Exklusiv: Heiko Westermann über Arminia & Schalke

Der frühere Nationalspieler blickt auf seine Ex-Klubs zurück

Heiko Westermann am Ball für Arminia Bielefeld

Bestritt über 70 Spiele für Arminia Bielefeld: Heiko Westermann. ©Imago images/Sven Simon

Eigentlich hält Heiko Westermann aktuell vorsorglich gebührend Abstand zu den Geschehnissen des großen Fußballs. Denn 17 Spielzeiten lang war der Modellathlet aus der Feinkostabteilung des Verteidigungsspiels ein fester Bestandteil der Bundesliga. Jahr für Jahr, Woche für Woche, Training für Training als Abwehrspezialist mit Fußballverstand reglementiert zu sein, hat sich für Westermann zuweilen angefühlt „wie ferngesteuert und willenlos in einem Hamsterrad festzusitzen“.

Klingt nicht wie eine Liebeserklärung an die inzwischen zwar bunte, doch so kratzbürstige Welt des Profifußballs. Deshalb zieht es Heiko Westermann anderthalb Jahre nach seinem Karriereende nicht zurück an die großen Bühnen des Fußballs. Weder im Stadion oder in einem Fernsehsessel, um sich komplette Spiele anzuschauen.

Das wird ein extrem enges Spiel. (Westermanns Prognose für Arminia gegen Schalke)

Doch am Dienstagabend ist dies anders: Arminia gegen Schalke, dieses Kräftemessen auf der zweiten Etappe des Weges ins DFB-Pokal-Endspiels in Berlin ist für Westermann ein emotionales Revival seiner vielleicht besten fünf Jahre als Bundesligaprofi. Und deshalb macht er eine Ausnahme und wird es sich komplett anschauen. „Das wird ein extrem enges Spiel“, ist sich Westermann sicher. Er sieht hier die Bielefelder mit ihrer geballte Ladung Angriffswucht über Klos und Voglsammer.

Er sieht dort die wiedererlangte stabile Verteidigungspräsenz sowie die Spielfreude der Schalker und kommt zu diesem Resümee: „Am Beispiel der neuen positiven Entwicklung auf Schalke zeigt sich, wie bedeutend die Arbeit des Trainers die Leistung einer Mannschaft beeinflusst. Was David Wagner seinem Team aktuell vorgibt und vorlebt, ist auf dem Spielfeld zu sehen. Mein Abwehrkollege Sané ist das Paradebeispiel dafür, denn nichts erinnert mehr daran, wie schwer vor allem er sich in der vorigen Spielzeit getan hat.“

Bielefeld eine „eingeschweißte Truppe“

Dass die Arminia aus seiner Sicht dennoch nicht chancenlos ist, glaubt Westermann mit seinem eigenen Erleben als Spieler der Arminia begründen zu können: „Unsere größtes Potenzial war immer unsere Gemeinschaft. Eine derart eingeschweißte Truppe wie in Bielefeld habe ich nirgendwo anders angetroffen.“

Und in diesem Zusammenhang fällt Westermann im nächsten Atemzug die gute alte Bielefelder Alm ein: „Wenn die Arminia einen besonders guten Tag erwischt, tobt das Publikum derart kraftvoll, dass garantiert kein Spieler müde wird.“

Zur persönlichen Bielefelder Realität des Heiko Westermann gehört freilich auch dies: Westermann erreichte 2006 Platz 13 und im Jahr darauf Rang 12 in der Bundesliga. Seine Trainer waren erst von Heesen, dann Middendorp, das Trainer-Urgestein der Arminia. In vier der 73 Einsätze im blauen Trikot der Arminia ging es gegen Schalke. „Immer eng, doch immer verloren“, erinnert sich Westermann und wir belegen: Daheim zweimal 0:1 und auf Schalke 1:2 und 1:3.

Auf Schalke die beste Zeit meiner Karriere. (Westermanns über S04)

„Dafür“, so schmettert es aus Westermann heraus, „habe ich in einem meiner ersten Spiele für Schalke die Arminia 3:0 besiegt“. Auch dies stimmt genau und es folgten bei diesem Duell westfälischer Fußballhochburgen bis zum Abstieg der Arminia zwei weitere Schalke-Siege sowie ein Remis.

Heiko Westermann jubelt für Schalke

Heiko Westermann ging auch auf Schalke voran. ©Imago images/Sven Simon

„Ja, auf Schalke erlebte ich die beste Zeit meiner Karriere“, stellt Westermann klar. Zwischen 2007 und 2010 wurde Schalke mit Büskens als Trainer Dritter und Achter sowie unter Magath gar Vizemeister. Westermann absolvierte dabei 123 Spiele im Trikot der „Knappen“ und erzielte dank seiner Schnelligkeit, Kopfballpräsenz und Entschlossenheit beim Torabschluss 18 Treffer.

Nicht schlecht für einen Verteidiger, was somit auch Jogi Löw auffiel und so gehörte Westermann auch zum Spielerkader des DFB-Teams bei der EM-Endrunde 2008, das mit einem verlorenen Finale endete.

Auch die Länderspielkarriere des Heiko Westermann zeigt, wie sehr Westermann bei aller Begeisterung für den Fußball stets um Distanz bemüht war: Als seine Ehefrau und er im Mai 2008 zur selben Zeit erstmals Eltern wurden, als ein Länderspiel anstand, verzichtete er auf die Teilnahme im DFB-Trikot. Zwei Jahre später kam der zweite Nachwuchs und trotzdem schaffte es Westermann mit 27 Einsätzen und vier Treffern eine Zeitlang auch beim DFB eine feste Größe im Abwehrverbund zu sein.

Neues Glück im Ausbildungsfußball

Und zum DFB ist er jetzt auch zurückgekehrt. Nicht in den großen Rahmen. Nein, das will er nicht. Sein Aktionsfeld ist die Ausbildungsarbeit. Genauer dort, wo sie wohl am bedeutendsten ist: Im Alter der 14- bis 16-jährigen. Am Wochenende war er mit der DFB-Auswahl U15 unterwegs und so hatte er ein großes Problem: Zeitgleich spielten die U17-Junioren von Fortuna Düsseldorf.

Dort ist er Assistent von Jens Langeneke und dort somit eigentlich primär als Ausbilder aktiv. Doch diesmal konnte er nicht mithelfen. Und so kam es, wie es nicht kommen sollte: Die Fortuna unterlag 0:3. Wem? „Ausgerechnet den Schalkern“, verrät Westermann kleinlaut.

Immerhin: Heiko Westermann, der ehemalige Schalker und ehemalige Bielefelder, hat keineswegs gebrochen mit dem Fußball. „Im Gegenteil“, stellt Westermann abschließend klar: „Ausbildungsfußball macht Freude und könnte dauerhaft meine Zukunft sein.“ Doch die große Bühne eher nicht…

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