VfL Osnabrück Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Montag, 07.09.2020 | 13:30
Timo Beermann vom VfL Osnabrück

Neuer Abwehrchef an alter Wirkungsstätte: Timo Beermann. ©Imago images/Osnapix

Acht Jahre lang hat der VfL Osnabrück für die Rückkehr in die 2. Bundesliga gebraucht, die den Lila-Weißen im Mai 2019 schließlich gelungen ist. Vergangene Saison legte Osnabrück mit einer starken Hinrunde die Basis für den Klassenerhalt, der in einer deutlich schlechteren Rückserie aber noch noch einmal in Gefahr geriet. Ins gemeinhin als schwieriger bezeichnete zweite Jahr nach dem Aufstieg geht der VfL nun ohne den abgewanderten Erfolgstrainer Daniel Thioune und einem insbesondere in der Offensive deutlich veränderten Kader.

Wie die Chancen stehen, in der neuen Konstellation erneut die Klasse zu halten und erstmals seit 1993 in ein drittes Zweitliga-Jahr in Folge zu gehen, beleuchten wir im Teamcheck von Liga-Zwei.de.

Kader & Transfers

Eine gesamte Mannschaft hat dem VfL Osnabrück in der Sommertransferperiode den Rücken gekehrt. Während die aktuell noch vereinslosen Thomas Konrad und Simon Haubrock sowie Manuel Farrona Pulido (Hansa Rostock) und der verliehene Hakim Traoré in der vergangenen Saison keine oder kaum eine Rolle spielten, sind einige der elf Abgänge schmerzhaft.

Allen voran natürlich der ablösefreie Wechsel von Top-Scorer Marcos Alvarez (13 Tore, drei Vorlagen) zu Cracovia Krakau, der nicht einfach zu kompensieren sein dürfte. Auch Anas Ouahim (SV Sandhausen) und Felix Agu (Werder Bremen), die ihr Potential zwar noch nicht regelmäßig abrufen konnten, aber in den vergangenen beiden Jahren mehr als nur angedeutet haben, hätten die Lila-Weißen gerne gehalten.

Von den vier Leihspielern hinterließ Innenverteidiger Joost van Aken (Sheffield Wednesday) den bleibendsten Eindruck, doch eine Weiterverpflichtung war nicht zu stemmen. Nils Körber (Hertha BSC) verlor seinen Stammplatz im Tor an Philipp Kühn, während sich die Angreifer Benjamin Girth (Holstein Kiel) und Assan Ceesay (FC Zürich) in letzter Konsequenz nicht in ausreichendem Maße empfehlen konnten.

Ebenfalls elf neue Gesichter gehören neben dem aus der Jugend aufgerückten und direkt verliehenen Youngster Traoré dem Profikader an. Mit Marc Augé fungiert ein weiteres aus der U19 befördertes Talent aus Perspektivspieler, während die übrigen Neuzugänge den Konkurrenzkampf anheizen. Darunter auch die Rückkehrer Tim Möller (Sportfreunde Lotte) und Nico Granatowski (Hansa Rostock), die zumindest vorerst einen neuen Anlauf unternehmen.

Während mit Moritz Nicolas (Borussia Mönchengladbach) erneut ein Torwarttalent ausgeliehen wurde, das in Konkurrenz zu Kühn tritt, wurden für die Abwehr mit dem nach sieben Jahren beim 1. FC Heidenheim in die Heimat zurückgeholten Innenverteidiger Timo Beermann und mit Linksverteidiger Ken Reichel (1. FC Union Berlin) zwei sehr erfahrene Kräfte verpflichtet.

Darüber hinaus versucht der VfL die Abgänge von Alvarez und Co. mit gleich fünf neuen Offensivkräften aufzufangen. Über Außen sollen künftig mit Sebastian Kerk (1. FC Nürnberg) und Maurice Multhaup (1. FC Heidenheim) zwei Spieler für Schwung sorgen, die die Liga kennen. Das gilt auch für den flexibel einsetzbaren Ulrich Bapoh (VfL Bochum), der aber nach einem Kreuzbandriss noch Zeit benötigt. Der 20-jährige Luc Ihorst (Werder Bremen II) muss sich dagegen höherklassig erst noch beweisen und kämpft unter anderem mit dem zwölf Jahre älteren Christian Santos (Deportivo La Coruna), der seinen Torinstinkt in verschiedenen Ländern und Ligen unter Beweis gestellt hat, um den Platz im Sturm.

