur Dennis Kempe (SV Wehen Wiesbaden) und Leihspieler Christoph Daferner (nun Dynamo Dresden) auf nennenswerte Einsatzzeiten.

Die Ersatzkeeper Robert Jendrusch (FC Ingolstadt) und Daniel Haas, der sich nach seinem Karriereende künftig komplett seinem Amt als Torwarttrainer widmet, sowie Dominik Wydra, Njegos Kupusovic (beide Eintracht Braunschweig), Nicolas Sessa (1. FC Kaiserslautern), Filip Kusic (noch ohne neuen Klub) und die vergangene Saison bereits verliehenen Robert Herrmann (Würzburger Kickers) und Paul Horschig (VfB Auerbach) hatten allesamt maximal eine Nebenrolle inne.

Neu zum Kader von Trainer Dirk Schuster gestoßen sind bislang fünf Profis, bei denen es aber aller Voraussicht nach nicht bleiben wird. Bereits dabei sind mit Philipp Klewin (Arminia Bielefeld) und Kevin Harr (Hamburger SV II) zwei neue Torhüter, die sich aber klar hinter Kapitän Martin Männel einreihen müssen. Florian Ballas (Dynamo Dresden) soll die durch die Abgänge und zwei Langzeitausfälle (Steve Breitkreuz, Fabian Kalig) ausgedünnte Innenverteidigung stabilisieren, während Gaetan Bussmann (EA Guingamp) auf der linken Abwehrseite mit seiner Erfahrung aus 28 Bundesliga- und 31 Erstliga-Spielen in Frankreich eine weitere gestandene Verstärkung darstellt.

Neuzugang Nummer fünf, der zuletzt in Polen für Korona Kielce aktive Bosnier Ognjen Gnjatic, heizt den Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld an und macht dort Druck auf die bislang unumstrittenen Stammkräfte Philipp Riese und Clemens Fandrich.

Die aktuelle Form

Den ersten Test hat Aue mit einer 0:1-Niederlage gegen Kickers Offenbach in den Sand gesetzt, sich danach aber drei Mal ansprechend präsentiert. Einem 4:0 während des Trainingslagers im polnischen Opalenica gegen die Zweitvertretung von Pogon Stettin und einem 3:1 gegen den 1. FC Magdeburg folgte am Samstagnachmittag ein weiterer 3:0-Erfolg gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München. Sowohl defensiv als auch offensiv scheinen die Veilchen bereits gut in Schuss.

Stärken & Schwächen

In der vergangenen Saison zeigte Erzgebirge Aue zwei Gesichter. Im eigenen Stadion, sowohl mit als auch ohne Zuschauer, waren die Veilchen eine Macht. 36 Punkte aus 17 Heimspielen konnten am Ende nur der VfB Stuttgart (38) und der 1. FC Heidenheim (37) knapp überbieten. Diese Ausbeute war aber auch nötig, denn hätten aller Partien auswärts stattgefunden, wäre Aue heute kein Zweitligist mehr. Magere elf Zähler aus den 17 Partien in der Fremde bedeuten in der Auswärtstabelle den vorletzten Platz.

Dazu passt, dass Aues Offensive zu Hause mit 32 Toren oft nicht zu bremsen war, wohingegen auswärts nur dürftige 14 Treffer gelangen. In der neuen Saison gilt es nun, das fraglos vorhandene Potential im Offensivbereich konstanter auf den Platz zu bringen. Schwer auszurechnen sollte Aue grundsätzlich sein, verbuchten mit Dimitrij Nazarov (10), Jan Hochscheidt (8), Florian Krüger (7) und Pascal Testroet (7) doch gleich vier Akteure sieben oder mehr Tore. Auch in den Testspielen zeigte sich der FCE überwiegend torhungrig.

Seit Jahren ein Erfolgsgarant ist Martin Männel, der auch in der zurückliegenden Spielzeit wieder zu den herausragenden Torhütern der Liga zählte. Der 32-Jährige sollte auch künftig Rückhalt und Leader in einer Person sein, muss indes am Anfang dazu beitragen, dass sich eine neuformierte Defensive schnell findet. Die ersten vier Testspiele verliefen in dieser Hinsicht mit nur zwei Gegentreffern aber schon vielversprechend.

Als Plus könnte sich im Laufe der Saison auch die taktische Variabilität der Schuster-Elf erweisen. Ein Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette ist mit dem vorhandenen Personal problemlos möglich. Auch offensiv sind Variationsmöglichkeiten vorhanden. Eine Doppelspitze mit Zehner dahinter ist eine Option, ein Dreierangriff mit zwei Flügelspielern eine weitere.

Dirk Schuster

Seit August 2019 in Aue: Dirk Schuster. © imago images / foto2press

Der Trainer

Ein halbes Jahr nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit bei Darmstadt 98 trat Dirk Schuster im August 2019 die Nachfolge von Daniel Meyer an und führte dessen erfolgreiche Arbeit nahtlos fort. Dabei stellte der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer unter Beweis, keineswegs nur Mannschaften formen zu können, deren Stärken im Verteidigen und Zerstören liegen. In Aue legt Schuster großen Wert auf die richtige Balance aus Defensive und Offensive, wobei angesichts von 46:48-Toren in der vergangenen Saison noch Luft nach oben vorhanden ist.

Damit, stets eine leidenschaftlich agierende und hart arbeitende Mannschaft auf dem Platz sehen zu wollen, passt der im lediglich eine halbe Autostunde von Aue entfernten Chemnitz geborene und aufgewachsene Schuster bestens zum FCE. In derlei grundsätzlichen Dingen liegen der ehemalige Nationalspieler (vier Einsätze für die DDR, drei für das vereinte Deutschland) und Klubboss Helge Leonhardt vielfach auf einer Wellenlänge, was keine unwesentliche Voraussetzung für eine langfristige Tätigkeit bei den Veilchen ist.

Die mögliche Startelf

Fazit & Prognose

Auch wenn man sich in Aue natürlich weitere Fortschritte wünscht, dürfte es schwierig werden, die vergangene Saison zu toppen. Vielmehr glauben wir, dass sich die Veilchen eher in einer Tabellenregion bewegen werden, die zu den wirtschaftlichen Gegebenheiten passt. Der Klassenerhalt sollte zwar erneut einigermaßen souverän gelingen, doch recht viel mehr ist wohl nicht drin.

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