„Bochumer Junge“ Frank Heinemann glaubt an VfL

Der Trainer hat auch Darmstadt in positiver Erinnerung

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.18 | 07:53
Frank Heinemann vor dem Spiel

War 37 Jahre beim VfL Bochum: Frank Heinemann kennt den Verein wie seine Westentasche. ©Imago/Osnapix

Das Wort Vereinstreue wird heutzutage oft ausgelutscht, bei Frank Heinemann trifft die Bezeichnung allerdings zu. 37 Jahre lang war „Funny“, so sein Spitzname, beim VfL Bochum, zunächst als Spieler, dann als Trainer und zwischendurch sogar als Fanbeauftragter.

Doch auch den kommenden Gegner der Bochumer kennt Heinemann. Bei den Lilien fungierte er in der Hinrunde der Saison 2016/17 als Co-Trainer unter Norbert Meier. Wie er seine Zeit am Böllenfalltor in Erinnerung hat und was Bochum momentan stark macht verrät er uns im Interview. Außerdem gibt der 53-Jährige interessante Einblicke in seine Tätigkeit als Trainer im VdV-Camp für arbeitslose Fußballer.

Herr Heinemann, momentan sind Sie jeden Montag in der RTL-Nitro-Doku „FC Arbeitslos“ im TV zu sehen. Wie bewerten Sie denn Ihre Fernsehauftritte?
Frank Heinemann: „Ich habe ganz wenig gesehen. Montag schaue ich ja meistens Fußball (lacht).“

Wie wichtig ist es Ihnen, dass das Thema Arbeitslosigkeit im Profifußball mehr Aufmerksamkeit bekommt?
Heinemann: „Wir haben ja viele junge Männer, den Übergang von der Jugend in den Profibereich schaffen nur sehr wenige. Sie haben ganz andere Probleme als die echten Stars, die man jedes Wochenende auf dem Platz sieht.

Tatsächlich gibt es viele Spieler, die auch noch in der vierten oder sogar fünften Liga spielen und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Damit können sie natürlich nicht finanziell aussorgen. Die meisten Zuschauer haben völlig andere Zahlen im Kopf. Dass das Ganze mehr in den Fokus rückt, liegt mir sehr am Herzen.“

Wie beschreiben Sie das Niveau im VdV-Camp?
Heinemann: „Die Einsatzbereitschaft und der Wille, sich weiterzuentwickeln ist extrem hoch. Alle sind fleißig und ehrgeizig, von den jungen Spielern bis zu den Profis wie Enis Alushi, Valdet Rama oder Patrick Klandt, der ja dann auch einen Anschlussvertrag in Nürnberg bekam.

Wir haben sehr viele junge Spieler aus einem Nachwuchsleistungszentrum von Bundesligisten oder Zweitligisten, die den Sprung eben nicht geschafft haben und in unteren Ligen spielen. Bei einigen muss man dann vielleicht noch den anderen Weg gehen und sich auf das Berufsleben nach dem Fußball konzentrieren.“

„ Ich sehe Bochum sportlich vorne. ”
über das Spiel Bochum vs Darmstadt

Sie haben Enis Alushi oder Valdet Rama angesprochen. Wie könnten sie zum Beispiel momentan einem Verein weiterhelfen?
Heinemann: „Das sind Spieler, die schon bewiesen haben, dass sie im Profibereich mithalten können. Sicher sind sie bereits über 30, könnten aber noch dem ein oder anderen Verein helfen. Vorausgesetzt natürlich, dass die Fitness stimmt und sie von Verletzungen verschont bleiben.“

Kommen wir zum aktuellen Geschehen in der 2. Bundesliga. Ihre Ex-Klubs Bochum und Darmstadt treffen am kommenden Montag aufeinander. Wen sehen Sie vorne?
Heinemann: „Ich sehe Bochum sportlich vorne. Auch wenn sie in den letzten Spielen unglücklich Punkte abgegeben haben. Der VfL hat eine eingespielte Mannschaft und sich im Sommer gut verstärkt. Mit Robin Dutt hat Bochum einen guten Trainer, der mit Sebastian Schindzielorz auch dafür sorgt, dass es im Umfeld wieder ruhiger ist.

Darmstadt ist eine ganz erfahrene Mannschaft, die nicht gut gestartet ist, sich aber momentan gefangen hat. Die Mannschaften sind in etwa auf Augenhöhe, aufgrund des Heimvorteils schätze ich allerdings Bochum einen Tick besser ein.“

Der VfL Bochum ist das beste Team der ersten Halbzeit, muss in der zweiten Halbzeit jedoch oft Rückschläge hinnehmen. Welches Muster können Sie darin erkennen?
Heinemann: „Man sagt dann immer schnell, dass es hinten raus fehlt. Das ist nicht so. Ich habe die Mannschaft gesehen, es liegt nicht an der Physis, sie ist gut trainiert. Sicherlich fehlt in der ein oder anderen Situation noch etwas die Cleverness.

Die unglücklichen Gegentore kurz vor Schluss hat man dann vielleicht noch im Hinterkopf. Das muss man rausbekommen. Die Mannschaft ist aber körperlich da, sie marschiert bis zum Schluss. Abstellen muss der VfL nur diese individuellen Kleinigkeiten, die eben zu Gegentoren geführt haben.“

„ Habe mich in Darmstadt sehr wohl gefühlt. ”
über seine Zeit bei den Lilien

Sie haben als Spieler 230 Partien für den VfL bestritten, waren später Co-Trainer. Wie sehr sind Sie heute noch mit dem Herzen dabei?
Heinemann: „Ich bin in Bochum geboren, beim VfL Mitglied seit 1976 und habe 37 Jahre dort gespielt und gearbeitet – da erlebt man natürlich einiges. Zum Beispiel war ich ja auch ein Jahr lang Leiter der Nachwuchsabteilung und der erste Fanbeauftragte des VfL.

Ich bin ein Bochumer Junge, der VfL ist mein Heimatverein und ich habe immer noch eine sehr große Verbundenheit zum Klub. Ich schaue auch noch regelmäßig, wenn es die Zeit zulässt, die Spiele des VfL oder seiner Jugendteams.“

Nun geht es für Bochum wie bereits erwähnt gegen Darmstadt, wo Sie ein halbes Jahr als Co-Trainer an der Seitenlinie standen. Welche Erinnerungen haben Sie noch an die Lilien?
Heinemann: „Ich war leider nur ein halbes Jahr in Darmstadt, habe mich dort aber sehr wohlgefühlt. Die Vereinsführung um Rüdiger Fritsch hat mich als ich 2016 zum Verein gekommen bin super aufgenommen. Damals fühlte ich mich etwas zurückversetzt in meine Bochumer Zeit. Nicht nur vom Stadion her, sondern auch vom familiären Umfeld.

Noch heute haben wir ein gutes Verhältnis.  Als ich gekommen bin, wollte sich Darmstadt in der Bundesliga beziehungsweise der zweiten Liga etablieren. Die Infrastruktur wurde immer weiter verbessert. Der Verein setzt sich realistische Ziele und ich blicke nach wie vor gerne nach Darmstadt.“

Neben Ihrer Tätigkeit im VdV-Camp sind Sie momentan vereinslos. Wann sehen wir Sie wieder an der Seitenlinie?
Heinemann: „Das VdV-Camp ist zeitlich begrenzt, findet momentan nicht statt. Ich bin wie gesagt vereinslos und versuche, nochmal den Einstieg zu bekommen. Natürlich gibt es Konkurrenz durch viele junge Trainer, aber man weiß nie, was sich ergibt.“

Herr Heinemann, vielen Dank für das Gespräch!

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