1. FC Union Berlin: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Mittwoch, 25.07.18 | 11:16
Manuel Schmiedebach von Union Berlin

Kam aus der Bundesliga an die Alte Försterei: Manuel Schmiedebach. ©Imago/Contrast

Der 1. FC Union Berlin ist offensiv mit der Zielsetzung Bundesliga-Aufstieg in die vergangene Saison gegangen, hat diese aber als Tabellenachter letztlich deutlich verfehlt. Sowohl während als auch nach der Saison hatte das enttäuschende Abschneiden personelle Konsequenzen zur Folge.

In die neue Spielzeit starten die Eisernen nun mit Oliver Ruhnert als neuem Geschäftsführer Profifußball sowie Urs Fischer als neuem Trainer. Wegen der starken Konkurrenz durch die Absteiger aus Hamburg und Köln ist der Aufstieg diesmal nicht das offizielle Ziel, soll aber dennoch innerhalb der nächsten beiden Jahre geschafft werden. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de schätzen wir die Chancen Unions in der bevorstehenden Saison ein.

Kader & Transfers

Mit Toni Leistner (Queens Park Rangers), Kristian Pedersen (Birmingham City) und Steven Skrzybski (FC Schalke 04) hat der 1. FC Union drei absolute Leistungsträger verloren. Die Abgänge von Daniel Mesenhöler (MSV Duisburg), Dennis Daube (KFC Uerdingen), Stephan Fürstner (Eintracht Braunschweig) und Philipp Hosiner (Sturm Graz) fallen hingegen weniger ins Gewicht.

Bei den Neuzugängen lag derweil der Fokus offenkundig auf gestandenen Profis, die ihre Qualität schon nachgewiesen haben. Florian Hübner, Manuel Schmiedebach (beide Hannover 96), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Rafael Gikiewicz (SC Freiburg) und Sebastian Andersson (1. FC Kaiserslautern) sollen auf Anhieb zu Verstärkungen werden. Auch Joshua Mees (TSG 1899 Hoffenheim) ist ein Stammplatz zuzutrauen.

Während die von Leihgeschäften zurückgekehrten Erol Zejnullahu (SV Sandhausen) und Christopher Lenz (Holstein Kiel) um ihre Chance kämpfen müssen, wird noch ein weiterer Stürmer gesucht. Insbesondere auch deshalb, weil Torjäger Sebastian Polter nach einem im Frühjahr erlittenen Achillessehnenriss noch länger ausfällt. Polter ist dennoch wie auch Felix Kroos und Christopher Trimmel weiterhin als Eckpfeiler eingeplant.

Die aktuelle Form

Vor der Generalprobe am kommenden Samstag bei den Queens Park Rangers und damit gegen Ex-Abwehrchef Leistner hat der 1. FC Union keines von bislang fünf Vorbereitungsspielen verloren.

Nach einem 1:1 gegen Carl Zeiss Jena gelangen beim Chemnitzer FC und bei Union Fürstenwalde zwei 3:1-Siege, ehe in einem ersten echten Härtetest während des zehntägigen Trainingslagers im nordrhein-westfälischen Klosterpforte (NRW) auch der englische Zweitligist Norwich City (2:1) besiegt wurde. Am vergangenen Wochenende trotzten die Eisernen schließlich Girondins Bordeaux ein respektables 1:1 ab.

Stärken & Schwächen

Obwohl Torjäger Polter in der Endphase verletzungsbedingt fehlte, erzielten vergangene Saison nur die drei Erstplatzierten Düsseldorf, Nürnberg und Kiel mehr Tore als Union, wobei 54 Treffer durchaus auch noch Luft nach oben bedeuten. Ohne Skrzybski (14 Tore) und Polter (12) muss sich zum Start in die neue Saison aber erst noch ein verlässlicher Torschütze finden und generell auch die Torgefahr aus dem Mittelfeld erhöht werden.

Ebenso steigerungsfähig ist die Bilanz an der heimischen Alten Försterei, wo zwar nur drei Partien verloren, aber eben auch nur sieben gewonnen wurden. Enge Spiele, die vergangene Saison häufig mit einem Remis endeten, sollten gewonnen werden, um ganz vorne mitmischen zu können.

Die Neuzugänge Gikiewicz, Hübner, Reichel und Schmiedebach sollten unterdessen nicht nur die Abgänge im Defensivbereich kompensieren, sondern mit ihrer Erfahrung auch die Stabilität erhöhen.

Urs Fischer von Union Berlin

Hat sogar Erfahrung in der Champions League: Urs Fischer. ©Imago/Eibner

Der Trainer

Als Nachfolger von Andre Hofschneider, der in der Rückrunde keine Argumente für eine Weiterbeschäftigung als Chefcoach sammeln konnte, verpflichteten die Eisernen Urs Fischer, der aus seiner Schweizer Heimat mit der Referenz von zwei Meisterschaften (2016, 2017) und einem Pokalsieg (2017) jeweils mit dem FC Basel kommt.

Fischer, der im Sommer 2017 trotz des Double-Sieges überraschend gehen musste und vergangene Saison ohne Job war, hat in seinen ersten Wochen in Berlin deutlich gemacht, eine aktive Spielweise und viel Ballbesitz anzustreben. Das sollte mit dem Kader auch möglich sein, weshalb die Arbeit des 52 Jahre alten Fußball-Lehrers sicherlich von Anfang an genau beobachtet wird.

Natürlich genießt Fischer erst einmal die volle Rückendeckung der Verantwortlichen um den mächtigen Präsidenten Dirk Zingler. Letzterer hat in der Vergangenheit aber auch nicht gezögert, relativ schnell auf Fehlentwicklungen zu reagieren. Mit dem namhaft besetzten Aufgebot in der unteren Tabellenhälfte herumzukrebsen, wird sich daher auch Fischer nicht über einen längeren Zeitraum hinweg leisten können.

Die mögliche Startelf

Dank der gestandenen Neuzugänge verfügt Trainer Fischer, der ein 4-3-3 bevorzugt, auf nahezu allen Positionen über Alternativen. Mit Polter, Fabian Schönheim, Marc Torrejon, Felix Kroos sowie den Neuzugängen Hübner und Mees haben allerdings einige potentielle Stammspieler die Vorbereitung ganz oder teilweise verpasst.

Gerade Kroos und Hübner sind in fittem Zustand nicht nur gesetzt, sondern auch als Schlüsselspieler eingeplant. Zum Auftakt könnte Coach Fischer aber noch improvisieren müssen.

Die voraussichtliche Startelf: Gikiewicz – Trimmel, Hübner, Friedrich, Reichel – Prömel, Schmiedebach, Hartel – Hedlund, Andersson, Redondo

Fazit & Prognose

Schon alleine wegen der Ausfälle zum Start geht der 1. FC Union nicht als einer der Top-Favoriten in die neue Saison, hat aber durchaus das Potential dazu, um etwaige Schwächen der namhaften Konkurrenz aus Hamburg und Köln zu nutzen. Unabhängig davon dürften die Eisernen, wenn die Neuzugänge einschlagen und sich schon vor der Rückkehr Polters ein Torjäger findet, aber auf jeden Fall um Relegationsplatz drei mitspielen.

Das meint der Experte

Liga-Zwei.de Kolumnist Nico Patschinski: „Polter wird noch eine Weile brauchen, bis er wieder voll da ist, dazu der Abgang von Skrzybski: Es wird für Union schwer, die eigenen Ansprüche zu halten. Ich sehe sie eher unten als oben.“ 

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