Die aktuelle Form

Alleine den Testspielergebnissen nach zu urteilen darf man sich beim VfL Osnabrück auf die neue Saison freuen. Mit einem 1:5 gegen den FC Schalke 04 verlief der Auftakt zwar alles andere als rund, doch dafür blieben die Lila-Weißen in den übrigen fünf Vorbereitungspartien ungeschlagen. Nach einem 1:1 bei Arminia Bielefeld (1:1), gelang bei Blau-Weiß Lohne (10:1) ein Kantersieg, dem beim SV Meppen (5:0) und gegen den SC Heerenveen (2:0) zwei weitere, vielversprechende Siege folgten.

Die Generalprobe für die Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal beim SV Todesfelde verlief am vergangenen Samstag indes nur durchwachsen. Bei Drittliga-Aufsteiger SC Verl kam Osnabrück trotz einer 2:0-Führung letztlich nicht über ein 2:2 hinaus und bekam noch die eine oder andere Baustelle sowohl in Sachen Offensive als auch im Defensivverhalten aufgezeigt.

Stärken & Schwächen

Vielleicht nicht unbedingt ein Schwachpunkt, aber doch eine Unbekannte ist die Offensive des VfL Osnabrück, die im Vergleich zur vergangenen Saison ein fast völlig neues Gesicht erhalten hat. Neuzugängen wie Kerk, Multhaup oder Bapoh wird zwar ausnahmslos großes Potential attestiert, was auf den vorherigen Stationen des Trios aber zu selten zu sehen war. Auch der erfahrene Santos und Youngster Ihorst müssen erst noch zeigen, die große Alvarez-Lücke schließen zu können.

Mit Blick auf die Rückrunde der zurückliegenden Saison erscheint indes die Defensive noch als größere Baustelle. 32 Gegentreffer in der zweiten Saisonhälfte waren die meisten aller Zweitligisten und das völlige Gegenstück zur mit 16 Gegentoren besten Hinrundendefensive. Nicht zuletzt dank der erfahrenen Neuzugänge Beermann und Reichel sowie den nach langen Verletzungspausen wieder voll einplanbaren Maurice Trapp und Konstantin Engel darf man in dieser Hinsicht aber zuversichtlich sein.

Dass bis auf Weiteres im Stadion an der Bremer Brücke nicht die eigentlich gewohnte Stimmung herrschen wird, ist für den VfL sicherlich ein Nachteil. Mit den fanatischen Fans im Rücken wurden in der Hinrunde 2019/20 unter anderem der Hamburger SV (2:1) und der VfB Stuttgart (1:0) besiegt. Aus den vier Geisterspielen im eigenen Stadion reichte es hingegen nur zu vier Punkten, wobei allerdings schon zuvor mit nur einem Zähler aus den vier ersten Spielen auf eigenem Geläuf im Jahr 2020 die Heimstärke etwas verloren gegangen war.

Marco Grote vom VfL Osnabürck

Marco Grote tritt in die großen Fußstapfen von Daniel Thioune. © imago images / Nordphoto

Der Trainer

Nach zwölf Jahren im Nachwuchs von Werder Bremen, die letzten dreieinhalb Jahre bei der U19 der Grün-Weißen, hat Marco Grote nicht die erstbeste Gelegenheit ergriffen, den Schritt zum Cheftrainer im Profi-Bereich ergriffen. Mit dem VfL Osnabrück, der nach dem Abgang von Daniel Thioune zum Hamburger SV relativ kurzfristig einen neuen Coach benötigte, wurde sich der 47 Jahre alte Fußball-Lehrer aber im Juli einigermaßen schnell einig.

In Osnabrück soll Grote natürlich weiterhin Spieler weiterentwickeln, gleichzeitig aber auch Erfolge einfahren und den erneuten Klassenerhalt realisieren. Dafür sieht der gebürtige Bremer eine stabile Defensive als wesentliche Grundlage, will darüber hinaus seine Mannschaft aber auch agieren und Spiele dominieren sehen.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung des VfL Osnabrück

Fazit & Prognose

Nicht selten weisen Entwicklungen der Vorsaison den künftigen Weg. Nach einer schwachen Rückrunde, dem Verlust von Erfolgstrainer Thioune und Top-Scorer Alvarez erwarten wir ein schwieriges zweites Zweitliga-Jahr für den VfL Osnabrück. Um den Klassenerhalt zu schaffen, muss Trainer Grote schnell eine funktionierende Mannschaft finden und unter den Neuzugängen mehr als ein Volltreffer dabei sein. Vorerst ist der VfL aber ein Kandidat für den direkten Abstieg.

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