FC Ingolstadt: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Thorsten Röcher "fast wie ein Käfigfußballer"

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:21
Thorsten Röcher am Ball für den FC Ingolstadt

Thorsten Röcher startete solide, hat aber auch laut Ex-Mitspieler Alois Höller, noch Potential. ©Imago/Revierfoto

Die Schanzer haben weiterhin die Rote Laterne inne, daran konnten auch die neun externen Neuzugänge nichts ändern. Mit Thorsten Röcher hat der FCI jetzt allerdings jemand, der sich mit Abstiegskampf auskennt. Das weiß sein ehemaliger Mitspieler Alois Höller am besten.

Der Akademiker und Abwehrmann beim SV Mattersburg spricht mit uns im Interview über seinen Ex-Teamkameraden und verrät, was er an ihm besonders schätzt, aber auch, was Röcher noch verbessern kann. Im Anschluss an das Interview bewerten wir die restlichen Neuzugänge.

Herr Höller, im Januar 2011 kam der gerade 19-jährige Thorsten Röcher aus der sechsten Liga zum SV Mattersburg. Welchen ersten Eindruck hatten Sie damals von ihm?
Alois Höller: „Ein höflicher, eher schüchterner Junge stand damals vor mir. Ich habe ihn als sehr talentiert, aber auch sehr heimatverbunden kennengelernt. Deswegen hat er wahrscheinlich gezögert, ob er den Sprung in den Profifußball überhaupt machen soll. Er hat sich aber super entwickelt und eine gute Karriere gemacht.“

Thorsten Röcher hat in seiner Jugend viel Futsal gespielt. Merkt man ihm das an?
Höller: „Man hat ihm die sehr guten technischen Fähigkeiten wie seine enge Ballführung im Training sofort angesehen. Im eins gegen eins ist er heute noch extrem stark. Ich glaube, dass ihm das schon zugutegekommen ist.“

„ Brauchten zwei Monate, um herauszufinden, ober ein Links- oder Rechtsfuß ist. ”
über seine Vielseitigkeit

Er ist variabel einsetzbar: Auf den Flügeln oder im Zentrum, im Mittelfeld oder im Sturm. Was macht ihn so vielseitig?
Höller: „Als Thorsten 2011 zu uns kam, haben wir ungefähr zwei Monate gebraucht, um überhaupt herauszufinden, ob er ein Links- oder Rechtsfuß ist. Als Verteidiger war er schwer einzuschätzen, weil er immer links oder rechts vorbeigehen konnte. Normalerweise haben Angreifer eine starke Seite, worauf man sich einstellen kann. Da er beidfüßig so stark ist, kann er auf dem Platz dann unterschiedliche Positionen einnehmen.“

Sie standen 154 Mal gemeinsam auf dem Platz, kennen ihn aber auch außerhalb. Was ist Thorsten Röcher neben dem Feld für ein Typ?
Höller: „Ich kannte ihn auch schon, bevor er zu uns gekommen ist. Unsere Heimathäuser liegen nur ungefähr 20 Minuten entfernt. Thorsten ist ein sehr angenehmer, lustiger Zeitgenosse. Er ist für jeden Spaß zu haben. Er lässt sich von jedem Trainer etwas sagen und versucht es umzusetzen.“

Alois Höller am Ball für den SV Mattersburg

Röchers Ex-Mitspieler Alois Höller (r.) steht weiterhin für den SV Mattersburg seinen Mann. ©Imago/GEPA Pictures

Sechseinhalb Jahre haben Sie gemeinsam für Mattersburg gespielt. Eine sehr lange Zeit im schnelllebigen Fußball. Was dachten Sie, als er im Sommer 2017 zu Sturm Graz wechselte?
Höller: „Ich habe mir gleich gedacht, dass er wahrscheinlich noch eine größere Karriere hätte starten können, wenn er den Sprung früher gemacht hätte. Sturm sah ich damals als Zwischenschritt ideal, weil ich gewusst habe, dass er bei einem stärkeren Team noch auffälliger ist. Dass es dann aber so schnell geht, hat mich etwas überrascht. Ich habe mich sehr für ihn gefreut.“

Jetzt spielt er für den FC Ingolstadt. Haben Sie Ihren Ex-Kollegen weiterhin im Blick?
Höller: „Ich verfolge immer, ob er spielt oder nicht. Die Spiele kann ich aus Zeitgründen nicht immer schauen. Angefangen hat es ja ganz gut, jetzt ist der Verein in einer Krise. Da herauszukommen ist nicht leicht, aber ich glaube, der FC Ingolstadt wird es schaffen und Thorsten Röcher wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten.“

„ Er könnte in diese schwierigen Situation vorangehen. ”
über Röchers Erfahrung im Abstiegskampf

Bereits beim SV Mattersburg spielte Röcher gegen den Abstieg, der sich 2013 nicht mehr vermeiden ließ. Wie kann ihm diese Erfahrung jetzt helfen?
Höller: „Wenn du so etwas erlebt hast, ist das im Nachhinein normalerweise immer hilfreich. 2011 und 2012 haben wir den Abstieg ja erfolgreich abgewehrt. Ich denke, er könnte in dieser schwierigen Situation beim FC Ingolstadt durchaus vorangehen.“

