VfL Bochum: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:18
Lukas Hinterseer jubelt mit seinen Teamkollegen

Der VfL Bochum will den Trend aus der letzten Rückrunde fortsetzen und oben mitspielen. ©Imago/Eibner

Im letzten Sommer ist der VfL Bochum offensiv mit der Zielsetzung Bundesliga-Aufstieg umgegangen, die aber früh revidiert werden musste. Am Ende einer chaotischen Saison mit drei Trainerwechseln und der Trennung von Sportvorstand Christian Hochstätter führte erst Robin Dutt die Blau-Weißen aus dem Tabellenkeller. Für mehr als Rang sechs sollte es aber trotz 21 Punkten aus den letzten zehn Spielen nicht mehr reichen.

Nun hat man in Bochum natürlich die Hoffnung, an den Endspurt anknüpfen zu können. Die Fehler des Vorjahres, als mit der öffentlichen Zielvorgabe auch die Erwartungshaltung und damit der Druck stiegen, wiederholt man an der Castroper Straße freilich nicht und hält sich mit Kampfansagen an die Konkurrenz zurück. Aber was ist drin für den VfL? Wir schätzen die Chancen im Teamcheck von Liga-Zwei.de ein.

Kader & Transfers

Neun Spieler haben den VfL Bochum in der Sommer-Transferperiode bislang verlassen, doch bis auf Kevin Stöger und mit Abstrichen Janni Serra (Holstein Kiel) hinterlässt niemand eine wirkliche Lücke. Der Abgang des österreichischen Spielmachers, der vier Tore erzielte und zu acht weiteren die Vorarbeit leistete, wird aber nicht einfach zu kompensieren sein.

Betraut mit der Aufgabe wird Sebastian Maier, der von Hannover 96 verpflichtet wurde und künftig aus dem Mittelfeld für Torgefahr sorgen soll. Ebenfalls im Mittelfeld beheimatet, aber etwas defensiver, sind Robert Tesche (Birmingham City) und Vitaly Janelt (RB Leipzig) die als Leihspieler ihre Qualitäten schon bewiesen haben und nun fest unter Vertrag genommen wurden.

Neu sind neben Rückkehrer Tom Weilandt (Holstein Kiel) ansonsten nur die Angreifer Milos Pantovic (FC Bayern München) und Silvere Ganvoula (RSC Anderlecht, ausgeliehen), die mit der 2. Bundesliga Neuland betreten, aber Potential mitbringen. Beide treffen in der Offensive aber auf harte Konkurrenz, denn trotz Spekulationen über Ausstiegsklauseln sind mit Lukas HInterseer (14 Tore) und Robbie Kruse (7) die torgefährlichsten Akteure geblieben.

Auch die Routiniers Manuel Riemann, Tim Hoogland, Anthony Losilla und Stefano Celozzi, die wieder in tragenden Rollen erwartet werden, sind weiter dabei. Riemann allerdings könnte den Start aufgrund einer Schulterverletzung verpassen. Möglich zudem, dass noch eine weitere Verstärkung, insbesondere für die Innenverteidigung, zum Kader stößt.

Die aktuelle Form

Gegen die DJK Adler Riemke (17:0) und die SG Linden-Dahlhausen (24:0) startete der VfL mit zwei Kantersiegen in die Vorbereitung, ehe ein dürftiges 2:2 beim FC Brünninghausen eine öffentliche Schelte von Trainer Dutt zur Folge hatte, die ihre Wirkung offenkundig nicht verfehlte.

Denn während des Trainingslagers im bayerischen Weiler-Simmerberg präsentierte sich der VfL gegen den FC Zürich dann deutlich verbessert und besiegte den Schweizer Pokalsieger klar mit 3:0. Vor der Rückkehr in die Heimat gab es dann noch ein 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern, bevor in Rheine der englische Erstliga-Absteiger Stoke City mit 2:0 bezwungen wurde.

Am vergangenen Wochenende musste sich Bochum im heimischen Ruhrstadion im Finale um den H-Hotels Cup nach torlosen 45 Minuten Borussia Mönchengladbach im Elfmeterschießen geschlagen geben. Zuvor waren die Wolverhampton Wanderers im Halbfinale nach einem weiteren 0:0 vom Punkt besiegt worden. Wie gegen die beiden Erstligisten präsentierte sich der VfL auch am Mittwoch gegen den AS Monaco ansprechend und trotzte dem französischen Top-Klub ein 2:2 ab.

Die Generalprobe für den Auftakt gegen den 1. FC Köln bestreitet der VfL am Samstag beim englischen Zweitligisten FC Millwall.