Sie selbst studierten Sport und Mathematik. Welche Note würden Sie denn Thorsten Röcher für seine Karriere bisher geben?
Höller: „Eine 2+. Er kommt nicht aus einer dieser Jugendakademien sondern ist fast wie ein Käfig-Fußballer. Dafür hat er wirklich eine tolle Karriere hingelegt. Er hätte aber noch mehr erreichen können.“

Sie haben auch Trainerausbildungen absolviert. Was kann Röcher noch verbessern?
Höller: „Da er eben diese Nachwuchs-Akademien nicht durchlaufen hat, ist er taktisch noch nicht so weit wie andere Fußballer. Wenn er in diesem Bereich arbeitet, kann er noch einen Schritt nach vorne machen. Wobei er sich taktisch bereits bei uns in Mattersburg sehr gut weiterentwickelt hat.“

„ Ich bin mir sehr sicher, dass es ein Wiedersehen gibt. ”
über eine mögliche Rückkehr nach Karriereende

Wie vorhin bereits erwähnt, schlossen Sie ein Studium ab und betreiben nebenbei noch ein Fußballcamp für junge Kicker. Wie wichtig ist es für Sie, sich auch neben dem Platz weiterzubilden?
Höller: „Für mich ist das sehr wichtig. Die Initialzündung war eigentlich, dass ich die akademische Ausbildung angefangen habe, bevor ich Profi wurde. Das hat mir immer gefallen und ich wollte es nebenbei fertig machen. Da kam mir der SV Mattersburg sehr entgegen.

Als Profifußballer hat man neben dem Training und den Spielen relativ viel Zeit. Viele sitzen dann vor der Playstation. Dafür bin ich nicht der Typ. Eher will ich nebenher noch ein Projekt starten.  Ich glaube, das ist nach der Karriere auch zielführender als Playstation zocken (lacht).“

Sie sprechen die Zeit nach der Karriere an. Würden Sie sich freuen, wenn Thorsten Röcher im Herbst seiner Laufbahn vielleicht nochmal zurück nach Mattersburg kommt?
Höller: „Das würde mich sehr freuen. Ich verstehe mich privat sehr gut mit ihm und nach allem was man so hört, will er nach seiner Karriere ja wieder zurück in die Heimat. Ich bin mir sehr sicher, dass es ein Wiedersehen gibt. Vielleicht ja sogar sportlich irgendwann in Mattersburg.“

Herr Höller, vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Bewertung der Neuzugänge des FC Ingolstadt:

Guter Griff:

Robin Krauße – Relativ spät holten die Schanzer Krauße aus Paderborn, auch als Ersatz für die damals verletzten Cohen und Träsch. Der 24-Jährige brauchte etwas Anlaufzeit, stabilisierte den FCI allerdings vor allem in den letzten Spielen. So ist er eine sinnvolle Verstärkung.

Philipp Heerwagen – Als Back-Up für Marco Knaller holte Ingolstadt den gebürtigen Kelheimer. Seit dem zehnten Spieltag steht Heerwagen allerdings in der Startelf. Nach einem unglücklichen Debüt gegen Sandhausen erfüllte er die Erwartungen als solider Rückhalt.

Konstantin Kerschbaumer – Dass er in der zweiten Liga als Leistungsträger vorangehen kann, bewies Kerschbaumer in der letzten Saison bei Arminia Bielefeld. Begann stark, hatte dann aber wie die gesamte Mannschaft einen Durchhänger und besserte sich zuletzt wieder. Im Mittelfeld der Schanzer ist Kerschbaumer ein Schlüsselspieler.

Ausbaufähig:

Osayamen Osawe – Der Zweitligaerfahrene Angreifer überzeugte zuletzt als Vorbereiter, wartet allerdings noch auf seinen ersten Saisontreffer. Eigentlich ein guter Griff, dennoch ist bei Osawe auch noch einiges ausbaufähig.

Lucas Galvao – Der Brasilianer ist in der oft wackeligen Dreier-Abwehrkette noch der stabilste Spieler. Sein Fehlen machte sich deutlich bemerkbar, als Ingolstadt mit 0:4 in Sandhausen unterging. Steigerungspotential ist bei Galvao vorhanden.

Thorsten Röcher – Auf Anhieb schaffte es der 27-Jährige in die Stammelf, konnte vor allem zu Saisonbeginn überzeugen. Für Ingolstadt ist er aufgrund seiner Variabilität wichtig. Allerdings muss Röcher noch effizienter werden.

Benedikt Gimber – In Regensburg spielte Gimber in der vergangenen Saison eine gute Rolle, beim FCI wirkt der 21-Jährige oft verunsichert. Konnte der Abwehr noch nicht die erhoffte Stabilität verleihen.

Charlison Benshop – Der Bundesliga-erfahrene Angreifer konnte sich erst einmal in die Torschützenliste eintragen. Zuletzt saß der Nationalspieler Curacaos nur auf der Bank. Bisher konnte Benshop die Schanzer noch nicht wie gewünscht verstärken.

Keine Bewertung möglich:

Agyemang Diawusie – Der schnelle Flügelspieler kam aus der dritten Liga, Umstellungszeit war für ihn eingeplant. Allerdings durfte er sich nur einmal für 15 Minuten beweisen, seit dem siebten Spieltag stand er nicht mehr im FCI-Kader.

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