Stärken & Schwächen

Auch wenn sich in der Rückrunde Lukas Hinterseer zum verlässlichen Torschützen gemausert hat und generell unter Trainer Dutt auch ins Offensivspiel mehr Struktur gekommen ist, waren nur 37 Treffer in der vergangenen Saison der viertschlechteste Wert aller Zweitligisten. Mit Spielmacher Stöger ging nun auch noch ein Akteur, der an zwölf Toren direkt beteiligt war. Zumindest teilweise macht die Vorbereitung aber Hoffnung auf Besserung.

Defensiv würde man in Bochum unterdessen gerne an das vergangene Spieljahr anknüpfen, ließen doch nur Aufsteiger Nürnberg und Sandhausen noch weniger als die 40 Gegentreffer zu, die der VfL schlucken musste.

Mut macht definitiv das letzte Saisondrittel, als mit Trainer Dutt der Erfolg kam. Der erfahrene Fußball-Lehrer gilt weiter als Hoffnungsträger, der bis auf den schmerzhaften Abgang von Stöger mit einer weitgehend eingespielten Mannschaft arbeiten kann und nun erstmals eine komplette Vorbereitung mit dem Team absolvieren konnte.

Robin Dutt vom VfL Bochum

Bestätigt Robin Dutt den guten Eindruck nach dem ersten halben Jahr? ©Imago/DeFodi

Der Trainer

Als der VfL Bochum im Februar Robin Dutt als vierten Trainer der Saison nach Gertjan Verbeek, Ismail Atalan und Jens Rasiejewski präsentierte, hielten sich die Begeisterungsstürme im Umfeld in Grenzen. Doch der 53-Jährige, der zu Beginn seiner Trainerkarriere beim SC Freiburg erfolgreich war, bei Bayer Leverkusen und Werder Bremen sowie als Sportvorstand beim VfB Stuttgart aber eher schwierige Zeiten durchlebte, konnte die nicht wenigen Skeptiker rasch überzeugen.

Dutt, der einst auch ein Jahr als Sportdirektor beim DFB fungierte, legte von Anfang an in einer angespannten Tabellensituation großen Wert darauf, seine Spieler nicht zu überfordern und darauf, dass die vermeintlich einfachen Dinge funktionieren. Die Vorbereitung hat Dutt nun zur Feinjustierung genutzt und die Erwartungen an seine Spieler etwa im Hinblick auf ein perfektioniertes Pressing nach oben geschraubt.

Dank des starken Schlussspurts genießt Dutt die volle Rückendeckung der Verantwortlichen um Sportvorstand Sebastian Schindzielorz, der als besonnen gilt und seinem Trainer auch den Rücken stärken dürfte, sollte die Saison holprig beginnen.

Die mögliche Startelf

Trainer Dutt hat in der Vorbereitung zwar auch ein klassisches 4-4-2 mit zwei Spitzen ausprobiert, das durchaus funktionierte, doch zunächst ist davon auszugehen, dass es beim bewährten 4-2-3-1 bleibt, in dem Neuzugang Maier die Stöger-Rolle übernimmt.

Dank der Neuzugänge, Rückkehrer Weilandt und dem nach langer Verletzungspause wieder fitten Timo Perthel herrscht auf vielen Positionen ein enger Konkurrenzkampf, zumal auch Talente wie Maxim Leitsch oder der schon in der Vorsaison auf 24 Einsätze gekommene Jan Gyamerah ins Team drängen.

Die voraussichtliche Startelf: Riemann – Celozzi, Hoogland, Leitsch, Soares – Losilla, Tesche – Sam, Maier, Kruse – Hinterseer

Fazit & Prognose

Das Ende der vergangenen Saison lässt an der Castroper Straße natürlich Träume sprießen, doch die Verantwortlichen beim VfL tun gut daran, die Erwartungshaltung anders als vor einem Jahr nicht zusätzlich zu schüren. Der gut besetzte Kader sollte zwar dazu in der Lage sein, im vorderen Drittel mitzumischen, doch für mehr müsste schon vieles optimal laufen und neben Hinterseer auch weitere Spieler zu regelmäßigen Torschützen avancieren.

Das meint der Experte

Liga-Zwei.de Kolumnist Nico Patschinski: „Bei Bochum weiß man nie, was rauskommt: Werden die ersten zwei oder drei Spiele nicht positiv gestaltet, wird es schnell unruhig. Doch der Trainer ist gut und ich erwarte sie eher oben als unten.“

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